Viva Las Vegas (schon wieder),
mir ist gerade in der Sonne zu warm geworden, nach über zwei Stunden. Also habe ich mir gedacht, dass ich mich jetzt mit Computer in den Schatten setze, aber natürlich trotzdem an den Pool. Ist sozusagen der Innenhof des Hostels. Übrigens das Gleiche, wie schon vorher. Gefällt mir ganz gut Vor allem, weil ich mich mit einigen Leuten hier angefreundet habe, die hier arbeiten. Also sind die auch noch da.
Zuerst muss ich nochmal über das Drogenhostel in SF schreiben. Das ist mir aber erst im zweiten Augenblick aufgefallen, als ich einige Leute kannte und mit denen rumhing. Fast jeder hat da irgendetwas genommen und da liefen soviele kaputte Leute rum. Und es hat keinen gestört, am wenigsten die Leute vom Hostel. Vielleicht war das der Grund, weshalb alle das so öffentlich gemacht haben. Allerdings würde das wieder einschließen, dass ein Großteil ALLER in Hostels wohnenden Leute Drogen nimmt und die es nur dort so offensichtlich machen. Da war ein Typ, der hat in Kalifornien Hasch auf Rezept bekommen, weil es das einzige ist, was ihn noch einigermaßen runterkommen lässt, nach drei Jahren Medikamentenmissbrauch, vor allem diese Psychodrogen für und gegen jede Laune. Beruf: Künstler. Er lässt sich hunderte Meter lange dünne Seile liefern und rollt die dann zu Nachbildungen von Gebäuden zusammen. Dauert schonmal einige Tage und wenn er längere Pausen macht, zum Schlafen und so, kommt er aus seinem Rhytmus. Also macht er keine Pausen. Ein anderer fliegt seit einigen Jahren durch die USA, Kanada und Mexiko und besucht Konzerte diverser Trance- und Elektronikbands und DJs. Das bekommt er von einer Musikzeitschrift bezahlt, für die er dann seine Eindrücke schreibt. Soviele kaputte Leute wie in SF habe ich noch in keinem Hostel auf einem Haufen gesehen. Das Klischee der Hippiestadt dauert immer noch an.
Reicht jetzt auch mit dem Thema. Ich bin mit den beiden Belgiern durch die Gegend gefahren. Das erste mal, dass ich mich wieder auf andere Leute einstellen musste. Ich bin das gewohnt, zu machen, was ich will. Jetzt mussten wir uns abstimmen, das war ungewöhnlich. Kein Problem, aber eben doch etwas neu. Wie soll das erst werden, wenn ich wieder in D bin. Freunde, Familie, Freundin. Wie hab ich das bloß vorher hinbekommen? Und dann muss ich auch noch einen Job finden und arbeiten. Ich habs schon schwer.
Wir sind dann also von SF zum Yosemite National Park gefahren. Erst noch in Berkley vorbei, das ist eine Unistadt an der Bucht von SF. Der eine Belgier studiert Jura und will da ein Auslandsemester machen. Aber Berkley ist Elite und er weiß nicht, ob er das Richtige ist. Irgendwann waren wir in Oakhurst, einer Stadt nahe dem Park, die beiden haben sich dort ein Zimmer in einem Hotel gebucht und ich konnte mir zu Hostelpreisen ein Klappbett ins Zimmer stellen lassen. Das war gut. Samstag waren wir dann im Park. Erst riesige Bäume angeschaut, wobei die gar nicht so riesig sind, in NZ habe ich wesentlich größere gesehen. Aber die Wanderung war gut. Hat mit meinem Fuß ganz gut geklappt, wenn es auch richtig weh tat. Aber gut, dass die beiden Belgier mit waren. Alleine hätte ich das nicht durchgehalten und wäre bald wieder umgedreht. Aber die wollten halt viel sehen und haben mich mitgezogen. Nach den Bäumen sind wir mit Auto zu einem Aussichtspunkt gefahren, wo es ein wunderschönes Panorama über das Yosemite Valley zu sehen gab. Und dann nochmal in das Tal selber und dort etwas wandern. Das war für meinen Fuß eine Tortur. Nach einer Tour ausruhen und dann nochmal wandern mit klettern, das war hart. Aber wie gesagt, gut, dass die beiden mich mitgezogen haben. Schwimmen waren wir noch, unter einem Wasserfall aus den Bergen. Das war sch... kalt, und erfrischend. Danach hats auch gereicht und wir sind wieder ins Hotel zurück. Aber wie ich das schon in New Orleans und San Diego gesagt habe. Die Amis sind einfach zu faul. Überall gibt es Straßen und Restaurants, Häuser usw. Wo bitteschön ist denn die Herausforderung, wenn man das Ziel der Wanderung auch mit dem Auto erreichen kann? Wir sind zwar nicht an der Straße entlanggegangen, aber trotzdem ist es enttäuschend, wenn am Ziel ein Bus mit Leuten ankommt. Das war in NZ besser. Dort hatte ich nach Wanderungen das Gefühl wirklich etwas geschafft zu haben.
