Kia Ora,
weiter im Text. Der Artikel wird lang heute, mal wieder. Zuerst die Kurzform. Im letzten Artikel habe ich das ja auch so gemacht. Jule hat mich drauf gebracht, dass die Artikel oft sehr lang sind. Also versuche ich in Zukunft, zuerst eine Kurzform und dann die Langversion zu schreiben. Ihr könnt euch dann aussuchen, was ihr lesen wollt.
Also die Kurzform:
Mein Auto ist wieder heile, hat knapp 800$ gekostet, zwei Tschechinnen haben sich auf meinen Aushang gemeldet, mit denen reise ich die nächsten 4 - 6 Wochen durch Neuseeland und die haben ab morgen auch einen Job für mich auf irgendwo im Weinanbau organisiert. Gestern war ich auf dem Big Day Out, das Festival hier und es war sehr geil.
Und jetzt in Langform. Mittwochabend sollte mein Abend eigentlich besinnlich enden, indem ich mich früh ins Bett lege. Aber wie immer saßen einige Leute zusammen, dort saß ich dann auch noch etwa bis 2. Somit war das Aufstehen Donnerstag früh nicht ganz so einfach. In dieser Zeit haben sich aber zwei tschechische Frauen bei gemeldet, dass die mit mir reisen wollen. Ich hatte vorher einen Aushang gemacht, dass ich Travelmates suche. abends haben wir dann nur noch abgemacht, DASS wir uns treffen. Morgens musste ich nun mal raus, weil die Werkstatt die Aufträge abarbeitet, wie sie reinkommen. Zur Werkstatt, dort habe ich nur meinen Vornamen und meine Telefonnummer angegeben. Etwas Angst hatte ich schon. Kein Zettel, dass ich mein Auto dort abgegeben habe und so etwas wie einen Fahrzeugbrief gibt es ja auch nicht. Andererseits ist es eine Werkstattkette, dort klauen die nicht mein Auto. Auf jeden Fall wollten die sich innerhalb einer Stunde melden, wenn die wissen, wie teuer und wann es fertig ist. Nach zwei Stunden bin ich dort vorbeigegangen. Die haben alle "1" in meiner Telefonnummer als "7" gelesen. Und an alle, die meine Schrift kennen. Sie war diesmal echt gut. Aber die schreiben die "1" etwas anders als in D. Die Infos waren dann ca. 800$ und 3PM. Hab ich natürlich machen lassen, muss ja. In der Zwischenzeit hatten sich die beiden Tschechinnen gemeldet hatten. Wir wollten uns Downtown treffen. Dazu musste ich aber erstmal dahin zurück, ohne Auto. Und das Bussystem hier habe ich noch nicht verstanden. Allerdings gibt es für jede Richtung eine eigene Station und ich wollte zum ZOB. Insofern spielte es keine Rolle, welche Linie ich nehme. Dort habe ich die beiden Frauen getroffen. Tja, die sind sehr organisiert, wollen am besten jetzt schon die nächsten zwei Monate komplett durchplanen. Ist mir schon fast etwas viel, aber besser, als zuwenig Organisation. Ihr kennt mich. 27 und 28 Jahre alt, haben beide Literaturwissenschaft studiert, die eine noch zusätzlich irgendwas mit Touristik und spricht 5 Sprachen, Tschechisch, Französisch, Englisch, Spanisch und Deutsch. Nicht schlecht. Wobei mir aber eines aufgefallen ist: Wenn man ein Talent für Sprachen hat und eine germanische (Englisch, Deutsch...) und eine romanische (Spanisch, Portugiesisch, Französisch, Italienisch...) Sprache spricht, ist es nicht schwierig, mehr davon zu lernen. Ich kann keine romanische Sprache, aber wenn sich die Chilenen unterhalten, kann ich durch einige Worte oft ganz grob ein Thema erkennen. Und mit etwas Unterricht und einem Aufenthalt in einem spanischsprachigen Land, sollte es klappen. Schwierig würde dann irgendwas Kyrillisches oder Asiatisches.
Wegen des Festivals konnte ich nicht vor Sonntag weg und die nicht mehr im Hostel bleiben. Alles voll, wie alle Hostels in Auckland während des Big Day Outs. Also haben die einen Bus in den Norden gebucht, wo ich ja schon war. Anfangs war geplant, dass die mich anrufen, wenn die zurück sind. Montag oder Dienstag wollten wir dann eigentlich los in Richtung Süden.
