Tatütata die Post ist da (ist eine scheiß Begrüßung),
hier bin ich wieder mit den neuesten Nachrichten. Also, was ist passiert? Ich habe ein neues Handy, wir sind in Roturua angekommen, hier kommt überall Dampf und heißes Wasser aus dem Boden und es stinkt. Wir haben schon viel gesehen. Und ich fange wieder an mit joggen, weil ja irgend ein Sport sein muss.
Im Moment sitze ich gerade offline im Hostel und schreibe den Blog, weil online sein ja kostet. Deswegen weiß ich auch nicht genau, wann ich den letzten Artikel geschrieben habe, bzw. was darin stand. Aber das dürfte Donnerstag gewesen sein, vielleicht Freitag. Bei Ray ist nicht mehr viel passiert. Freitag haben wir ein paar Bier getrunken und BBQ gemacht (hört sich besser an als "grillen", oder?) und Samstag sind wir hier nach Roturua gefahren. Die Fahrt war unspektakulär. Einmal habe ich nicht auf die Ausschilderung geachtet und ausgerechnet in Auckland bin ich von der Autobahn runter, weil die Ausfahrt zwei Spuren hatte. Naja, so sind wir etwas durch Auckland gekurvt, dann wieder auf den Motorway und bis hierhin. Jetzt habe ich meinen Ölverbrauch amtlich, auf 2.000km verbrauche ich etwa vom Ölmessstab die Hälfte zwischen Max. und Min.. Ist nicht wenig, aber dagegen tun kann ich sowieso nichts. Ich darf den Wagen eben nicht als Rennwagen fahren und immer auffüllen, dann muss er noch einige Monate halten. Das Hostel hatten wir schon von Whangateau aus per Telefon gebucht. Und wir sind mehr als zufrieden mit unserer Wahl. Ausstattung, Leute, Sauberkeit, Preis. Vielleicht ist das auch nur der Gegensatz zu Rays Lodge, da waren nur Leute und Preis in Ordnung.
Zu Roturua noch eben einige Sätze. Hier ist alles vulkanisch. Die ganze Stadt stinkt nach faulen Eiern, an allen Ecken und Enden dampft es und meistens kommt dort auch noch heißes, gelbbraunes und stinkendes Wasser aus dem Boden. Es gibt geschätzte 500 Anbieter von heißen Bädern, Schlammpackungen und ähnlichen Anwendungen. Außerdem lebt hier die größte Maori-Gemeinde Neuseelands, etwa 1/3 der Einwohner sind Maori. Die Stadt selber ist uninteressant, aber von hier aus sind viele Sehenswürdigkeiten zu erreichen.
Samstagnachmittag sind wir hier angekommen und "eingezogen". Abends wollten die Mädels noch unbedingt einen Pina Colada trinken. In der Stadt haben wir laute Musik gehört und haben zufällig den Rest einen Kultur-/Musikfestivals mitbekommen. Das "Lakeside 09". Ach ja, Roturua liegt an einem großen See, der "Lake Roturua". Das Festival war umsonst, alle Leute saßen auf dem Boden und die Musik war sehr bunt gemixt. Ein Opernsänger, eine Frau mit gewaltigem Organ. Einige australische Jugendliche, die Breakdance gemacht haben und ein Maori-Chor. Insgesamt ein schöner Ausklang des Abends, auch wenn die Mädels ihren Pina Colada nicht mehr bekommen haben, aber damit kann ich leben.
