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Shenyang die Zweite

Einen schönen guten Tag aus dem saukalten Shenyang,
 
es ist viel passiert, wenn auch nicht unbedingt die spektakulärsten Sachen. Da die zeitliche Abfolge ja sowieso keine Rolle spielt, fange ich mal mit gestern an, weil der Tag mir noch am besten in Erinnerung ist. Über den Tag ist nicht viel zu erzählen. Ich hab verschlafen, was aber egal war, da ich keine Termine habe. Aber ich brauche auch keine. Und ich wollte eigentlich ins Fitnessstudio. Markus hat hier eines direkt nebenan und die Karte ist übertragbar. Einfach mal Ausprobieren. Aber dort hatten die ihren Putztag. Da machen die den ganzen Laden dicht, um komplett zu putzen. Wenigstens halten die es sauber, aber es war für mich natürlich eine kleine Enttäuschung. Danach hat sich meine Aktivität in Grenzen gehalten. Wal Mart einkaufen, am Computer rumspielen (EA Games hat Command & Conquer: Alarmstufe Rot freigegeben, also gratis zum download, aber ich habs nicht installiert bekommen, nicht einmal mit der für DAUs gemachten Anleitung), etwas kochen und dieses eben gekochte mit Markus verzehren. Abends haben wir uns dann mit Markus' Chef getroffen, der wollte uns die Barszene in Shenyang zeigen. Wobei das Wort Szene weit übertrieben ist. Wir waren in vier Bars und mehr scheints auch nicht z geben. Zwei davon als Hotelbars und in allen vieren waren hauptsächlich Europäer. Oder Amerikaner, das kann man ja auf den ersten Blick nicht unterscheiden. Aber durch VW, Audi und BMW, die hier ihre Werke haben, sind es meist Europäer. Die erste Bar war mehr ein Restaurant im Erdgeschoss eines Hotels. Es hieß Paulaner Hofbräuhaus. Ob ein Zusammenhang damit besteht, dass es das BMW-Vertragshotel ist? Wahrscheinlich waren es aber nur die guten Konditionen, die die BMW-Mitarbeiter überzeugt haben. Die Speisekarte ist auf Deutsch, die Bar in blau-weiß, was auf der Karte steht, kann sich wohl jeder vorstellen... Haxe, Sauerkraut, Paulaner, Jägermeister... Das ganze "typisch deutsche" Zeug eben. Zwei Bier getrunken und die Livemusik nicht mehr ausgehalten. Also weiter. Über die nächste Bar gibts absolut nichts zu erzählen, Laut war sie, deshalb sind wir auch bald wieder raus. Danach gings ins "Heidis". Da war wiederum zuwenig los. Deutsche sind schon schwer zufriedenzustellen. Aber die Bar ist wirklich schön. Wie der Name schon vermuten lässt, ist es eine schweizer Bar. Der Besitzer ist Schweizer, aber aus dem französischen Teil, netter Typ. Die Wände sind aus Stein, aber irgendwie so gestrichen, dass es nach Holz aussieht, eine warme Atmosphäre, aber es waren eben nur außer uns zwei Gäste da. Da können wir uns auch zuhause hinsetzen. Aber Frank (Markus' Chef) kannte noch eine andere Lokalität, wieder eine Hotelbar und mit Abstand die beste. Auch mit Livemusik, aber viel schöner als in der Paulanerbar. Und dort haben mit zunehmendem Alkoholpegel auch die Gäste gesungen. Wie gesagt, hauptsächlich Europäer. Die Sängerinnen haben sich auch erstmal allen persönlich vorgestellt und auch nach Namen und Nationalität gefragt und alle anderen öffentlich auf der Bühne vorgestellt. Somit waren wir umgeben von Briten und Iren. Die haben natürlich den Vorteil, dass die Englisch als Muttersprache haben, somit können die auch die ganzen Texte. Ich weiß zwar nicht, ob wir wirklich gesungen hätten, wenn wir Lieder gehabt hätten, aber die meisten 08/15 Lieder sind nun mal auf Englisch. Texte gabs nicht und wieviele Lieder kennt ihr auswendig? Da haben wir den Abend auch langsam ausklingen lassen, war eine witzige Bar, auch wenn die Frauen genervt haben, die einem ständig um den Tisch gerannt sind und sich einem annehmen wollten. Prostitution ist in China verboten, aber wenn du dir eine Freundin anlachst und sie dich mit nach Hause nimmt kann man ja ausmachen was man will. Wahrscheinlich bekommt die Bar einen Anteil oder was auch immer.
Lange Texte zu schreiben ist mit diesem Subnotebook übrigens nervig. Die Tastengröße korreliert quasi nicht mit meiner Fingergröße. Zudem ist meine linke Maustaste des Touchpads kaputt. Es geht über das Tippen aufs Pad, aber ziehen geht nicht mehr. Deshalb müssen wir gleich zu einem Computershop. Ich brauche einen externe Maus, aber in klein. Bei Walmart haben die nur die Standardmäuse. Und ich muss Platz sparen, in allem, was ich mache und kaufe. Geschenk, Erinnerungen, Kitsch usw. würde ich gerne kaufen und mitbringen von hier, aber wie? Mit Post verschicken ist teuer und die nächsten Monate in Neuseeland mitschleppen geht auch nicht. Markus hat seine Tasche auch schon voll mit eben diesen Sachen, der fliegt nächsten Dienstag nach Deutschland.
Ich fahre schon Montag mit Zug nach Peking und bin dann da noch drei Nächte alleine in einem Hostel, ich fliege ja erst Donnerstag nach Neuseeland.
Ach ja, ich muss meine Erzählung meiner Tage noch beenden.