Danach habe ich noch eingekauft, mir die Zeitpläne vom Festival angeschaut, mich eben etwas organisiert und mein Auto abgeholt, 783,50$. Reißt ein Loch in meine Reiseplanung, aber ich komme noch durch. Aber das Auto ist wieder ok.
Jetzt schwenke ich mal vom zeitlichen zum funktionalen Ablauf um. Eigentlich wäre nach dem Donnerstag der Freitag dran, aber da war das Festival, dem möchte ich später etwas mehr Aufmerksamkeit widmen. Samstag: Lange schlafen, relaxen, nichts tun, waschen... Soviel ist heute (Samstag) nicht passiert, aber die beiden Tschechinnen haben sich wieder gemeldet, mir einer guten Nachricht. Die haben Arbeit gefunden in Warkworth im Weinanbau, etwa 60km nördlich von Auckland. Und weil wir zusammen reisen wollten und ich jetzt durch meine neue Lichtmaschine etwas knapp bin, muss ich ja auch arbeiten. Die haben mir auch einen Job organisiert, das gleiche was die machen. Wir wissen aber alle drei noch nicht, was es eigentlich ist. Ob wir Trauben pflücken müssen oder direkt in der Kellerei arbeiten. Oder wieviel ich verdiene. Oder wo wir schlafen (viele Farmen haben eigene Unterkünfte für die Arbeiter)... Morgen um 5PM treffe ich mich mit den beiden Mädels, wir rufen die Frau an, die uns den Job angeboten hat und die fährt mit uns dahin, erklärt uns alles usw. Und dann werden wir sehen, was passiert. Also muss ich mich heute mal eben zur Abfahrt bereit machen. Ist etwas schneller als geplant, aber da ist wieder der Vorteil, dass ich alleine und ohne irgendwelche Termine unterwegs bin. Aber mit zwei Wochen Arbeit sollte ich die Lichtmaschine wieder raushaben. Außerdem kann ich dann sehen, wie das alles läuft. Arbeiten, Geld verdienen inkl. Steuern, Abzügen....
So, das ist der Stand bis jetzt. Also sind nur gute Sachen passiert. Und jetzt kommt noch der Bericht übers Big Day Out.
Das Big Day Out ist eines des größten Festivals Neuseelands und findet jedes Jahr Mitte Januar im Mount Smart Stadium (Rugby) im Süden Aucklands statt. Dieses Jahr war es am 16. Januar. Wetter war sehr geil. Anfangs nur Sonne, später mehr Wolken, aber nie unter 20 Grad, ich habe mir keinen Sonnenbrand geholt. Die Headliner waren dieses Jahr Neil Young, The Prodigy, Arctic Monkeys, The Datsuns, The Living End, Bullet for my Valentine, Dropkick Murphys uvm.. Anika, das 18jährige Mädchen, mit der ich auch schon Silvester unterwegs war, hatte sich doch noch eine Karte gekauft und wir sind zusammen hingefahren. Es ging ein Bus von Downtown, von einem großen CD-Laden, "Real Groovy", kostete inkl. Rückfahrt 15$. Das Festival selber war mit einem deutschen zu vergleichen. Ich weiß nicht, was ich erwartet habe, aber es hätte ja sein können, dass die hier irgendetwas anders machen, als in D. Die Leute waren bunt gemixt. Da es nur über einen Tag ging, hat man viele Leute gesehen, die nicht mehrere Tage geblieben wären. Und Moral und Anstand hatten doch noch eine größere Rolle gespielt, als z.B. an einem Hurricane-Sonntag... Rheinkultur mit Eintritt??? Anfangs habe ich mich über die Kontrollen am Eingang gewundert. Die haben einmal in meinen Rucksack geschaut, einmal von außen drangefasst und mich durchgelassen. Völlig ohne Abtasten. Aber stattdessen gab es ganz andere Kontrollen. Im Stadion gibt es sogenannte Bar-Areas. Naja, dort wird eben Alkohol ausgeschenkt und nirgendwo anders. Wenn man dort rauswill, muss man wieder seine Taschen vorzeigen und das ist weit penibler. Sogar in mein Brillenetui haben die reingeschaut, aber mich nicht einmal