Hallo Deutschland,
wie ergeht es euch denn so? Der Christian ist jetzt seit 26 Stunden auf der Reise von Miami nach New Orleans, jetzt hat er über sieben Stunden Aufenthalt an der Busstation und danach fährt er weitere drei. Da könnte er ja besser gehen...
Also das ist gerade die Situation. Von der Fahrt gibt es nicht viel zu erzählen, was soll auch groß passieren? Das interessanteste war, dass sie an einer Station einem Typen etwas Haschisch abgenommen haben, den aber trotzdem haben mitfahren lassen, ohne die Polizei zu rufen. Mysteriös. Drogenbesitz wird in den USA ja richtig hart bestraft, schon bei geringen Mengen. Trotzdem sind Drogen in jeder Gesellschaftsschicht vertreten. Weiter unten Marihuanaprodukte, weiter oben gehts dann in Richtung Kokain.
Ansonsten habe ich zum ersten mal in meinem Leben eine Zeitzone auf dem Landweg gewechselt. Nach D sind es jetzt sieben Stunden. Ach ja, warten darf ich in der wundervoll anzuschauenden Greyhound-Busstation in Mobile im US-Bundesstaat Alabama. Sweet home Alabama. In South Carolina habe ich beschlossen, mir von jedem Bundesstaat, den ich bereise einen kleinen Ansteckpin zu kaufen, aber hier wird das nichts, ich bin ja nur in der Busstation. Außerdem bereise ich Alabama nicht, sondern fahre nur durch, New Orleans liegt schon in Lousiana.
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Wunderbar, dieser Text hat mich 20 Minuten gekostet, jetzt habe ich nur noch genau sieben Stunden zu warten. W-Lan gibts auch nicht, damit hätte ich mir ja Zeit vertreiben können, jetzt wandere ich erstmal etwas rum und schaue mir die Umgebung an. Vielleicht werde ich ja überfallen und ich habe wieder was zu erzählen.
Viereinhalb Stunden noch. Und folgendes ist mir aufgefallen. Die Hälfte der Leute kann entweder das Ticket nicht lesen oder den Durchsagen nicht zuhören. Die stehen an den falschen Gates und wollen in den falschen Bus einsteigen. Aber zu deren Entschuldigung muss ich sagen, dass Greyhound nicht gut organisiert ist. Keine Fahrpläne, keine Anzeigentafeln, man muss sich alles selber zusammenreimen und es ist nicht selbsterklärend.
Es gibt hier Fernsehen, aber es läuft FOX und das muss ich nicht haben. Republikanischer Werbesender. Meistens laufen News, oder das, was die hier als News bezeichnen. RTL II Niveau. Einzelkriminalität. Das Wort habe ich mir jetzt gerade ausgedacht für Kriminalität, die von Einzelpersonen verübt wird. Als ob es nicht Wichtigeres gibt, als dass Jugendlicher A in Kleinstadt B den Laden C überfallen hat oder Rentner D umgebracht hat. Aber FOX ist ja dafür bekannt, bewusst Ängste in der Bevölkerung zu schüren und so die Akzeptanz eines stärkeren Staates zu fördern. Hat Bush nach 9/11 ja auch meisterhaft hinbekommen.
Und es ist kalt hier im Terminal. Vielleicht ist es gar nicht kalt, sondern nur mir ist kalt. Immerhin bin ich jetzt seit 29 Stunden unterwegs, hab im Bus mehr schlecht als recht geschlafen und muss mich hier und jetzt dazu zwingen, wach zu bleiben, weil ich mein Gepäck lieber behalten will. Vor allem jetzt, nachdem jeder den Computer gesehen hat. Hatte ich ja schon mal geschrieben, Bus fahren nur die Leute, die sich kein Auto leisten kann. Sieht man auch. ABER ich habe mir zwei Übernachtungen gespart.
Draußen ist es gerade angenehm warm, aber da gibts kein Sicherheitspersonal, da will ich auch nicht rumlungern.
In New Orleans muss ich übrigens auch extrem aufpassen. Jeder, dem ich erzähle, dass ich dahin will, warnt mich vor extremer Kriminalität und das steht selbst im Lonely Planet. Nach "the storm", wie Hurrikane Kathrina hier nur genannt, haben viele Leute alles verloren, Versicherungen haben nur die Reichen und das fördert natürlich die Kriminalität. Da komme ich dann dazu, dass ich meinen Plan aufgebe, bei Ankunft in New Orleans um 5:30 AM, im Dunkeln 3 km zum Hostel zu gehen. Es gibt einen kostenlosen Shuttle, aber erst ab neun. Oder ich warte, bis es hell wird und gehe dann los.
Mal schauen, wie lange ich insgesamt brauche von Tür zu Tür (Hostel zu Hostel).
I DID IT!!!
In etwas mehr als 37 Stunden... Aber dafür habe ich genau zwei Dollar für die Fahrt bezahlt, wenn man das Flatrate-Ticket für den Greyhound abzieht.
Der Polizist in der Greyhound-Station in New Orleans hat mir absolut davon abgeraten, im Dunkeln durch die Gegend zu gehen. Also habe ich den Sonnenaufgang abgewartet und bin los. Gefunden habe ich das Hostel sehr schnell, war auch nicht weit, nur sind zwei Leute in direkter Nachbarschaft des Hostels mit dem Auto angehalten, nur um mir zu sagen, dass ich um Himmels Willen so schnell wie möglich aus diesem Viertel abhauen soll. Alles was ich bis jetzt von New Orleans gehört habe hat etwas mit Verbrechen und NoGo Areas zu tun. Etwas beunruhigend.
Und ich kann noch nicht einchecken, weil das Computerprogramm abgestürzt ist und der Manager des Hostels noch schläft. Also sitze ich in der Lobby und beende meinen Blog.
Ach ja, wie das Leben so spielt, ist hier gerade eine Gruppe Geographiestudenten aus Osnabrück, die den Wiederaufbau der Stadt nach "Kathrina" dokumentiert. Und Überschwemmungsgebiete, Sümpfe... Eben alles, was man so als Geographiestudent durchnimmt.
Grüße aus der Stadt am großen Strom, der Wiege des Jazz, The Big Easy... New Orleans
Chriss