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Parallelen USA - Ägypten

Schönen guten Tag,
 
hier mal wieder ein kritischer Artikel über die Weltpolitik. Im Moment beherrscht das Thema der politischen Lage in Nordafrika/Nahen Osten die Nachrichten. Bei dem Thema selber bin ich mir meiner Einstellung noch nicht sicher, ich weiß nicht, ob ich mich freuen soll.
Selbstverständlich gehört es zum Grundverständnis eines Menschen in der westlichen Welt, Freiheit und Demokratie zu lieben. Aus diesem Grund unterstütze ich das Volk, wenn es auf die Straße geht, um sich ihre Freiheit zu holen. Praktisch gesehen kann es aber auch große Probleme geben. Der Grund, weshalb die westliche Welt autoritäte Regimes in der Region so lange geduldet/unterstützt hat liegt in der Stabilität und der Angst vor einem neuen Iran. Zur Erinnerung: Der Schah hat das Land auch unterdrückt, aber es wusste jeder woran er war. Nach der Revolution 1979 wurde aus dem Iran dann das liebenswerte Land, wie wir es heute kennen. Das Gleiche wird jetzt in Tunesien und Ägypten befürchtet. Mubarak war zwar ein Diktator (oder so etwas Ähnliches), aber es weiß ja keiner, was nach ihm kommt. Vielleicht ein Osama bin Laden oder ein anderer Diktator. Vielleicht auch eine vom Volk gewählte demokratische Regierung. Zumindest wird es erstmal turbulent. Aber genug davon.
Als Auslöser der Proteste in Tunesien gelten stark gestiegene Lebensmittelpreise, hohe Arbeitslosigkeit, mangelnde Investitionen und schlechte Zukunftschancen der Jugend in der Region (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Revolution_in_Tunesien_2010/2011, 07.02.2011). Zudem galten die Proteste der korrupten und faktisch diktatorisch geführten Regierung. All diese Gründe kann man auf Ägypten übertragen.
Und jetzt komme ich zur Kernaussage des Artikels:
Hohe Preise, Armut, Korruption, Arbeitslosigkeit, schlechte Zukunftschancen, noch schlechtere Investitionen, diktatorische Regierung????
Kennen wir das nicht irgendwoher? Vielleicht wäre es an der Zeit, dass die Amerikaner auch mal aufstehen und ihr System bekämpfen. Es passt nicht alles 1:1. Hohe Preise sind in den USA nicht das große Problem. Die miese Investitionspolitik beziehe ich auf staatliche Infrastrukturinvestitionen. Und die Wahlen geben dem Volk wenigstens noch die Illusion einer Demokratie. Damit wir uns richtig verstehen, ich mag die Amerikaner. Oft interessieren die sich etwas zu wenig für politische und wirtschaftliche Themen, aber das ist in Deutschland wohl nichts anderes. Ich kann mich nicht als Maßstab nehmen...
Aber insgesamt ist das Volk sehr "gut" (hilfsbereit, nimmt Anteil an allem und jedem...). Nur die Politik ist so verfahren. Hier kommt wieder das alte Leid, das ich schon mehrmals angesprochen habe. Lobbyisten beherrschen die Gesetzgebung, Korruption (nicht unbedingt mit Geld) und Postengeschacher unterstützen die Reichen und Mächtigen, während die "Ärmeren" nichts zu sagen haben und sich fügen müssen. Wobei die "Ärmeren" schon im Mittelstand anfangen. Bei amerikanischen Wahlen sind wir Europäer ja immer für die Demokraten, weil deren Selbstverständnis etwas mehr den europäischen Normen entspricht. Aber wie man bei Obama sehen konnte, kann die Regierung nicht viel ändern. An den wirklich einflussreichen Stellen sitzen Leute, die nicht mit der Regierung ausgetauscht werden. Ich kann zwar auch nicht verstehen, wie man Bush jr. oder eine Frau Palin wählen kann, aber hinter denen sitzen nun mal viele mächtige Unternehmen. Und mit genug Geld und Einfluss kann man die Meinung einfach in die Richtung drehen, wie man sie braucht.
Und jetzt noch ein kleiner Ausflug in die amerikanische Innenpolitik. Das amerikanische System hat sich so perfektioniert, dass nur noch an die nächste Wahl gedacht wird. Ob Entscheidungen "richtig" oder "vernünftig" sind, ist unwichtig, hauptsache sie kommen beim Wähler gut an. Amerikanische Politiker sind ja nicht dumm, die wissen ganz genau, dass die Bundesstaaten pleite sind, der Gesamtstaat auch kein Geld mehr hat und die Infrastruktur auf dem Stand eines Entwicklungslandes ist. Aber Steuererhöhungen oder sogar nur die Abschaffung der (zeitlich befristeten) Steuererleichterungen sind eben schwer zu vermitteln. Aber gerade die Reichen und Mächtigen, die von den geringen Steuern profitieren sind eben auch die, die den Wahlkampf finanzieren. Und da war ich eben schon.
Wenn ich sehe, wie das System in Amerika funktioniert, bin ich sehr froh, in Europa (speziell Deutschland) zu leben. Wir machen zwar auch großen Blödsinn (z.B. Landwirtschaftssubventionen, der überbezahlte Beamtenapparat der EU-Organe in Brüssel...). Aber entweder haben die Verantwortlichen ein System gefunden, die Vorgänge heimlicher zu gestalten, als in den USA oder es ist hier wirklich besser.
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