Hallo Leute,
schöne Grüße aus Nashville, TN, der Hauptstadt der Countrymusik. Auch wenn ich das gerade nicht genießen kann. Ich habe ernsthafte gesundheitliche Probleme. Dass ich neue Schuhe habe, schrieb ich ja schon. Dass ich beim Wandern Blasen bekommen habe auch. Bei dem Bierfest hatte ich die neuen Schuhe auch an. Nochmal viele viele Stunden in den Schuhen rumlaufen. Dazu Bier, was das Schmerzempfinden schmälert. Und perfekt sind die Wunden, die sich aus den Blasen bilden. Und zu allem Überfluss haben sich beide Wunden auch noch entzündet. Dick und rot sind meine Füße jetzt anzusehen. Wenn das morgen nicht besser ist, muss ich zum Arzt. War zwar nicht mein Plan, so nah am Ende meiner Reise noch zum Arzt zu müssen, andererseits muss sich die teure Auslandskrankenversicherung auch lohnen. Das dazu. Wenigstens habe ich die Tortur auf mich genommen und bin schon hier in Nashville. 24 Stunden im Bus, meine längste Tour bisher. Zeitlich hatte ich zwar schon längere, aber das lag an den langen Transferaufenthalten in den Bahnhöfen. Jetzt bin ich ziemlich durchgefahren, 1.900 km. Und was habe ich gesehen? Nicht viel. Den "bread basket" Amerikas. Felder und Wiesen mit Kühen für die ganzen Hamburger. Und aus den Feldern und Kühen können die ein ganze Menge Hamburger machen. Immerhin habe ich 1.000 km Felder mit einigen Baumreihen dazwischen und hin und wieder mal ein Dorf oder Düngemittelfabriken, Bäckereien oder sonstige Getreideverarbeitung. Die Fabriken sind riesig und modern, sonst siehts aus wie im Emsland, nur größer. Auf jeden Fall ist es von hier nach Augusta nicht mehr so weit. Falls ich Bettruhe verordnet bekomme, gehts in wenigen Stunden. Auf keinen Fall will ich in einem amerikanischen Krankenhaus bleiben. Wenns nicht anders geht, klar, aber das wage ich zu bezweifeln. ich bin ja nicht am sterben.
So, Schluss mit dem lästigen Thema. Nashville. Countrymusik. Ich war ja schließlich auch schon in New Orleans für den Jazz und in Austin für den Rock. Fehlt nur noch Chicago für den Blues. Und in Nashville fehlt mir ja eigentlich auch noch alles. Bisher habe ich schon den Weg vom Greyhoundbahnhof bis zum Hostel gesehen. Und es sieht nicht so aus, als wäre für die nächsten Tage rumlaufen angesagt. Mal schauen.
Bierfest. Eine interessante Sache. En Zwischending zwischen Party und Ausstellung. Es standen etwa 20 Tische rum, jeder an die 50 m lang und darauf hatten die Brauereien ihre Biere gestellt. Jeder Gast hat am Anfang einen kleinen Becher bekommen, in den man eine Flüssigunze (<30 ml) Bier bekommen hat. Von allem, was man wollte. Es gab nicht wirklich Musik. Eine Dudelsackband im Foyer, eine kleine Bühne mit einem DJ, aber die Musik hat kein Gespräch übertönt. Und Sitzplätze nur außerhalb der Reichweite des Bieres. Ich hab Biere probiert... Pfirsichbier, Kürbisbier. Bier mit 0,1% Alkohol, Bier mit 14% Alkohol, Weizen, Pils, Kölsch, Alt, Oktoberfestbier, Ale. Bier mit über 20 Zutaten, Bier mit vier Zutaten (wie wir es gewohnt sind). Und alles dazwischen. Leckere Biere, ekelhafte Biere. Weinbiere, Kaffeebiere. Was die Amis alles als Bier bezeichnen. Wie würde das wohl in D heißen? "Biermixgetränk"? Nicht richtig, "Getränk mit etwas Alkohol und seltsamen Zutaten, das in einem Verfahren ähnlich des Bierbrauens hergestellt wird"? Trifft wohl am ehesten zu. Vielleicht haben die Verdauungsprobleme danach meine Anfälligkeit gegenüber Entzündungen gestärkt. Fotos habe ich nicht gemacht. Wäre zwar schön gewesen, aber die Kamera ist zu groß. Ich brauche eine zweite. Die, die ich habe, ist gut und groß. Aber das sieht blöd aus, wenn ich abends weggehe und eine große Kamera um den Hals hängen habe.
Das Hostel sieht ganz gut aus. Nichts besonderes, aber über Durchschnitt. Es heißt "Nashville music hostel". Also hängen hier die ganzen Musiker rum. Ich bin zwar nicht der einzige, aber sicher einer der wenigen, der kein Instrument spielt. Oder singt. Eine Frau aus Hamburg ist hier, um acht (!) Stunden Gesangsunterricht zu nehmen. Für 1.300$. Und das nur für den Unterricht. Die Flüge und den Aufenthalt hier noch gar nicht eingerechnet. Und gestern war das Hostel voll, heute ist kaum wer da. Klar, am WE ist mehr los, vor allem in einer Stadt wie hier. Ich langweile mich auch etwas. Heute nachmittag habe ich schon ein paar Stunden geschlafen und jetzt bin ich nicht müde, aber es ist auch kein anderer da.
Deutschland hat gewählt. Wir bekommen längere KKW-Laufzeiten. Das hält Lingen noch eine zeitlang über Wasser. Ich will mir gar nicht ausmalen, was Lingen ohne die Steuereinahmen des KKW machen würde. Und ANF wird die Existenzgrundlage auch genommen. Irgendwie vergleiche ich Lingen immer mit den Golfstaaten. Die versuchen auch, sich für die Zeit nach dem Öl zu rüsten. Lingen macht es mit der Kernkraft. Neues GuD-Kraftwerk. Sportengagement im Handball. Ich hab gehört, dass der Gauerbach eine neue Multifunktionsarena bekommt? Was passiert dann mit den EL-Hallen?
OK, ich schaue mal, ob ich nicht wen finde, den ich vollabern kann. Viel ist nicht los hier.
Fotos habe ich noch einige gemacht, aber wage zu bezweifeln, dass die es wert sind, sie zu veröffentlichen. Etwas Denver Downtown. Muss ich mal schauen, was ich alles fotografiert habe. Nichts interessantes dabei. Aber immerhin ist es schon fast 9 PM.
So, obwohl ich den schon veröffentlicht habe, schreibe ich den Artikel einfach mal weiter. War doch noch ein guter Abend. Irgendwie sind noch Leute aus den Zimmern gekommen und haben Gitarre gespielt.
Und: Mein einer Fuß ist wieder gut. Nicht komplett geheilt, aber ich kann wieder ohne Schmerzen auf ihm stehen. Das ist erstens gut fürs gehen, wenn nur noch ein Fuß schmerzt und macht zweitens Mut für den anderen. Denn ich würde es gerne vermeiden ins Krankenhaus zu müssen. Natürlich kan ich auch zu einem Arzt, aber hier ist ein Krankenhaus direkt nebenan. Zwei Blocks.
Der letzte Absatz ist geschrieben, ich liege auch schon fertig im Bett. In meinem Raum bin ich heute alleine, was auch gar nicht schlimm ist. Hoffentlich kann ich einigermaßen schlafen.
Bis demnächst.
Chriss