Moin,
hier bin ich mal wieder mit Neuigkeiten aus dem schönen Norden des schönen Staates am anderen Ende der Welt. Soviel ist nicht passiert, aber heute habe ich den ersten Tag gearbeitet. Geschirr spülen im Cafe. Das war ein Krampf, etwas zu finden. Die beiden Tschechinnen haben mir ja gesagt, dass ich hier Arbeit habe und auch wohnen kann. In Wirklichkeit läuft das etwas anders. Der Besitzer des Hostels bietet an, Arbeit zu besorgen, wenn man hier wohnt. Aber der Reihe nach.
Sonntag bin ich in Warkworth angekommen, hab mich mit den Tschechinnen getroffen und der Besitzer des Hostels hat uns abgeholt. Da haben wir auch mitbekommen, dass es eben so läuft, dass er erstmal Arbeit für uns suchen muss. Später habe ich von anderen Leuten hier gehört, dass es unüblich ist, sofort am ersten Tag Arbeit zu finden. Aber Montag war ich doch der einzige ohne Arbeit, aber egal. So hatte ich Zeit etwas umherzugehen, auch wenn es nichts wirklich interessantes gibt. Das Kaff hier liegt mitten im Nirgendwo an einer Bay des Pazifischen Ozeans. Die meisten Leute arbeiten auf einem Weinberg. Traubensaison ist noch nicht, aber es gibt trotzdem genug zu tun. Die Reben müssen gerade nach oben ausgerichtet, Blätter abgeschnitten und Löcher für neue Reben gegraben werden. Ansonsten arbeiten viele noch in Cafes oder Restaurants. Entweder Geschirrspülen oder als Bedienung.
Die beiden Tschechinnen sind einen Sonderfall, weil die kein Work Permit haben. Somit brauchen die eine Arbeit, bei der die bar und ohne Steuern bezahlt werden, eben schwarz. Dabei verdienen die natürlich nicht so gut, aber der Besitzer hier kennt Gott und die Welt. Ist ein Maori und kommt von hier. Und es ist sein Job, Leute zu kennen, die jegliche Arbeit anbieten. Die beiden Mädels dürfen in einem GaLaBau-Betrieb Steine vom Boden sammeln, damit der Rasen besser wächst. Super... Aber sie sind froh, überhaupt etwas zu haben. Heute (Dienstag) hat Ray (der Besitzer) die beiden dahingebracht und mich mitgenommen. Das macht der immer, weil er so bei anderen Leuten vorbeifahren kann, ob die nicht ganz kurzfristig eine billige Aushilfe brauchen.
In einem Cafe (The Black Dog) hatte ich dann auch Glück. Leider nur fünf Stunden Arbeit für heute, die ganze Zeit am Waschbecken stehen und Geschirr vorspülen, in die Geschirrspülmaschine räumen, diese ausräumen und alles wegpacken. Langweilig, aber es bringt Geld und als Manager sind Tagesjobs nun mal nicht zu vergeben. Und die Küchen sind für mich nicht gebaut, da sollten Leute unter 1,70 Meter dran. Mein Rücken schmerzt. Und zwar mehr als nachdem ich auf dem Bau war und den ganzen Tag geschleppt habe.
Egal, war der erste Tag Arbeit hier in NZ und alles ist gut. Erst sollte ich morgen das gleiche in einem anderen Cafe machen, aber jetzt hat er einen Job auf dem Weinberg. Wahrscheinlich positiv. Draußen, längere Arbeitszeit und mit anderen Travellern zusammen (zwei Finninnen). Draußen arbeite ich gerne, vor allem bei dem Wetter. Länger ist besser, weil man natürlich mehr verdient und mit anderen Travellern kann man besser reden. Der Kiwi-Akzent der Leute hier ist echt schwierig. Engländer verstehe ich ohne Probleme, aber die Kiwis gehen gar nicht. Und die anderen Backpacker sind meist keine Englisch-Muttersprachler und sprechen somit langsam und einfach. Wie ich. Außerdem sind die Leute im Cafe ein eingespieltes Team und ich nur DER Backpacker. Hört sich alles schlimm an, aber die Leute waren trotzdem nettund es war witzig. Es hätte aber eben besser sein können.