Vorgestern bin ich hier in einem Park gewesen. Riesengroß, hat wie alles hier der Kaiser XY aus was weiß ich für Gründen anlegen lassen und mittendrin ist ein Tempel. Der Park ist schön, glaube ich. Leider ist Winter und da sehen Parks trostlos aus. Dreckig und grau, was aber nicht an wirklichem Dreck liegt. Es hat vor 4 Wochen mal geschneit, aber seitdem nicht mehr getaut, ihr könnt euch den Schnee vorstellen. Erstens ist es kein Schnee mehr, sondern Eis und es ist grau. Und völlig ohne grün macht ein Park keinen Spaß. Es waren erstaunlich viele Schlittschuhläufer auf den Seen unterwegs. Naja, dann war ich im Tempel, habe viel gesehen und viele Bilder gemacht, genauso wie Mittwoch, als ich in der Verbotenen Stadt war. Mir fällt gerade ein, dass ich das auch noch nicht erzählt habe. Das kann ich gleich in Einem machen, weil es dafür auch die gleichen Worte gibt. Erst einmal um die Verwirrung zu lüften. Es gibt hier auch eine Verbotene Stadt, Shenyang war vor Peking de Hauptstadt von China. Damals wwr China längst noch nicht so groß wie heute. Und für die Verbotene Stadt gilt das gleiche wie für den Tempel im Park und die Verbotene Stadt in Peking. Interessant, schön, eindrucksvoll. Aber so sehr ich mich auch jetzt als Kulturbanause oute, irgendwann wirds langweilig. Mehr Tore, mehr Plätze, mehr Pagoden, mehr Drachen- und  Löwenfiguren. Und überall stehen Schilder, dass irgendwelche Kaiser das für ganz irgendwelche Anlässe/Personen haben bauen lassen. Und ganz besonderes Augenmerk soll man auf irgendwelche Kleinigkeiten richten, weil es einzigartig ist. Danke, reicht.
Da finde ich die Stadt an sich schon interessanter. Aus dem Park zurück bin ich durch die Stadt gelaufen, weil ich was sehen wollte und sie ist groß. Mit vielen Autos und noch mehr Menschen. An den Hauptstraßen stehen halt irgendwelche Gebäude, meist Firmen oder Verwaltungen und in den Nebenstraßen große Wohnblocks. Mal schöner, mal nicht. Das Audizentrum hier sieht übrigens genauso aus, wie alle in Deutschland und wahrscheinlich überall auf der Welt. Irgendwann stand da ein Stein rum, auf dem "Shenyang Business & Finance District" draufstand. So stelle ich mir auch Frankfurt vor oder auch New York, wenn auch größer. Das ist mal ne Skyline. Wie überall, da weiß man wo das Geld fließt. Sehr imposant. Bilder kommen auch gleich. Ich kann immer nur zehn Bilder auf einmal hochladen. Und ich bin zu faul, das öfters zu tun, also lade ich immer nur zehn Bilder hoch. Abends waren wir essen, auch mit Markus' Chef und seiner Familie. Also seiner chinesischen Frau und deren Sohn (Ich schätze 3 Jahre). Ein witziges Restaurant. Der Grill steht auf dem Tisch und man bekommt die Speisen roh, Fleisch und Gemüse mit 10 Saucen. Lecker. Das mit den Stäbchen muss ich nochmal üben, aber ich glaube nicht, dass ich das bis nächsten Donnerstag drauf habe. Naja, ich bin nicht verhungert, auch wenn mir danach die Finger wehtaten. Aber das tun sie auch nach diesem Artikel auf diesem Keyboard. Und um mit allen Vorurteilen aufzuräumen. Ich habe mir Hund bestellt und mir hat er geschmeckt. Die haben auch Haustiere und es gibt einen großen Unterschied zwischen Zuchthund zum Essen und Hund als Haustier. Das Fleisch schmeckt wie Braten, etwas trocken, aber auch kalt ganz lecker. Etwas blöd, dass der einen Speckrand hatte, der war nicht so lecker und da es keine Messer gibt, kann man auch nichts abschneiden. So schlimm finde ich Speck ja nicht, aber an jedem Stück muss es nicht sein. Das ganze Essen war lecker. Und hat für vier Personen und Kleinkind inklusive Getränke 35€ gekostet. Interessant. Tja, sonst, ich werde mich jetzt fertigmachen und mal schauen, was ich auf dem Stadtplan finde wo mich der Taxifahrer hinbringen kann. Taxi kostet hier nichts, für 2€ kann man eigentlich jeden Punkt der Stadt erreichen. Ich muss nur wissen, wie ich es dem Fahrer erkläre. Aber eben über den Stadtplan gehts.
Zwei Allgemeinheiten habe ich noch. Fast alle Chinesen rauchen, zumindest die Männer. Und das auch überall. Ich bin ja selber so halber Raucher, deshalb stört es mich nicht, aber für Deutsche ist es zumindest ungewohnt. In jeder Bar, Hotel, Taxi, allen Zimmern, Zug... So etwas wie Rauchverbot gibt es nicht.
Und Naseputzen ist hier verpönt. Weiß man ja aus Erzählungen, aber das ständige Rotzen und Spucken ist sehr gewöhnungsbedürftig. Und es hört in Gebäuden nicht auf.
OK, ich werde mich wieder melden. Der Artikel hat etwas länger gedauert, wird anscheinend zur Gewohnheit. Deshalb muss ich mich jetzt fertig machen und losgehen, sonst lohnt sich das nicht, weil Markus nur einen Schlüssel hat und ich den habe. Also muss ich zuhause sein, wenn Markus Feierabend hat. Also kommen die Fotos später.
Herzallerliebste Grüße aus dem Reich der Mitte
 
Chriss
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