Moin,
es ist jetzt Sonntagabend und ich habe endlich wieder eine Internetverbindung. Das wird ein langer Text, weil am WE viel passiert ist.
Freitag hatte ich ja den letzten Artikel geschrieben, als ich im Hotel war, also knüpfe ich mal nahtlos daran an.
Hotel auschecken, zu Fuß durch Peking zum Bahnhof. Ich hatte ja vor, mein Gepäck dort abzugeben, weil ich es nicht den ganzen Tag mit mir rumschleppen wollte. Im gesamten HBF gab es nur eine Frau, die etwas Englisch gesprochen hat. Und selbst dagegen wyr mein Englisch gut. Aber das ist hier wohl normal. Auf jeden Fall hat es etwa eine Stunde gedauert, genau diese Frau zu finden, damit sie mir sagen konnte, dass Gepäckaufbewahrung nur mit gültigem Bahnticket möglich ist. Außerhalb des Bahnhofs gibt es eigene Gepäcklager, wo man das machen kann. Das musste ich aber auch selber rausfinden. Die Chinesen sind noch nicht in der Dienstleistungsgesellschaft angekommen. Wenn man sich verabschiedet ist das Problem weg. Ob ich das Problem weiter habe, spielt für die keine Rolle. In diesem Lager konnte natürlich auch keiner Englisch, aber irgendwie gings dann doch. Zumindest lateinische Zahlen können die ja, das ist viel wert. Ansonsten mit Händen und Füßen. Befreit von der Last bin ich etwas durch die Stadt gerannt, weil ich vom Flug noch etwas steif war und hab gleich Lehrgeld in Abzocke bezahlt. Irgendwann hab ich auf den Stadtplan geschaut und da kam eine Frau an und wollte mir helfen. Die war Caligraphiestudentin und konnte sehr gut Englisch. Ich wusste bis dahin auch nicht, was Caligraphie ist, das ist die Lehre vom Malen und Schreiben gleichzeitig. Also mit Bildern etwas ausdrücken, da ist man in China natürlich richtig mit den Schriftzeichen. Die hat mich dann noch mitgenommen in einen Ausstellungssaal, dort "musste" ich natürlich auch etwas kaufen. Naja, ist ganz nett. Sie hat auch gesagt, dass das Geld ausschließlich den Studenten zugute kommt, quasi dem Studentenwerk, aber auf chinesisch und privat organisiert. Es sprechen auf der Straße zwar öfters Leute an, die einem Bilder verkaufen wollen, aber die Frau sah seriös aus. Ich glaube auch, dass das alles echt und ehrlich war. Aber das ändert natürlich nichts daran, dass sie mir erst mal das Geld aus der Tasche ziehen wollte. OK, waren keine 20€, ist eine nettes Bild, also ok.
Den Tag über gibts dann nichts zu erzählen, ich bin noch etwas durch Peking gerannt, es war -10Grad, richtig windig und total klar. Und die Luft war gut. Nichts mit Smog und so. Allerdings wars heute (Sonntag) nicht windig und alles quasi "nebelverhangen". Wenns denn Nebel gewesen wäre.
Freitag um kurz nach 6 hab ich dann Markus getroffen, hat gut geklappt, ich hab mein Gepäck geholt und jetzt geht die Geschichte erst richtig los. Er hatte seinen Pass in Shenyuang vergessen. Und man MUSS seinen Pass vorzeigen, wenn man ein Hotel oder Hostel nimmt. Somit waren wir in etwa 5 Hostels und Hotels, aber als die gemerkt haben, dass Markus keinen Pass hat, haben die uns gleich hinauskomplimentiert. Da kommn wohl regelmäßig die Bullen und überprüfen das Publikum. Alle hatten Angst geschlossen zu werden. Blöde Sache. Viele Möglichkeiten gabs nicht. Draußen wars saukalt, also konnten wir nicht irgendwo einfach sitzen und als Penner durchgehen. Züge nach Shenyang fuhren nicht mehr. Wir dachten, dass wir uns in eine Kneipe setzen, durchmachen und dann Samstagmorgens wieder nach Shenyang fahren. Dann hatten wir aber noch eine gute Idee. Vor dem Bahnhof stehen (natürlich) immer Leute rum, die einem alles mögliche verkaufen wollen. Unter anderem Zimmer für eine Nacht. So waren wir bei einer Frau, die kein Wort Englisch sprach, die uns aber ein Hostel besorgt hat. Ich hab ein Doppelzimmer auf meinen Pass gebucht und Markus hat mit darin geschlafen. Wir wissen bis heute nicht ob die an der Rezeption wussten, dass wir zu zweit in dem Zimmer waren. Also mussten wir auch getrennt rein- und rausgehen. Aber es hat geklappt, wenn auch mit Bauchschmerzen. In China möchte ich eigentlich nicht in irgendeiner Weise mit den Behörden in Konflikt kommen.
Na gut. Unterkunft war geklärt, Markus wusste, wo es Nachtleben gab, also natürlich erst einmal in eine Bar. In der Kneipenszene waren doch sehr viele aufdringliche Leute, die uns Zigaretten, Alkohol, Frauen oder sonstwas verkaufen wollten. Das gibts zwar überall, aber dass die einen festhalten, hab ich noch nicht erlebt. Die erste Bar war etwas langweilig, die zweite winzig klein, aber der Besitzer konnte gut Englisch. Außerdem war da noch ein Ami, mit dem wir uns auch unterhalten konnten. Das war ganz gut. Irgendwann sind wir da auch raus und es hatte nichts mehr auf. Eine Kneipe haben wir noch gefunden, da war Thai-VIP-Party. Wir dachten erst, dass das eine private Feier war, aber man hat uns bedient...
