Hallo Leute aus der Mile high City, Denver.
Die liegt genau eine Meile über dem Meeresspiegel, daher der Name.
Und meinen Bericht möchte ich heute mal mit dem Wetter beginnen. Ist doch immer wieder ein schönes Thema, wenn man nicht zu berichten weiß. Dabei habe ich im Moment viel zu berichten, aber das Wetter dürfte der Hauptpunkt sein. Fangen wir mit meiner Reiseroute der USA an.
Georgia, South Carolina, Florida, (durch Mississippi und Alabama bin ich durchgefahren), Lousiana: schwülwarm ekelig
Texas, New Mexiko, Arizona, Nevada: Wüste also heiß
Californien: Schön, warm, selten heiß, selten kalt.
Die Temperaturen bin ich mittlerweile gewöhnt, das Wetter macht mir nichts mehr aus. Unter 25°C friere ich schon mal.
Und jetzt: Dienstag mit leichtem Kater in Las Vegas bei 35°C in den Bus gestiegen und 15 Stunden nach Denver gefahren. Dabei etwa eine Stunde geschlafen. Und die Nächte vorher auch nur etwa fünf. Eine Meile hoch in den Rocky Mountains. Auf dem Weg sind wir durch ein Schneeschauer gekommen und morgens um 7 Uhr waren es 9°C, scharfer Wind und hin und wieder mal einem Tropfen Regen. Erstmal bin ich in die falsche Richtung gelaufen, irgendwann hab ich das Hostel gefunden und es ist ekelig. Alt, schäbig, dreckig, die Angestellten unfreundlich. Aber 13$/Nacht. Das Geld kann ich gut gebrauchen, denn aus meinem positiven Ergebnis ist mal eben ein dickes Minus geworden. Meine Lederschuhe habe ich schon in Augusta weggeworfen, die waren durch. Meine Turnschuhe hatte ich zwar noch, aber die haben meine ganzen Wanderungen hier in den USA nicht so wirklich überlebt. Bisher haben meine Sandalen auch gereicht. Es war ja immer warm. Hier brauchte ich dann neue Schuhe. Und da ich mir in D nicht gleich nochmal Schuhe kaufen will, waren es gleich gute. Nichts Übertriebenes, aber eben welche, die ich auch mal zur Arbeit anziehen kann (wenn ich irgendwann einen Job habe). Der Plan war ja sowieso, mir gute Schuhe in Augusta zu kaufen, jetzt muss ich die aber aus meinem Travelbudget finanzieren, für Augusta habe ich andere Finanzplanungen. Alles, was ich über die Schuhe geschrieben hatte, gilt auch für meine neue Jacke. Zwar habe ich in Augusta noch eine Jacke, aber die ist für gesellschaftliche Anlässe oder Arbeit nicht mehr wirklich zu gebrauchen.
Jetzt geht das Sparen schon wieder los. Aber immerhin habe ich einen Tag gehabt, an dem ich das Gefühl hatte, nicht so aufs Geld achten zu müssen. Zwar auch kein Vermögen ausgegeben, aber wir waren Montag in Las Vegas vom Hostel aus in einem Stripclub. Eine Frau, die im Hostel arbeitet ist Lesbe und geht da jede Woche hin. Nett... Und danach auf dem Strip noch ein oder fünf Bier getrunken, weil das in dem Club nicht ging. Zwei Schweizer aus unserer Gruppe haben in dem Stripclub ein Bier nach dem anderen getrunken. Bei Preisen von 12$/Bier. Dass ich nicht so genau aufs Geld geachtet habe, heißt aber nicht, dass ich mir sowas geleistet habe.
Wo, wenn nicht in Las Vegas sollte man eine Strip-Club besuchen?
Dienstag eben im Bus gewesen, Mittwoch angekommen, etwas durch Denver gelaufen und shoppen gewesen und Denver ist eine schöne Stadt. Hier gefällts mir. Nur an die Temperatur muss ich mich gewöhnen. Klappt wohl nicht bis Samstag. Leider hatte ich meine Kamera nicht mit, weil ich geplant hatte, heute (Donnerstag) durch die Sehenswürdigkeiten zu gehen, aber da gabs ne Planänderung. Mal schauen, ob ich es morgen oder sogar Samstag noch hinbekomme. Ansonsten müssen die Sehenswürdigkeiten ohne Fotos von mir auskommen. Das Capitol ist schön. Einige wirklich schöne Kirchen haben die hier und die Innenstadt ist beeindruckend. Die 16th Ave ist auf etwa 4 km Länge als Fußgängerzone ausgebaut, nur Busse dürfen dort fahren. Und die sind auch noch umsonst, fahren aber nur diese Straße rauf und runter. Im Zwei-Minuten-Takt. Wirklich sehr schön, mit viel Grün, Brunnen.