Sonntag war Organisationstag. Die drei Frauen wollen Mittwoch bis Samstag einen Great Walk machen. Das sind einige Wanderwege durch NZ, die dauern mehrere Tage und sind eben die schönsten Ecken. Ich will auch einige machen, aber wichtiger ist es, White Island zu sehen. Das ist eine Vulkaninsel im Pazifik gar nicht so weit von hier. Die Insel ist nur ein Vulkan, es gibt kein Leben dort, alles ist sauer und gelb vom Schwefel. Überall dampft und brodelt es, aber nicht zu vergleichen mit Roturua. Im Reiseführer wird es angepriesen, dass es aussieht wie die Hölle und andere Backpacker haben mir das bestätigt. Der Trip geht nur über einen Tag, ist aber abhängig vom Wetter, um mit dem Schiff heil überzukommen und von der vulkanischen Aktivität auf der Insel, um dort zu überleben. Zur Ausrüstung auf der Insel gehört immer auch eine Gasmaske, falls mal was passiert. Somit kann man den Trip frühestens um 7PM für den nächsten Tag buchen und selbst dann kann der noch kurzfristig abgesagt werden. Deshalb muss ich mehrere Tage dafür einplanen.
Die Planung für den Great Walk der Frauen ist etwas "konfus". Kathrin (die Deutsche) traue ich das zu, aber Milada und Jitka (die Tschechinnen) sind dazu nicht in der Lage. Die wollen alles bis ins kleinste Detail geklärt haben, müssen alles wissen, aber leider fehlen denen dazu zwei wichtige Eigenschaften. Erstens sind die extrem entscheidungsunfreudig und zweitens haben die das Zusammenspiel von Internet, Telefon und Papierinfos noch nicht begriffen. Für den Great Walk an sich sehe ich erst recht schwarz, weil die mit Stadtplan noch nicht einmal die 200m von unserem Hostel bis in die Innenstadt von Roturua finden, aber das müssen die selber wissen. Ich bringe die morgen dahin und mache eine Tagesetappe mit, wahrscheinlich die zweite, die soll am schönsten sein. Dann fährt man mit einem Boot zur Hütte und fährt eben an der nächsten Hütte mit dem Boot wieder zurück zum Anfang, wo das Auto steht. Allerdings muss man sich die Great Walks nicht als ausgebaute Wanderwege vorstellen. Zum größen Teil sind die gerade mal ausgeschildert und professionelle Ausrüstung ist obligatorisch. Mal schauen, wie das wird. Ein Tag muss ja gehen, halbprofessionelle Ausrüstung habe ich mir zugelegt. Blöd ist, dass man alles mitnehmen muss. Schnee auf den Gipfeln, 30 Grad in den Tälern, Regen und Sturm, alles ist möglich in den Bergen. Aber eine gute Übung, wenn wir auf der Südinsel noch richtige Gebirgstouren durch die Neuseeländischen Alpen machen wollen. Schön wäre eine Tour zum Mt. Cook, das ist der höchste Berg in ganz Australien und Ozeanien, aber wenn man da alleine hinwill, muss man Profibergsteiger sein und selbst bei geführten Touren wird eine gewisse Erfahrung vorausgesetzt. Wahrscheinlich ist das sowieso zu teuer. Alleine da raufzuklettern ist keine Option und bei zwei Wochen geführter Tour kommt was zusammen. Aber das entscheide ich irgendwann, wenns dran ist.
OK, weiter im Text. Sonntag haben wir etwas organisiert, abends waren wir an einem See schwimmen und später sind die beiden Tschechinnen von einem Typen abgeholt worden, bei dem die übernachten. Die sind beim Couchsurfing angemeldet. Kennt ihr das System? Eigentlich das gleiche wie die mitfahrzentrale nur mit wohnen. Auf einer Internetseite kann man angeben, ob man Schlafplätze anbietet oder selber haben will und sich dann eben bei den passenden Leuten melden. Weltweit und umsonst. Hab ich auch schon überlegt, zu machen. Gerade in Europa ist das doch super. Per Billigflieger für 100€ in irgendeine europäische Großstadt, dort umsonst ein WE wohnen und wieder zurück. Gerade in Europa haben wir doch den Vorteil, dass soviele verschiedene Kulturen so nah aneinander leben. Von hier aus fliegt man erstmal 3.000km in das nächste Land (Australien) und dort spricht man die gleiche Sprache und auch die Kultur ist zumindest sehr ähnlich wie hier. Aber das darf kein Neuseeländer hören. Eigentlich sind alle Länder der Welt viel größer als in Europa, soviele verschiedene Kulturen und Sprachen auf solch kleinem Raum gibts nirgendwo anders.
