Moin, moin,
nach allen positiven Meldungen muss jetzt ja auch mal ein erschreckender Artikel erschienen. Zu allererst mal, ich sitze seit einer knappen Stunde im Internetcafe und es ist Ortszeit 20 nach fünf Uhr morgens. Und als ob das nicht genug wäre, kann ich weder wachen noch schlafen. Aber dazu später mehr.
Am gestrigen Dienstag sind einige gute und schlechte Sachen passiert. Eigentlich mehr Schlechtes. Wir wollte früh morgens zu einem Klamottenoutlet, aber der Bus dazu kam nicht. Wahrscheinlich haben die andere Abfahrtszeiten zwischen Weihnachten und Neujahr. Naja, so wichtig ist mir shoppen nicht und die Klamotten sind sowieso billig. Dann kam die SMS von Rachel, dass das BBQ ausfällt, was aber auch nur halb so schlimm war, dann konnte ich den Tag anders nutzen. Und die Silvesterparty, zu der wir wollten, findet anders statt, als wir es uns dachten. Aber das habe ich schon geregelt.
Dann wars gegen zwölf Uhr und ich habe mich entschlossen, mal eine Insel zu besuchen. Hier direkt vor Aucklands Küste. Da ich keine Ahnung hatte, welche das sein soll, bin ich einfach zum Hafen gegangen und habe die nächste Fähre auf eine Insel genommen. Das war Waiheke Island. Eine nicht gerade kleine Insel, laut Google Maps würde ich sie mal auf 15 * 10 km schätzen. Naja. Ich hatte mich nach den vorherigen Erfahrungen eingecremt, mir ein Fahrrad geliehen und etwas zu Trinken mitgenommen, bin auf die Fähre und war um halb drei nachmittags auf der Insel. Herrliches Wetter, nicht zu kalt, nicht zu warm, leicht bedeckt. Schön eben. Eigentlich wollte ich nämlich schon Montag auf eine Insel, aber das hat der Regen verhindert, deshalb bin ich nur joggen gegangen.
Als erstes gings natürlich ohne Plan drauflos, mit der kleinen Karte ohne Maßstab von der Fährengesellschaft. Die Insel ist wirklich schön und somit bin ich auch immer weiter gefahren. Der Hafen ist im Westteil und der Ostteil ist fast unbewohnt, da gibts Land(wirt)schaft. Als ich an dem Punkt war, an dem die Besiedlung aufhörte, gings weiter, weil es dort erst richtig schön wurde. Mittlerweile war es auch richtig heiß geworden, ohne Wolken. Ich bin einfach immer weitergefahren, ohne mich um meine Rückfahrt zu kümmern und da es, wie alles hier, eine Vulkaninsel ist, ging es immer rauf und runter.
Am Ostende der Insel ist ein Strand, an dem auch einige Boote liegen. Dort habe ich eine kleine Pause gemacht, etwas ins Wasser gegangen und so und dort ist mir aufgefallen, wie fertig ich eigentlich war. Nun hat das Ostende nun mal die Eigenschaft, der am weitesten entfernte Punkt vom Westende zu sein, wo sich der Hafen für die Fähre befindet. Lange Rede, kurzer Sinn, ich war eigentlich nicht mehr in der Lage, zurückzufahren, habs aber trotzdem gemacht. Anfangs gings auch noch. Es war zwar sehr anstrengend, bei Steigungen musste ich immer absteigen, also weit über die Hälfte der Zeit, aber es hat geklappt. Irgendwann musste ich aber nachdem ich direkt am Strand entlanggefahren bin, wieder auf geschätzte 100m ü.NN. hoch. Das hat mich gebrochen. Zum Glück war ich irgendwann wieder auf befestigten Straßen. Zur Not hätte ich also wen anhalten können und fragen, ob er mich mitnimmt. Warum nicht... Gute Frage. Wahrscheinlich aus Stolz, Ehre... Eben diese Sachen, bei denen ein Mann sagt: Ich kann das, ich schaffe das, ich brauche keine Hilfe, wobei eine Frau schon seit langem um Hilfe gebeten hätte (im Männerjargon auch "rumgeheult" genannt). Tja, das habe ich nun davon.
Interessant ist, dass es immer weitergeht, auch wenn man sich am Ende seiner körperlichen Kraft wähnt. Ich musste mich zwar zu jedem Schritt zwingen, aber es hat geklappt. Schlimm wird es, wenn der Geist aufhört mitzumachen. Auf dem Hinweg hatte ich eine Tanke gesehen, dort wollte ich auf dem Rückweg Pause machen. Und sobald diese in Sichtweite war, wurden aus den Kopfschmerzen Schwindelgefühle. Und drinnen, als ich die Getränke und das Essen schon in der Hand hatte, waren vor mir noch zwei Leute, da wars mit dem Kreislauf vorbei. Immerhin hat es im vierten Versuch geklappt, die Quittung zu unterschreiben, weil ich den Stift nicht mehr festhalten konnte.