Sonntag sind wir dann mal eben 1.000km gefahren. Vom Park zum Death Valley und weiter nach Las Vegas. Death Valley ist beeindruckend. Ein Tal, umgeben von Bergen und es kommen keine Wolken über die Berge, es gibt auch keinen Wind. Und im Laufe der Jahrmillionen hat das Wasser, was hin und wieder die Berge runterkommt tonnenweise Salz ausgewaschen und es in Death Valley abgelagert. Heiß, die Luft absolut ohne jegliche Feuchtigkeit und eben eine Salzwüste. Da wächst nicht viel. Irgendwann haben wir angehalten und sind einen kleinen Hügel raufgeklettert. Absolut gesehen kein großes Ding, aber in der Luft heftig anstrengend. Wieder das Problem, wenn die Außentemperatur über der Körpertemperatur liegt. Normalerweise kühlt der "Gehwind" etwas, wenn man sich bewegt, aber dort wird es nur noch wärmer. Fotos gibts auch. In Death Valley liegt der tiefste Punkt der USA 88m unter NN. Witzigerweise heißt der Punkt "Badwater". Als das erste Mal ein Europäer auf einem Trek dorthin gekommen ist, hat er den kleinen See gesehen. Natürlich hat er sich sehr gefreut, aber das Wasser hat so eine hohe Salzkonzentration, dass es nicht trinkbar ist. Also hat er auf seiner Karte "bad water" eingetragen. Wegen des Salzes verdunstet es auch kaum. Tja, dann gings weiter nach Las Vegas. Die Belgier hatten ein GPS, aber auf den Schildern war ein schnellerer Weg gezeigt. War auch wirklich schneller, nur eben durch die Einsamkeit. Drei Leute in einem Auto durch einsame Straßen im Dunkeln. Das Klischee von Texas Chainsaw Massacre oder Haus der 1000 Leichen. Aber das Auto hat gehalten und keiner hat uns verstümmelt. Zum Glück war im Hostel noch Platz, wir hatten nicht vorher gebucht. Dann habe ich denen noch etwas den Strip gezeigt, aber so wirklich waren die nicht interessiert. Naja, egal. Heute wollte ich eigentlich weiter nach Aspen, der Luxusskiort, aber da fährt kein Greyhoundbus. Also bleibe ich einen weiteren Tag hier, entspanne und komme einen tag früher in Denver an. Die letzten Tage waren auch wieder richtig anstrengend mit den Wanderungen. Da tut mir dieser Tag gut.
Mir ist noch aufgefallen, die beiden Belgier sind ja nur auf Urlaub und durchgeplant. Alle Leute, die schon länger unterwegs sind, sind einfach entspannter und viel vorurteilsfreier, als "nur" Urlauber. Z.B. war unser Hostel in SF ein einer Sackgasse, die gerne für ein Hotel gegenüber als Kundenparkplatz genutzt wird. Mit Parkservice. Da saßen wir mit etwa 20 Leuten draußen, vor, hinter und neben den Autos und als die ein Auto da rausholen mussten, gab s nur drei Leute, die sich beschwert haben oder blöde Sprüche gerissen haben, warum die denn jetzt rumnerven. Die Belgier und ein Deutscher, der auch nur auf Urlaub war. Das sind nur Kleinigkeiten, ist mir aber schon öfters aufgefallen. Gerade Sachen, die gemacht werden müssen, aber gerade in dem Moment unentspannt sind, werden von Leuten, die länger unterwegs sind viel besser hingenommen, als von Kurzzeiturlaubern.
Und in SF lag ein fremder Mann in meinem Bett. Wir kamen wieder aus der Bar, in der die uns abgezockt haben und mein Bett war belegt. Ich sollte wie alle anderen Klamotten in meinem Bett verteilen. Natürlich mache ich mein Bett morgens nicht, aber es liegen auch keine Sachen darauf und der Typ hat gedacht, dass die Leute vom Hostel das Bett einfach nicht gut gemacht haben. Also bin ich im Dunkeln ins Zimmer gekommen, wollte die anderen nicht stören und hab mcih in mein Bett gelegt. Nur war da schon wer. Seltsames Gefühl. Da gabs noch Diskussionen in der Nacht. Zum Glück war noch ein anderes Bett im Zimmer frei, sonst wäre es blöd gewesen.
Das wars auch erstmal wieder. Ach ja, durch meinen Sparwahn habe ich mir ein ganz gutes Polster zusammengespart. Nicht dass ich jetzt auf großem Fuße leben kann, aber ich muss nicht mehr auf jeden Dollar achten. Witzigerweise muss ich es jetzt zwar nicht mehr, aber lebe trotzdem so günstig, wie ich es mir angewohnt habe.
Fotos: Y = Yosemite National Park, DV = Death Valley
Beim Foto "12 - 11 DV Badwater.JPG" stehe ich in der Salzwüste und fotografiere gegen die Felswand. In der oberen Bildhälfte ziemlich in der Mitte seht ihr ein kleines Schild. Das kann man zwar nicht lesen, aber da steht "sea level" drauf, also Meeresspiegel. Von dem Punkt an ich gestanden habe bis zu dem Schild sind es etwa 80m Höhenunterschied. Sieht gar nicht soviel aus, oder?
Bis dann
Chriss