Hallo,
Wein stinkt!!!
Hier mal wieder ein Bericht meines Arbeitslebens. Passiert ist natürlich wieder nichts, aber ich bin im Moment ganz im Arbeitsleben. Also möchte ich so langsam zu Ende kommen.
Heute ist die Ernte angefangen und die ist einerseits nicht so schlimm, wie ich es erwartet habe, andererseits enttäuschend. Die letzten Tage mussten wir aus den Reben jeder Pflanze immer zehn Büschel rausschneiden. Das ist, damit die Büschel nicht zu nahe aneinanderhängen und sich so mit einem Pilz infizieren. Und die Arbeit war die Hölle, Hinsetzen oder -knien ging nicht, weil man dafür zu schnell weitermuss, aber die Höhe der Trauben korreliert nicht so ganz mit meiner Körpergröße. Und die Ernte ist ja nichts anderes, nur, dass man da eben alle Trauben abschneidet und die nicht auf den Boden fallen lässt, sondern in einen Korb packt. So hatte ich schon die allerschlimmsten Befürchtungen und mich auch schon nach einem anderen Job umgeschaut. Aber dadurch, dass man viel länger an einer Pflanze braucht, lohnt es sich, sch hinzuknien. Zumindest mit einem Knie. Und unser Weinstock heute war einfach und gut gepflegt, da kam man gut an die Trauben ran. Enttäuschend, weil wir nicht soviel Geld verdienen können, wie gehofft. Wir arbeiten auf contract, also nach Leistung, nicht nach Zeit. Normalerweise heißt das ja, dass man so schnell arbeitet, wie man will und danach sein Geld bekommt. Stimmt auch, irgendwie. Aber wir arbeiten auf Gruppencontract, also zählt die Leistung der gesamten Gruppe (heute 70 Leute) und alle bekommen das Gleiche, egal, wie schnell der Einzelne war. Und das Ziel ist vorgegeben. Unser Ziel war heute 25 Tonnen Wein. Also war von vorneherein klar, wieviel wir machen und auch, was wir verdienen. Die einzige beeinflussbare Größe war, wann wir fertig waren. Somit konnten wir indirekt unseren Stundenlohn beeinflussen. Hmm, der Tageslohn bleibt aber gleich und das ist enttäuschend. Und was noch schlimmer war: Wir waren nicht der Engpass, sondern die Fahrer, die die Körbe verteilen und einsammeln mussten. Mit den 25 Tonnen hätten wir schon gegen Mittag fertig sein können, aber so wurde es erst 2PM. Naja, ist aber trotzdem früher, als sonst und mehr Geld. Heute ist Samstag, aber es wird gearbeitet, wenn die Ernte anfängt. Auf WE wird nicht geachtet. Sonntag und Montag ernten wir auch, dann mal schauen. Ich hab mir dreimal heftig in den Finger geschnitten, aber so richtig geblutet hat es nur beim ersten Mal. Hat der Körper einen Reflex, dass es bei mehreren Wunden am gleichen Körperteil immer weniger blutet, um nicht zu verbluten oder ist das einfach physikalisch zu erklären, dass eben nicht mehr soviel Blut im Zeigefinder zirkuliert? Aber fast alle haben sich geschnitten, die gelben Körbe waren später voller roter Flecken. Lecker. Ich hab mir immer eingeredet, dass alles mein eigenes Blut ist.
Mein Backpackerleben ist eintönig. Ich ernähre mich nur noch von Wasser und Brot, Cornflakes und unglaublich viel Obst. Nicht, dass ich mir nichts anderes leisten könnte, aber wenn ich nach Hause komme, habe ich keine Lust etwas zu kochen, nicht mal Nudeln. Und Wochenenden, an denen ich sonst immer gekocht habe, gibts ja nicht mehr. Und Restaurants sind zu teuer. Außerdem gilt da das Gleiche, wie beim Kochen. Wenn ich schon keine Lust habe, mir Nudeln auf den Herd zu stellen, dann erst recht nicht, nach dem Duschen noch das Hostel zu verlassen, um ausserhalb zu essen.
Über die Leute könnte ich stundenlang erzählen, aber das lasse ich lieber. Einige sind witzig, andere nicht. Wir haben vier Gitarrenspieler hier, das ist gut. Einen Rocker, der aussieht wie James Hatfield in den besten Tagen. Und auch die gleiche Musik spielt. Dann einen Ami, der jeden Countrysong der Welt auswendig kennt und auch sonst extrem extrovertiert ist. Ein Punker, der noch nie ein Lied gespielt oder gesungen hat. Aber immer, wenn einer von den anderen Gitarre spielt, setzt der sich daneben und begleitet den. Und zwar richtig gut. Und ein Tscheche, der gut spielt, aber nicht in eine Richtung. Vielleicht würde der "Hanky" genausogut spielen wie "Herr gib uns deinen Frieden" oder "Country Roads".
War ja wieder ein kurzer Artikel. Nichts passiert...
Bis später.
Chriss