Moin,
zum wiederholten Male nun der Bericht aus dem schönen Blenheim. Schön ist etwas übertrieben gesagt, aber es gibt Arbeit. Ich arbeite auf einem Weingut, die Arbeit istb mal besser, mal schlechter, insgesamt ok. Dass man nur einen Hungerlohn bekommt könnt ihr euch ja ausrechnen. Ist ähnlich wie das Spargelstechen in D.
Ich arbeite nicht bei einem Weingut, sondern bei einer Firma, die uns an die Leute ausleiht, das läuft hier immer so. Aber dadurch geht die Bezahlung natürlich noch durch eine Hand mehr. Aber wie gesagt, das geht nicht anders. Seit Dienstag werde ich nach Zeit bezahlt und es sind immer verschiedene Jobs, mal beschneiden, mal Netze aufhängen, die letzten zwei Tage mussten wir kleine Pflanzen richten. Ist ganz ok. Die Vorgaben der Vorarbeiter sind manchmal ok und manchmal unmöglich zu schaffen, aber wir probieren es. Meine Arbeitskollegen sind etwa zur Hälfte andere Backpacker und Malayen oder Phillipinos. Und die machen das als Vollzeitjob jedes Jahr für ihre "Zukunft". Hat mir die eine Frau gesagt. Aber dass die Zukunft bei denen so gut aussieht, glaube ich nicht. Ein Leben, das ich eigentlich nicht sehen will. Natürlich weiß ich, dass es sowas gibt, aber direkt mit den Leuten zusammenzuarbeiten ist mir irgendwie unangenehm. Fast peinlich, auch wenn wir die gleiche Arbeit machen und auf der gleichen Stufe stehen. Ich weiß ja, was ich habe. Wahrscheinlich besitze ich allein hier in NZ mehr Sachen, als die jemals besitzen werden. Dazu (Aus-)Bildung und die Chancen, die mir in D offenstehen, wenn ich zurück bin. Deren Chancen auf Aufstieg liegen nämlich ziemlich nahe bei 0.
Die Weintrauben esse ich nicht mehr, nachdem ich gesehen habe, was die da alles dranspritzen. Ist natürlich alles biologisch und umweltverträglich, aber ungewaschen von der Rebe möchte ich die trotzdem nicht mehr essen.
Ach ja, an Avocados habe ich mich auch überfressen. Die sind hier so günstig und so gesund. Da habe ich mir immer mal ein paar gekauft, aber auch die werden auf die Dauer langweilig.
Die Leute hier im Hostel sind sehr gemischt. Eine Kifferrunde haben wir, einen deutschen Abijahrgang (dem Alter nach, die sind nicht zusammen hier) und viele Japaner. Und natürlich einige Leute, die keiner Clique angehören, wie ich. Aber insgesamt ganz ok, auch wenn unser Zimmer immer nach Alkohol stinkt. Ein Japaner bei mir im Zimmer ist ein heftiger Spritti. Dass das Hostel ziemlich schäbig ist, habe ich ja gesagt, aber auch daran gewöhnt man sich.
Die Stadt Blenheim ist auch langweilig, die besteht nur aus Weinfirmen und Backpackern, die da arbeiten. Und eben die Läden, die man so in einer Stadt braucht. Aber die Stadt scheint nur für Wein angelegt zu sein. Wenn man um Blenheim rumfährt, sind ausschließlich Weingüter zu sehen. Ich denke mal in einem Radius von über 50km um Blenheim rum, ausschließlich Wein. Meine Arbeit mache ich erstmal noch einige Wochen und wenn die Fruitpicking Season anfängt, suche ich mir was anderes. Dort kann man mehr verdienen. Beim Früchteernten, aber auch im Packhouse. Mal schauen, was passiert. Dann bin ich logischerweise nicht mehr in Blenheim, denn hier gibts nur Wein. Auf der Nordinsel ist aber auch besseres Wetter, das würde mir gefallen. Hier wirds langsam Herbst, so wie es bei euch Frühling wird. Und das merkt man. Kälter, regnerischer usw. Ach ja, Wetter. Für alle nochmal, die denken, dass hier die ganze Zeit die Sonne bei tropischen Temperaturen scheint. Das Wetter ist eigentlich genauso, wie in Deutschland, nur um sechs Monate versetzt. Natürlich gibts auch hier bessere und schlechtere Ecken.
Das wars dann so ziemlich. Heute hab ich mich dann nochmal so richtig organisiert. Waschen, Auto saubergemacht, meinen Blog geschrieben...
Gestern abend haben wir "The mist" gesehen, einen Film nach einem Buch von Stephen King. Der war heftig, gar nicht mal so unglaublich blutig und ekelig, aber ich könnte verstehen, dass man danach nicht schlafen kann. Zum Glück gabs danach Bier und Leute und Musik und so. Mal schauen, was heute passiert.
So, reicht.auch, mal achauen, was irgendwann passiert.
Chriss