Moin,
keine Angst vor der Überschrift, bisher hat mich noch niemand in den Selbstmord getrieben.
Aber morgen gehts los, denn ich habe ein Auto. Hat alles gut geklappt. Seit gestern bin ich stolzer Besitzer eines 1990er Toyota Hilux Surf, 2,4L, Turbodiesel. Fährt sich gemütlich, auch wenn er sich anhört wie ein Trecker, aber gut ist eben ein Geländewagen. Natürlich kein Rennwagen, aber muss ja auch nicht. aber jetzt ist es verständlich, dass sich viele Leute ein höheres Auto kaufen. Man fühlt sich erhaben über die anderen Autos und hat eine viel bessere Übersicht, nur das Einparken ist etwas schwieriger. Und der Wendekreis liegt bei gefühlten 40m. Eben war ich im Supermarkt, einkaufen für morgen und das Parkhaus war viel enger, als mit anderen Autos. Der Linksverkehr ist absolut kein Problem, natürlich gewöhnungsbedürftig, aber eben kein Ding. Diesel kostet hier 1,03NZ$, das sind etwa 40€-Cent. Schön. Dafür sind, wie gesagt, Lebensmittel sau teuer. Apropos Essen, ab morgen wird spannend, wie und was ich esse. Der Vorbesitzer hat mir Teller, Tassen, Besteck, Topf und Pfanne im Auto gelassen, den Gaskocher hat er aber verkauft. Aber eine volle Gaskartusche liegt noch im Auto. Erstmal probiere ich jetzt eine Woche aus, wie es sich im Auto lebt und dann kann ich mir immer noch die Sachen kaufen, die ich vermisse. Bisher denke ich nämlich, dass Müsli, Milch, Brot, Wasser und kalter Dosenfraß reichen, aber das ist natürlich kein Leben für die nächsten Monate. Obwohl ich natürlich auch in Hostels übernachten werde. Hin und wieder eine morgendliche Dusche ist natürlich Pflicht. Allerdings geht das vielleicht auch auf Campingplätze, aber das wird sich zeigen. Außerdem hat mir der Vorbesitzer des Autos noch zwei Isomatten, ein Bettlaken und zwei Kopfkissen im Auto gelassen. Und seine MP3-CDs und sein Songbook. Gut, ich kann keine Gitarre spielen, geschweige denn, dass ich eine habe. Die wollte er mir auch verkaufen, für 100€, aber was soll ich damit? Ich kann ja an einsamen Abenden lernen... NICHT! Aber seine CDs sind gut. Viel leichter Mainstreamrock, viel von den "Monsters of Liedermaching" und alles in der Richtung. Liedermaching soll laut ihm sogar eine eigene Musikrichtung sein, sowas wie Singer/Songwriter, aber mit frivolen/lustigen Texten. Ist ganz witzig. Und ich kann meinen MP3-Player ans Radio anschließen. Das ist natürlich Luxus.
Ansonsten muss ich noch erzählen, dass das Anmelden des Autos kein Ding ist. Es gibt hier das wof (warrant of fitness), den Neuseeländischen Tüv, der gilt aber nur für sechs Monate. Diesen kann jede Werkstatt machen und dauert etwa 15 Minuten. Ich kenne mich nicht so gut mit Autos aus, aber was die machen, kann ich auch. Wir waren bei einer Werkstatt, um den neu zu machen. Das kostet 25$ und wir haben keinen Tüv bekommen, weil die Fahrer-Sonnenblende mit Klebeband festgemacht war, weil sie immer runterhing. Die haben dann ein Ersatzteil von einer Nachbarwerkstatt geholt und es uns für 50$!!!!!!!! verkauft. Und das Beste ist, dass es nicht an der Blende liegt, sondern an der Feder im Fahrzeughimmel. Also ist die immer noch nicht fest. Der Typ hat das Klebeband auch sofort wieder drangemacht. Naja, erstens hat das Christian (der Vorbesitzer des Autos) bezahlt und zweitens müssen so kleine Werkstätten ja auch irgendwovon leben. Ummelden des Autos ist auch ganz einfach, Dafür gibt es Formulare bei der Post. Aber das ist nur dafür, dass ich der Besitzer bin, die Anmeldung, dass das Auto auf der Straße fährt ist nochmal extra, aber das hat das noch bis Juni. Und zusätzlich gibt es eine Dieselsteuer, die man extra kaufen muss, kostet pro 1.000km glaube ich, etwa 5$. Also nicht viel, aber was ist das denn für eine schwachsinnige Regelung. Man muss sich einen Zettel kaufen, wo draufsteht, dass man Diesel im Auto verbrauchen darf, bis zum Kilometerstand XY. Wieso machen die nicht einfach den Sprit an den Tankstellen ein paar Cent teurer. Naja, egal. Dann würde man ja auch die anderen Dieselverbraucher treffen und nicht nur die Autofahrer.
Sehr angenehm ist auch, dass es in Neuseeland nur eine Behörde gibt. Natürlich gibt es mehrere Behörden, aber für alles ist der Ansprechpartner die Post. Die ist für jegliche Behördengänge zuständig und gleichzeitig Bank und die normale Post in einem.
Gestern war ich tanzen. Also nicht nur in der Disco, sondern richtig tanzen. Zu Techno und RnB. Anika und ich haben uns getroffen, um den Silvesterabend revue passieren zu lassen. Wir waren erst essen und dann "im Club". Was die Musik angeht, bin ich ja noch noch tolerant, auch wenn sie nicht mein Fall ist. Was wirklich witzig ist, sind die Leute. Braungebrannte, aufgestylte Schmierlappen. Und die Frauen... "Ich zitiere studiVZ-Gruppen im Alltag": "Sieht irgendwie nuttig aus, aber zu dir passts." Kennt ihr die Simpsonsfolge, in der einige Models vorkommen und beim Drehen bei 90Grad kurz verschwinden?
Irgendetwas mussten wir ja machen. Anika ist eher ruhig und erst 18. Diese schreckliche Unsicherheit und mangelnde Entscheidungsfreude bei Mädchen. Standardantwort ist immer "weiß nicht" oder "vielleicht". Verschwindet das eigentlich irgendwann oder lernen Frauen, das nur gut zu verstecken? Bei manchen auch weder das Eine noch das Andere...
Naja, es war ein witziger Abend. Jetzt bin ich zum Großteil organisiert und fahre morgen los. Ist ein witziges Gefühl. Morgen gehts los und ich weiß nicht wohin, geschweige denn, wo ich schlafe. Aber wenn das Auto hält, was es verspricht und ich immer noch Karten lesen kann, wird das schon. Und schlafen klappt überall. Am Straßenrand, auf jeglichem Parkplatz.
So. Jetzt gehts in Hostel, Sachen packen, weil ich um 10 Uhr auschecken muss.
Zwar könnte ich jetzt sagen, dass ich nicht weiß, wie oft ich unterwegs eine Interneverbindung habe und es sein kann, dass hier erstmal eine lange Zeit nichts kommt, aber dafür kenne ich mich zu gut. Ich bin so internetsüchtig, dass ich mindestens jeden zweiten Tag in irgendein Internetcafe gehen werde.
Herzallerliebste Grüße aus dem Land der Hobbits
Chriss