Der Plan war, heute durch die Stadt zu gehen, aber wichtiger als die Stadt, die ich ja auch schon etwas gesehen habe, waren die Rocky Mountains. Da ich Samstag schon weiterfahre nach Nashville, Tennesee und morgen das "Great American Beer Festival" ist, war heute mein einziger voller Tag hier. Den bin ich lieber in der Natur wandern gegangen. Rhtige Entscheidung. Meine Schuhe haben ihren Härtetest bestanden. Erst mal nach Boulder, einer kleinen Stadt nahe Denver, ich bin gerade zu faul nachzuschauen in welcher Richtung. Der Busfahrer kannte den Weg. Dann weiter nach Nederland, ein Kaff nochmal eine halbe Stunde weiter und dann per Anhalter nach Eldora. Das kann man nicht mal als Kaff bezeichnen mit den paar Häusern. Aber es ist der Ausgangspunkt für einige Wanderwege durch die Rocky Mountains. Die letzten drei Tage hat es dort geschneit, heute war schönes Wetter mit einigen Schnee-/Hagel-/Graupel-/Eis-/Regenschauern zwischendurch. Natürlich war das Wandern komplett anders als durch die Wüsten, aber nicht weniger gut. Klare Bergluft, grün überall, einige Bäume fangen an, gelbrotbraun zu werden. Dieses ganze Wandern in Bergen muss ich unbedingt im Auge behalten. Egal wo. Wenig Zivilisation, Berge und ein Weg, wie klein der auch sein mag, reichen mir schon für einen schönen Tag. Das Wetter darf nicht ganz schlecht sein, aber weder 40°C noch etwas Regen und Temperaturen um 0°C stören. Warm wird einem beim bergaufwandern schon. Und in der Wüste braucht man nur VIEL Wasser. Und es ist meistens auch noch umsonst.
Die Höhenluft hat mich manchmal aus der Puste gebracht. 3.000m sind eine ganze Menge. Denver liegt nur auf 1.600m (eine Meile). Auf dem Rückweg bin ich wieder per Anhalter gefahren. Ich hätte auch gehen können, Zeit war genug bis zum nächsten Bus, aber ich war zu faul. Außerdem taten meine Füße weh. Wunden an den Zehen, Blasen durch neue, noch nicht eingelaufene Schuhe. Aber das war es wert. Ich hab einen Schneemann gebaut... (Fotos). Der hat übrigens meine neue Jacke an. Auf "13 - 05 RM MEIN Schneemann.JPG".
Ach ja, die beiden die ich mitgenommen haben. Ein Mann und eine Frau, die kennen sich aus der Uni von vor vielen Jahren, er war auf der Durchreise und sie hat ihm
die Rockys gezeigt. Die haben Biologie studiert. Er ist Feuerwehrmann in LA. Aber etwas Höheres, der Wälder auf Feuergefahr analysiert und Feuer bewertet. Und sie arbeitet für die "University of Colorado", Klima, CO2, Treibhauseffekt... Einer der Menschen, die uns im Monatstakt mit neuen Studien Angst einjagen, dass wir besser dämmen müssen, weniger Auto fahren und keine Kohle, Öl und Gas mehr verbrennen dürfen. Das war jetzt zwar sarkastisch, aber nichts gegen diese Leute. Sie hat dann eine Diskussion mit mir angefangen über Umweltschutz. Eigentlich war es keine Diskussion, weil wir erstens einer Meinung waren und zweitens sie "etwas" mehr Fachwissen hat als ich. Irgendwie denken die Amis wohl, der Status als "Deutscher" bringt zwangsweise wissenschaftliche Expertise in Umwelt- und Energiefragen mit sich. Ich kann zwar mitreden, aber nicht mit einem Menschen vom Fach mitdiskutieren.
Das wars dann auch schon. Denver hat keine zu erzählende Geschichte. Es war eine Goldgräberstadt, dann wurde hier professionell Silber abgebaut und vor 30 Jahren ist die Stadt durch Ölfunde reich geworden. So wird sie wohl auch ihre Innenstadt finanziert haben, aber das ist jetzt meine Schlussfolgerung, das hab ich nirgendwo gelesen oder gehört.
Ansonsten haben wir gestern Pleasantville geschaut. Erst dachte ich, das wäre leicht Kost. Ein Film, den man schauen kann, wenn man seit Tagen nicht viel geschlafen hat und immer noch unter leichten Nachwehen einer Las Vegas Feier leidet. Aber das ist ein heftiger Nachdenkfilm. Habt ihr den gesehen? Drei Szenen haben sich eingebrannt: Die Bücherverbrennung, das Schild "No coloreds" und die Gerichtsverhandlung im allgemeinen und die Einstellung, wenn der Richter von schräg unten mit dem Zeichen seiner "Gruppe" (ich hab den Namen vergessen) im Hintergrund gezeigt wird im Speziellen. Gerade für meine gestrige Stimmung war das etwas hart.
Aber jetzt ist alles wieder gut. Morgen gehe ich auf das Bierfest. Als Meike mich gefragt hat, ist mir aufgefallen, dass ihr gar nicht genau wisst, was das ist. Eine Messe. Zwar für Bier und man trinkt es auch, aber eben nur Shots (30ml). Keine Bedienung, keine Stühle, keine Musik. Habe ich zumindest so verstanden. Morgen weiß ich mehr.
So, jetzt Fotos, und ins Bett. RM = Rocky Mountains
Chriss