abgetastet. Komisch. In einer kurzen Hose kann man zwar nicht viel verstecken, aber für eine Flasche Bier würde es immer noch reichen. Also im Klartext: Bier trinken vor der Bühne ist nicht, nur im "Käfig", die Bar-Areas sind eingezäunt. Dafür kiffen geschätze 20.000 der 35.000 Leute dort. Bier trinken hat auch den weiteren Nachteil, dass man vor den Bar-Areas anstehen muss, um reinzukommen, dann nochmal, um Bier zu kaufen und dann nochmal, um rauszukommen, wenn das Bier leer ist. Und das sogar noch mit Taschenkonrolle. Also muss man für ein Bier schon eine halbe Stunde einrechnen. Ergo: Ich habe zwei Bier getrunken, ein komisches Gefühl auf einem Festival. Ansonsten ist noch interessant, dass es acht (!) Bühnen gab. Eigentlich waren es nur sechs, aber trotzdem noch viel. Die beiden großen Bühnen bestanden aus je zwei Bühnen. So gab es zwischen den Gigs keine Pausen, denn während auf einer Bühne gespielt wurde, wurde auf der anderen umgebaut. Dazu gab es ein großes Zelt für elektronische Musik und eine Bühne für "local produced". Die beiden anderen Bühnen kann man eigentlich nicht wirklich als Bühnen bezeichnen. Das eine war die "Lilyworld Bar". Eben eine Bar mit unglaublich viel Blödsinn. Etwas Kleinkunst, etwas Comedy, siebtklassige Bands mit drei Liedern. Eine Band, die ausschließlich Beatbox gemacht hat, habe ich gesehen. Maori-Comedy, die in witziger Weise ihre Kultur vorgestellt haben. Für einen Moment ganz witzig, aber für mich meist etwas zu läherlich. Und die letzte "Bühne" war die "Silent Disco". Ein kleines Zelt, in dem DJs aufgelegt haben oder einfach nur Disco war, allerdings habe ich keine Ahnung, mit was für Musik. Denn es heißt "Silent Disco", weil es nur Kopfhörer gibt. Und ich war nicht drin. Aber es sah komisch aus, wenn sich alle in einem Takt bewegt haben, aber nichts zu hören war.
Zur Musik selber: War witzig. Bei den Murphys habe ich mir die Schulter geprellt oder sowas, ist heute aber schon wieder viel besser. Ein Shirt von der Australien/Neuseeland-Tour habe ich mir gekauft. Sonst habe ich viel gesehen, aber nichts wirklich spektakuläres. Serj Tankian haben gespielt und ich habe mich gewundert, wieso sich das so anhört wie SOAD. Bis mir ein Ire erzählt hat, dass es der Sänger von denen ist. Ines kann bestimmt die Geschichte dazu erzählen?! Neil Young ist zwar eine Ikone, aber die Musik an sich etwas langweilig.
Das Festival war in einem Stadion, deshalb war die Infrastruktur vorhanden und musste nicht, wie meist in D, extra aufgebaut werden. Also waren genug Toiletten, Wasserstellen usw. vorhanden. Und was Anika angeht. Schön, dass ich nicht alleine war. Gut aussehen kann sie gut, nett und ruhig sein auch. Aber sonst... Hallo Selbstbewusstsein!!! Ich bin doch keine Nanny.
OK, ist spät genug. Kamera hatte ich natürlich nicht mit, Anika schickt mir ihre Fotos, das sind aber glaube ich nicht viele. Mal schauen.
Nochmal etwas ganz anderes, jedesmal, wenn ich in einem etwas größeren Laden einkaufe, piept es, wenn ich durch die Schranke gehe. Mein Laptop ist dran schuld und ich muss jedesmal meine Tasche auspacken. Aber dort sind alle wichtigen Sachen drin. Jegliche Elektronik, Pass, Führerschein, Handy, Portmonee... Die nehme ich immer und überall mit, nur gestern hatte ich sie nicht mit, aber da war auch klar, dass den ganzen Tag kein Mensch in meinem Hostelzimmer war. Also muss ich bei jeden Geschäft, alles auspacken. Langweilig.
So, bis dann. Weiter gehts, wenn ich in den Weinbergen war.
Chriss