Mit einigen sind wir ins Gespräch gekommen und das waren alles Thailänder, die in Peking BWL studieren und jeden Freitagabend in dieser Kneipe feiern. Und VIP, weil die auf deutschem Preisniveau die Getränke flaschenweise gekauft haben. Und ich meine nicht Bier. Ich denke, dass man in China mit dem Geld, was die da in der Kneipe an einem Abend versoffen haben, ein kleines Dorf ein Jahr lang ernähren kann. Aber es war eine witzige Feier mit witzigen Leuten und ging etwa bis 5 Uhr. Taxi, Hostel, schlafen, frühstücken (Steak um halb 2 mittags) und Sightseeing. Erstmal die verbotene Stadt, das ist ja quasi DIE Sehenswürdigkeit in China. Es ist echt interessant und schön, aber irgendwie kommt man durch 20 Tore in immer neue Höfe. Die sind zwar schön ist, bleiben aber trotzdem nur Höfe und Tore und Pagoden. Irgendwann reichts. Wir haben keine Führung mitgemacht, aber in China steht alles für irgendetwas. Also gab es überall irgendwelche Zeichen für Harmonie (Ying und Yang, schwarz und weiß, Mann und Frau...) und Stärke (Drachen) und Weisheit (Schildkröte) und den Menschen (4 Jahreszeiten) und was weiß ich noch alles. Hat mir alles die Caligraphiestudentin beigebracht und wenn man solche Kultur sieht, erkennt man die Zeichen auch überall wieder. Wie gesagt, es ist ein schönes Gelände, hat sich wirklich gelohnt, aber irgendwann hats auch gereicht. Danach gings dann zum Tian'anmen Square (Platz des himmlischen Friedens, der Platz an dem 1989 absolut nichts passiert ist). Das ist eben ein Platz und der hat vier Seiten. An einer steht das chinesische Nationalmuseum, gegenüber das Parlament, hinten steht das Mausoleum, wo Mao in einem gläsernem Sarg liegt und an der Kopfseite ist eben die verbotene Stadt. Mao haben wir nicht gesehen, da kommt man nur vormittags rein, es ist sau teuer, man darf keine Fotos machen, muss alle Taschen und sonstige Sachen abgeben, wie im Flughafen und man geht eben nur an einer einbalsamierten Leiche vorbei. Und es ist noch nicht mal sicher, dass es wirklich die Leiche ist. Man munkelt (laut Markus), dass es nur eine Wachsfigur ist. Alle Chinesen mögen Mao, aber ich schätze Nichtmögen ist bei Todesstrafe verboten. OK, rüberlaufen, schauen, Fotos machen, staunen.
Dann gings zum olympischen Dorf. Mit der U-Bahn. Mann, mann, mann. es passen mehr Leute in eine Bahn, als ich gedacht habe. Und wenn man denkt, die Bahn sei voll, kann mit Gewalt immer noch einer mehr hineingedrückt werden. Wir mussten mehrere Male umsteigen und nur die erste Bahn war so richtig voll. Das olympische Dorf ist der Knüller. Natürlich nichts mit Kultur, sondern viel Glas, Chrom, Parks, Wasser, Bäume... Der Water Cube, also die Schwimmhalle ist blau beleuchtet, das Stadion (das berühmte Vogelnest) orange, der Olympiaturm wechselt alle paar Sekunden seine Farbe. Daneben stehen weitere Sporthallen, Unterkünfte usw. Das Gelände ist riesengroß und da haben die Chinesen mal so richtig was aufgebaut. Repräsentativ, teuer, schön. Ich war/bin beeindruckt. Es war alles komplett neu für mich, weil ich nicht einen Wettkampf bei Olympia gesehen habe. Nur das Vogelnest hatte ich mal in den Nachrichten gesehen. Tja, dann haben wir was gegessen, Pekingente traditionell. Es war lecker, nur die Bohnen waren mit Peperoni angemacht. Die Bohnen selber waren schon scharf, aber die Peperoni lagen noch dabei. Dort hätte glaube ich sogar Jörn versagt, das ging nicht. Na gut, wir sind dann noch etwas zu Fuß gegangen, haben dann ein Taxi genommen, wieder in die Kneipenszene. Bei den Kneipen waren gute und schlechte dabei, aber als alles geschlossen war, gings wieder in die gleiche Kneipe wie Freitag. Allerdings mit anderen Gästen. Dort hat ein Chinese eine super Idee gehabt. Und zwar meine Tasche mitzunehmen und mir zu sagen, dass er die draußen gefunden hat. Pass, Elektronik, Visa... Da war alles drin. Die Kommentare, die dazu kommen könnt ihr euch sparen von wegen Leichtsinn usw. Ich werde die Tasche niemals mehr aus den Augen lassen. Nun ja, ich hatte schlechte Laune, aber wir wollten sowieso gerade gehen. Es kann wohl schon wieder gegen 5 gewesen sein. Im Hostel haben wir noch erfahren, dass wir um 10 Uhr auschecken müssen. Also war die Nacht recht kurz. Heute sind wir nur nach Shenyang gefahren, sonst ist nichts passiert. Wir haben eingekauft, Essen gemacht und jetzt ist schlafen angesagt. Morgen (Montag) werde ich auch mal meine Fotos ordnen. Die kommen hier dann auch rein.
Bis dann
Chriss