Moin,
ein Nachtrag zu Katrins Frage zu den Städten. Da musste ich mich erst noch einlesen, um nichts Falsches zu erzählen. Die Frage war, wie die Städte hier aufgebaut sind, also mit Altstadt, den Ringen drumherum und dann die Wohngebiete außerhalb.
Dazu muss man erstmal wissen, dass das Wort "Stadt" hier etwas schwierig ist. Wenn ich mir mal die Liste der Agglomerationen in NZ bei http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_St%C3%A4dte_in_Neuseeland#Agglomerationen_nach_Einwohnerzahl ansehe ist die zehntgrößte Agglomeration schon bei etwas mehr als 50.000 Einwohnern. Und diese zehn Ballungsräume kommen zusammen schon auf fast 2,5 Millionen Einwohner (bei 4 Mio. Einwohnern komplett). Außerdem hat NZ das gleiche "Problem" wie auch die USA oder sonstige Länder der "neuen Welt" (wir sind ja das "alte Europa", nach Donald Rumsfeld). Die wirkliche Besiedlung des Landes begann vor etwa 150 Jahren. Also ist dort fast alles planmäßig verlaufen, was mit der Stadtplanung zusammenhängt. Sieht man auch. Die meisten Stadtpläne sehen aus wie auf dem Reißbrett. Rechtwinklige Straßen mit immer gleichgroßen Blocks dazwischen. Also gibt es keine Altstadt. Die Häuser sehen aus wie in Amerika. Jeder hat seine eigene Holzhütte. Steinhäuser sieht man selten, weshalb die meist auch nicht so lange halten. Anfangs habe ich noch immer Abstecher gemacht, wenn es irgendwo ein "historisches Gebäude" zu sehen gab, aber das habe ich mir abgewöhnt. Meikes Elternhaus in Menz ist genauso historisch. Nicht, dass es nicht schön wäre (das muss ich jetzt schreiben, allein schon wegen Meike und Familie), aber unter wirklich HISTORISCH stelle ich mir etwas anderes vor. Kurzum: Historische Gebäude sind jünger als in Europa und lange nicht so spektakulär. Eine Sache noch, die ich zwar schon geschrieben habe, aber hier noch einmal passt. Es gibt kaum Häuser mit mehr als zwei Stockwerken. Da jeder Siedler sein eigenes Grundstück von ca 1.000m² bekommen hat, stehen überall Einfamilienhäuser. Und Platz gibt es ja genug. Nur in Auckland wird diese Wohnweise langsam zum Problem, was Landverbrauch und jegliche Art von Infrastruktur angeht (ÖPNV, Gas, Strom, Telefon/Internet...). Hochhäuser gibt es nur in den richtigen Innenstädten, wo es sich für Makler gelohnt hat, die Grundstücke aufzukaufen und das auch nur in den großen Städten, von denen es ja nicht soviel gibt. Und natürlich einige kommerziell genutzte Zweckgebäude, aber das ist ja klar.
Das dazu. Seit gestern ist natürlich nicht soviel passiert. Arbeiten auf dem Vineyard. heute habe ich erst geerntet und dann als "Binboy" gearbeitet. Die "Bins" sind die Kisten, in denen wir die Trauben sammeln. Gestern war es ja auch ein Problem, dass diese Leute nicht hinterhergekommen sind. Heute war das besser, aber noch nicht gut genug und am Ende kamen die wieder nicht hinterher. Da die keine kleinen Trucks mehr hatten, haben die einen Anhänger hinter einen Quad gespannt, auf dem wir dann gestanden haben und die leeren Bins in den Reihen verteilt haben. So durfte ich dann auch zwei Stunden länger arbeiten, als alle anderen, weil wir alle Bins schon für morgen verteilt haben und darauf warten mussten, dass die vollen Bins eingesammelt wurden. Dazu hatte der Anhänger kein genügendes zulässiges Gesamtgewicht. Aber dafür waren es wieder zwei Stunden mehr Geld. Was soll ich auch schon mittags im Hostel. Außerdem war es eine Arbeit für mich. Kisten schleppen ist mehr für mich, als Weintrauben von den Reben schneiden.
Morgen gehts weiter, was ab Dienstag passiert, weiß ich nicht. Aber bei was weiß ich wieviel hundert km² Weingütern, bestimmt genug. Auch, wenn die maschinelle Ernte immer beliebter wird. Da fährt dann eine Maschine durch die Reihen, schüttelt die Pflanzen und fängt die Trauben auf. Ist natürlich nicht so effektiv, wie die Ernte per Hand, aber günstiger. Nur muss man dafür erst Kapital in die Hand nehmen. Aber das werden sich die Leute durchgerechnet haben.
Mit der Jobsuche warte ich erst noch etwas. Wie gesagt, ist es nicht so schlimm, wie befürchtet. Und ich kann morgens entscheiden, ob ich arbeiten will oder nicht. Die nächste Woche bleibe ich noch. Gut, dass ich mich dran erinnere, da muss ich morgen Bescheid sagen, sonst ist mein Bett auf einmal weg, wenn ich von der Arbeit wiederkomme.
Es regnet mal wieder. Mal schauen, ob wir morgen arbeiten.
Tschüss.
Chriss