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Samstagabend und so...

Hi,
 
und mal wieder das Neueste aus dem Reich der Mitte. Im Moment sitze ich im Zug nach Peking. Mal schauen, wann ich den Artikel veröffentlichen kann. Intenet habe ich hier natürlich nicht. Witzigerweise sitzt neben mir ein Typ, der für eine chinesische Autofirma arbeitet. Und das in einem Joint Venture mit VW. Und er kann sogar etwas Deutsch. Und was noch witziger ist. Auf dem Hinweg in diesem Zug saß eine Studentin neben mir, die in Ulm E-Technik studiert hatte und gerade fertig geworden war. Somit konnte sie auch ganz gut Deutsch. Schätze, dass ich unter Verfolgungswahn leide oder Paranoia hab, aber vielleicht ist das kein Zufall. Zuzutrauen ist es denen. Und die wissen ja, dass ich Deutscher bin, weil die Tickets so gebucht wurden. Mit Platznummer. Naja, ich will auch nicht diese Zugfahrt analysieren, sondern eher den Samstagabend. Da ist nämlich viel passiert. Witzige Sachen.
Markus hat einen Arbeitskollegen mitgebracht, der uns in eine chinesische KTV-Bar mitnehmen wollte. KTV ist Karaoke-TV. Brauche ich wohl nicht zu erklären, aber angeblich gehen die Chinesen voll darauf ab. Deshalb wollte ich es mal sehen. Das hat nur halb gut geklappt. Der Arbeitskollege konnte nur schlecht Deutsch sprechen und hat uns in eine Disko geschleppt. In den Royal Salute SOS Club. Eine chinesischer Club. Alles neu, überall Leuchtdioden auf dem Boden und in den Wänden. Und alles in Schwarz gehalten. Sah sehr modern aus. Die Musik war lauter, als ich es in irgendeiner deutschen Disko bisher gehrt habe und nur Techno und HipHop. Live Musik gabs auch hin und wieder. Noch lauter, mal besser, mal schlechter und die Band bestand aus sechs Sängern/Innen und einigen Musikern. Die Sänger/Tänzer passten in jedes Boy-/Girliegroup-Klischee. Eine coole Sau, ein Schmachthaken, einmal Sportyspice, eine lieb und schüchtern aussehende Frau... Naja, ihr wisst, was ich meine. Da gabs auch ne Tanzfläche (natürlich) und neben uns saßen eine Gruppe Chinesen, die sich anscheinend keine Sorgen um Geld machen müssen. Aber dafür kommen die in die Hölle. Kaufen sich ne Flasche Chivas Regal 18 Jahre und mischen den in einer Karaffe mit Sprite und Eiswürfeln. Da schüttelt es mich. Eine Frau von denen wollte mit Markus tanzen, er hat erstmal abgelehnt, später dann doch mit der getanzt. Aber als er abgelehnt hat, hat man den Leuten angesehen, dass die keine Ablehnungen gewohnt sind. Markus hat ein Foto von denen gemacht und sofort stand einer von denen neben ihm und hat ihn genötigt, das Foto sofort zu löschen. Fast witzig.
Irgendwann sind wir dann raus aus dem Laden und in den gleichen Laden, wie Freitagabend. Da war aber nicht mehr viel los. Wir haben nur noch zwei Bier getrunken und dann war auch schon Ende dort. Aber dafür haben wir noch einige Briten und Iren kennengelernt, die uns in den nächsten Club geschleppt haben. Bevor wir da reingegangen sind, hat uns einer erstmal aufgeklärt und gewarnt, keinen Blödsinn zu machen, nicht besoffen zu sein und keine Frauen anzusprechen. Dieser Club würde in jedem Film als Mafiaclub durchgehen und ich glaube auch, dass der nicht weit davon entfernt war. Ein russischer Club mit vielen russischen Leuten. Die Frauen haben sich alle immer nur um die Russen im Anzug "gekümmert" und sahen aus, als wären die auch extra für die eingeflogen worden. Alles blonde Models um 1.80m. Und viele große starke Leute, die für Ruhe gesorgt hätten. Ich hab zwar keinen Ärger gesehen, aber ich bin sicher, dass die schnell und effizient sind in der Sache. Aber gut, um ein paar Bier zu trinken, war es ganz ok. Wir haben da auch ein paar Deutsche getroffen und noch mehr Leute aus was weiß ich für Ländern, aber sie konnten wenigstens Englisch. Eigentlich ist in dem Club nichts passiert und die Art des Clubs lässt sich hier schlecht beschreiben, aber dieses Erlebnis wollte ich euch nicht vorenthalten. Oder mir, wenn ich das als eigenes Tagebuch ansehe.
Und das wars auch schon, was ich zu erzählen hatte. Sonntag ist nichts passiert, weil wir etwas fertig waren und jetzt ist es Montagmorgen und ich sitze eben im Zug nach Peking.
Shenyang ist eine gute Stadt, Markus hats da nicht schlecht getroffen. Riesengroß, seine Wohnung schön und zentral. Nicht so touristisch wie Peking. Mir hats gefallen. Und obwohl es das zweifellos im Massen gibt, schafft es die Regierung sehr gut Not/Elend und Repressionen gegen die Bevölkerung zu verstecken. Ich habe davon nichts mitbekommen. Ein paar Bettler ja, die sehen hier schlimmer aus, als in Deutschland, aber das wars auch schon.
Vielleicht noch ganz interessant: Die Engländer und Iren sind wohl öfters in dieser Bar, wo wir nur kurz drin waren und haben die beiden Sängerinnen mit in den russischen Club genommen. Mit denen habe ich mich kurz unterhalten, zwei Phillipininnen. Die haben erzählt, dass sie seit vier Jahren in der Hotelbar arbeiten und fast keinen Urlaub haben. Deshalb sind sie ganz froh, mal rauszukommen.
Ok, das wars, jetzt lehne ich mich noch etwas zurück und warte auf die Ankunft. 700km in 4 Stunden. Nicht schlecht.
 
So, angekommen, es ist jetzt 3 Uhr nachmittags bei euch halb 8 morgens und alles ist gut. Hostel in NZ ist auch gebucht. Jetzt schaue ich mal, was man in Peking noch alle so machen kann.
 
Vielen Dank für Ihre Bemühungen.
 
Mit freundlichen Grüßen
 
Christian Bruns
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