Der Typ vom Couchsurfing auf jeden Fall ist ein etwas ruhiger Mensch. Natürlich nett und offen, sonst würde er ja auch kein Zimmer anbieten, aber er selber antwortet nur und fragt nicht. Komisch, aber nicht mein Ding. Er ist Mechaniker für ein Rennteam im APRC (Asia-Pacific-Racing-Championship), fährt selber auch hobbymäßig Rennen, muss "seine" Rennwagenn auch testen und fährt als Privatauto einen Holden Commodore SS (SuperSport) 5,7L, V8. Direkt Sonntagabend hat er uns eine heiße Quelle gezeigt. Die einzige im Umkreis, die noch nicht kommerzialisiert wurde, irgendwo im Wald. Überlandfahrten mit dem Auto machen Spaß. Wir waren fünf Leute im Auto, aber der Wagen ist die pure Energie. Und dann soll man sich an ein generelles Tempolimit von 100 km/h halten. Ich denke, Thomas kennt dieses Gefühl. Das letzte Stück auf dem Weg zu der heißen Quelle ist eine Schotterpiste und da wollte der mal zeigen, was er kann. Das Auto hat natürlich Heckantrieb und dann mit 120 da durch. Später hat er mir auch Videos gezeigt, dass die da schon Rennen ausgetragen haben (legal mit Zuschauern und Polizei). Somit war ich etwas beruhigter, dass es doch nicht so gefährlich war, wie dachte, aber währenddessen hatte ich manchmal Angst. Trotzdem Respekt, wie er das Auto unter Kontrolle hat, wenn das Heck die gesamte Strecke über ausbricht. Unter www.kenblockracing.com kann man einige Sachen sehen. Das ist ein Kumpel von ihm, ein Fahrer, mit dem er schon oft zusammengearbeitet hat. Da sind einige schöne Videos drauf. Wens interessiert... Die Quelle an sich ist richtig schön. Schön ist der falsche Ausdruck. Vom Aussehen ist sie ein Fluss im Wald mit kleinem Wasserfall. Unspektakulär. Aber sie hatte eine Temperatur von 43,4Grad. Und wegen des Wasserfalls ist dort so etwas wie ein kleines Becken, wo man schön baden kann. Sehr entspannend. Direkt am Wasserfall ist der Sand sehr locker und man sinkt mit den Füßen ein und verbrennt sich die Füße. Allerdings ist es ja nicht unerträglich heiß.
Gestern sind wir in die Vulcanic Valley gefahren. Das sind einige Vulkane, einige aktiv, einige erloschen, mit Kratern und den dazugehörigen Seen, kleinen Geysiren und wie überall hier kommt heißes Wasser und Dampf aus allen möglichen Erdspalten. Einige Fotos davon stelle ich ein. Jetzt probiere ich nochmal, alle Fotos zu benennen. Heute ist ein reiner Relax-Tag. Wir sind etwas im Park spazieren gegangen. Die Frauen wollten noch in so ein Dampf-/Matschbad, das habe ich ausgelassen. Dafür bin ich joggen gegangen. Sollte ich wieder öfters machen, der Sport kommt hier etwas zu kurz. Aber ich war erstaunt, wie gut das nach so langer Zeit immer noch geklappt hat.
Ansonsten habe ich mir en neues Handy gekauft, meine neue Nummer ist:
0064 (0) 211308122
So, reicht das als Artikel?
Keine Ahnung, wie lange ich schon schreibe, aber eine ganze Weile. Aber dafür ist es ja auch ein Relaxing-Day.
Jetzt muss ich noch Korrekturlesen, die Fotos organisieren und eine Internetverbindung finden, damit ich alles veröffentlichen kann.
Einen schönen Tag in Richtung Deutschland und alles Gute für Euren weiteren Lebensweg wünsche ich euch.
Chriss