Morgen gehts an die harte Arbeit auf dem Weinberg. Ray ist ein schwieriger Kerl, wenn man so organisiert ist, wie ich. Grundsätzlich klappt erstmal alles und wenn etwas "ausnahmsweise" mal nicht klappt (was regelmäßig vorkommt), dann klappts eben später. Positiv kann man es als relaxed beschreiben, im Negativen als unzuverlässig. It depends...
Das Hostel ist sehr gewöhnungsbedürftig, die Ansprüche an Sauberkeit und so musste ich nochmals herunterschrauben. Aber die meisten Leute sind nett und es sind viele Nationen vertreten: Brasilien, Chile, Kanada, Italien, Finnland, Irland, Südafrika, Tschechische Republik und naztürlich wie immer Deutschland. Soviele Leute können gar nicht mehr in Deutschland sein, wie hier Deutsche rumspringen. Die Italienerin ist etwas komisch. Ray hat erzählt, dass sie sein Hostel kaufen wollte, mit allem drum und dran. Er wollte aber gar nicht verkaufen und hat einen völlig illusorischen Preis von 1 Mio. NZD genannt, den sie akzeptiert hat. Das überwiesene Geld ist natürlich nicht angekommen. Als "Sicherheit" hat sie ihm einen Brief von einer Bank gezeigt, dass diese 45 Mio. NZD von ihrem einem auf ihr anderes Konto überweist. Man könnte sich jetzt darüber auslassen, wie unlogisch es ist, bei einem solchen Kontostand legales Geld so zum Fenster rauszuschmeißen und eine Bruchbude am Arsch der Welt völlig überteuert zu kaufen, aber da es sowieso alles Fiktion ist, erübrigt sich das. Witzig, dass sie in der gesamten Zeit kein Geld für Übernachtung gezahlt hat und sogar Leute von hier angeheuert hat, um das Grundstück umzugestalten. Natürlich haben die das versprochene Geld nie erhalten, aber es waren auch nur zwei Tage. Ray war bei der Polizei, aber die hat ihm nur gesagt, dass die nichts machen können, bevor nichts passiert. Und wegen einer Woche keine Übernachtung zahlen, machen die auch nichts.
Zu dem Cafe möchte ich noch sagen, dass heute angeblich wenig los war. Es war die ganze Zeit etwas zu tun, aber ich hab mich nicht totgemacht. Die anderen haben gesagt, dass manchmal die Spülmaschine nicht hinterherkommt, also der begrenzende Faktor ist. Der ist ja meist der Absatz. Stellt euch mal vor, ihr geht in ein Cafe, es gibt genug Plätze und könnt auch bestellen, aber bekommt nichts, weil es keine Teller, Tassen, Besteck usw. gibt. Und per Hand wird grundsätzlich nichts gespült. Vielleicht sollten die sich eine größere oder schnellere Spülmaschine kaufen. Oder mehr Sachen.
Noch eine kleine Anekdote zum Straßenverkehr. Die Geschwindigkeitsbeschränkung ist gewöhnungsbedürftig. In D sind wir es ja gewohnt, dass man minimal mit der zulässigen Höchstgeschwindigkeit fahren kann. Hier heißt ein Tempo 80 Schild aber nur, was es in seiner ursprünglichen Bedeutung heißt: Die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf der Straße ist 80 km/h. Das heißt aber längst nicht, dass man auch mit dieser Geschwindigkeit sicher durch die Straße kommt. Da können auch mal Kurven sein, in denen man 30 fahren sollte. Es herrscht hier übrigens eine Null-Toleranz-Politik, also wird man ab einem km/h zuviel geblitzt und das ist richtig teuer.
Das wars auch an neuen Sachen. Leute nett, ich bekomme Arbeit und hoffentlich auch das Geld dafür. Aber das sind hier ja richtige Firmen, die auf Backpacker angewiesen sind. Das Hostel ist günstig (Preis) und billig (Ausstattung, Sauberkeit...) und in zwei Wochen fahren wir in den Süden, mal schauen wohin. In Roturua ist Anfang Februar ein Reggae-Festival. Und die beiden Mädels sind Reggae-Fans. Mal schauen. Allerdings möchte ich es mir nicht leisten. Vielleicht kann man ja die Partys in der Stadt mitnehmen und das Festival selber auslassen. Die Stadt ist klein, das Festival groß, da wird die ganze Stadt eine große Feierei sein. OK, gute Nacht Deutschland, man sieht sich. Chriss