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The Great Wall

Moin,
 
hier mal wieder der neueste Bericht.
Der gestrige Tag war nicht mehr so spannend, nachdem ich hier im Hostel angekommen bin. Die Flaggenzeremonie auf dem Platz des himmlischen Friedens habe ich noch gesehen. Da machen die jeden Morgen und jeden Abend ein großes TamTam, um die chinesische Flagge auf- und abzuziehen. So mit militärischen Ehren und zackig ausgeführten Befehlen und so. naja, ganz interessant das mal zu sehen, aber eigentlich auch nicht. Ich bin auch nur zufällig zum richtigen Zeitpunkt dort gewesen, weil ich einmal außen um die Verbotene Stadt rumgegangen bin. Das Zugfahren hatte mich etwas steif gemacht und ich musste mich bewegen.
Die Nacht im Hostel war besser, als ich gedacht hatte. Im 8er-Zimmer schläft es sich gar nicht so schlecht. Allerdings musste ich früh aufstehen, da ich einen Trip zu großen Mauer gebucht hatte. Und der Bus fuhr um halb 7. Die Fahrt selber war natürlich langweilig. 3 Stunden nordwärts mit dem Bus an die mongolische Grenze. Die Mauer ist ja die Grenze zwischen der Mongolei und China. Deshalb wurde sie ja gebaut, um die Mongolen draußenzuhalten.
Als wir angekommen sind, war es erstmal saukalt, aber das hat sich bald geändert, weil es in Sport ausgeartet ist. Ich halte mich für einigermaßen sportlich, aber das war ein Gewaltmarsch. Die Tour ging über 9km. Kein Ding in viereinhalb Stunden. Aber gefühlt haben wir die gleiche Distanz zusätzlich als Höhenmeter zurückgelegt. Natürlich nicht, aber es ging immer hoch und runter, Treppen mit hunderten von Stufen, manche 10cm hoch, manche 50cm. Dazu oft bröckelige Mauern und Stufen, manchmal 50%ige Steigungen und mehr ohne Stufen. Und oben auf den Bergen hat man die dünnere Luft schon gemerkt. Natürlich Sonne, aber dunstige Luft, wobei wir über dem Dunst gegangen sind. Das waren die  schlechten Erfahrungen. Naja, schlecht waren die nicht. Es war eben anstrengend und zwar richtig. Einige aus unserer Gruppe sahen aus, als wären die fast zusammengeklappt und auf der Rückfahrt haben auch ALLE geschlafen. Da ging nichts mehr.
Das Gute daran war die Aussicht. Die Mauer selber ist nur technisch interessant. 2000 Jahre haben irgendwelche Chinesen eine fast 7.000km lange Mauer gegen immer wechselnde Feinde gebaut. Und alles ohne Kran oder Presslufthammer. Und dass es eben das größte Bauwerk der Erde ist. Aber wie gesagt, das ist eher technisch. Aber die Aussicht von der Mauer ist fantastisch. Man geht ja sozusagen von Berggipfel zu Berggipfel und schaut in die Täler. Witzig, dass auf der chinesischen Seite Felder sind, also Landwirtschaft betrieben wird, aber auf der mongolischen Seite nichts ist, außer Steppe mit hin und wieder mal einem Baum. Am Ende mussten wir über eine Brücke und ich bin sicher viele Leute hatten Angst da rüberzugehen. Die war wackelig, mit Holzbohlen und über eine sehr tiefe Schlucht. Aber den Weg zurückzugehen hätte keiner mehr geschafft. Nachdem wir von der Mauer selber runterwaren mussten wir den Berg ja noch runter zum Parkplatz, an dem wir wieder auf den Bus getroffen sind. Dort gabs auch eine Seilbahn, aber so eine, wie es die früher auf den Spielplätzen gab. Man hat ein Geschirr umgeschnallt bekommen und wurde mit Karabiner an ein Seil gehakt und ist durch sein eigenes Gewicht runtergefahren. Ich hatte schon ein wenig Angst. Nicht wegen der Höhe, aber wegen der Sicherheit. Aber ausprobieren musste ich es ja, da führte kein Weg dran vorbei. Und wie ihr bemerkt, kann ich immer noch schreiben. War ein geiles Gefühl.
Und das wars auch schon. Auf der Rückfahrt haben wir alle geschlafen, duschen und jetzt bin ich hier und schreibe diesen Artikel. Und muss jetzt irgendwo, irgendwas essen, mal schauen, was sich findet.
Zur Mauer nochmal. Sehr geil, dass dort nicht los war. Keine Leute außer uns, was für China sehr ungewöhnlich ist.
Und Fotos kommen jetzt auch noch. Mal schauen, welche, ich darf ja nur zehn Fotos. Mindestens Flaggenzeremonie, Große Mauer, Shenyang irgendetwas, mal schauen. Plan für morgen: Temple of heaven.
 
Bis dann.
 
Chriss
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