Ich bin gespannt, was ich als erstes für körperliche Gebrechen bekomme. Die Chancen stehen nicht schlecht für Hautkrebs, Sonnenstich und Kreislaufkollaps durch Austrocknung/Überanstrengung.
Nach der Pause mit Zucker, Salz und viel Flüssigkeit, gings auch wieder. Außerdem lag der weiteste Weg hinter mir und in den Wohngebieten sind die Steigungen nicht so schlimm. Der weitere Weg war nicht so spannend, zur Fähre, nach Auckland und zum Hostel. Wobei ab der Fähre auch die Trance einsetzte und ich nicht mehr voll bei Sinnen war, nachdem ich mich hingesetzt hatte.
So, duschen, Wäsche waschen und ins Bett, wie es sich gehört, aber jetzt kommt der eigentlich Knüller.
Im Bett bin ich hellwach, kann keine Sekunde schlafen. Sobald ich aber aufstehe, bin ich so müde, dass ich fast umfalle. Herzlichen Glückwunsch Christian, du hast deinen Körper ein für allemal überlistet. Jetzt glaubt er an gar nichts mehr...
Und die letzte Frage: Hat es sich gelohnt? Gut wars nicht, ich sollte daraus einige Lehren ziehen. Aber die Landschaft ist wunderschön an einem sehr schönen Tag, die Fotos, die ich einstelle, lassen das zumindest erahnen. Und interessant, was man so alles rausfindet über sich selber. Aber bevor mir das alle sagen:
Natürlich hätte ich es besser sein lassen und mich informieren sollen und dass ich etwas über mich rausgefunden habe ist nur ein schwacher Trost, für das, was ich mir da angetan habe.
Aber ist nunmal passiert, also weiter im Text.
Als ich mich dazu entschieden habe, ins Internetcafe zu gehen, war ich fest davon überzeugt, alleine zu sein. Aber hier sitzen bestimmt 10 Asiaten, die anscheinend den ganzen Tag nichts anderes zu tun haben, als Counterstrike, Half-Life, WOW und was weiß ich zu spielen. Freaks. Ich würde gerne schlafen, die wollen gar nicht.
Wie mein Körper wohl auf Silvester reagiert. Ob ich Mitternacht noch miterlebe? Über StudiVZ haben wir die Deutschen aus Auckland zu einer Feier "eingeladen". In der Sky-City gibt es "Entertainment for free", mal schauen, was das wird. Dazu werde ich die nächsten Tage etwas schreiben.
Ach ja, die "Sky City". Wenn ihr auf den Panorama-Bildern von Auckland mal schaut, ist dort ein großer Funkturm zu sehen, das ist originellerweise der "Sky Tower". Und rund um den sind noch einige andere wichtige Gebäude der Stadt. Das alles zusammen bildet die "Sky City". So ist dort z.B. die "Town Hall", das Kino/Theater und eine Veranstaltungshalle. Auf dem "Sky Tower" war ich auch schon drauf, mit Anika. Falls ihr euch noch erinnert, das ist die Frau, mit der ich mich wegen Silvester getroffen habe. Von uns ging jetzt auch die Initiative aus, sich heute abend zu treffen. Die meisten Deutschen haben sonst auch nichts vor. Seltsamerweise haben nicht viele Leute das Glück, Leute zu haben, mit denen man was machen kann. In allen Hostels, sowohl in China, als auch hier, habe ich sofort Leute kennengelernt, aber das scheint nicht "normal" zu sein. Wobei natürlich auch viele Leute in Familien oder auf Farmen wohnen. Oder sind zu zweit oder mehreren. Klar, dass man dann auch nicht soviele Leute kennenlernt.
So, es ist jetzt sieben Uhr, ich sitze seit zweieinhalb Stunden hier und schreibe. Interessant. Fotos stelle ich jetzt auch ein. Dazu gibts ein neues Album. Nach anfänglichen Fehlern, muss ich jetzt auch mal professioneller werden. Es geht einfach nicht an, dass ich neue Fotos einstelle und die zwischen den alten auftauchen, deshalb wird jetzt durchnumeriert und gleichzeitig mit Namen versehen.
Da wir uns in der Mehrzahl nicht mehr hören, lesen oder gar sehen werden vor dem neuen Jahr, wünsche ich einen guten Rutsch. Hier rutscht man ja schon zwölf Stunden vor euch in 2009.
Zu Risiken und Nebenwirkungen...
Chriss