Hallo,
jetzt habe ich mal Zeit. Mein Bus fährt heute um 9:15 PM. Also habe ich noch den ganzen Tag, um Sachen zu machen. Nur, dass ich nichts machen will, außer faulenzen. Gestern war hart. Bleibe ich aber mal in der zeitlichen Reihenfolge.
Erstmal habe ich die erste Nacht hier im Hostel geschlafen wie ein König. Entsprechend müde war ich sowieso, aber da ich seit Wochen nicht so richtig schlafen kann, bin ich das immer. Aber hier war das bett gut, die Temperatur genau richtig... Alles gut.
Umsonst frühstücken kann man hier auch. Es gibt Pfannkuchen. Heftig fette Pfannkuchen mit zuckersüßem Sirup. Welcome to America... Aber lecker und vor allem auch nötig für das, was ich gestern alles gemacht habe. Als Traveller beschränke ich mich ja auf zwei Mahlzeiten am Tag, je nach Tagesablauf und Budget fallen die größer oder kleiner aus und gestern hatte ich meine Kalorienmenge für einen durchschnittlichen Tag zum Frühstück.
Dann sind wir (das deutsche Pärchen und ich. Übrigens heißen die Andreas und Ute) zu einer Alligator farm gefahren und haben uns Alligatoren angeschaut und waren sehr enttäuscht. Zusätzlich haben wir noch eine Fahrt mit dem Luftkissenboot gemacht, das war gut, aber die Farm... Es gab ein paar Aufzucht-"becken" (3 x 3 m) und einen See, voller Alligatoren, davon gibts auch Fotos, Aber der gesamte Park hat uns etwa eine halbe Stunde gekostet, um ihn komplett zu durchqueren und wieder zurück. Mal eben wieder was für die Bildung meiner Leser: Alligatoren waren in den USA in den 70er Jahren fast ausgerottet, dann gabs staatliche Fördermittel für diese Farmen und die haben die Population wieder hochgetrieben. Mittlerweile gibt es die wieder millionenweise und sind fast schon eine Plage und werden gejagt. Deswegen kann man ein paar von denen auch in den wenigen verbliebenen Farmen als Touristenattraktion missbrauchen. Ich gehe schon nicht gerne in den Zoo, weil mir die Tiere leid tun, aber das hier spottet jeder Beschreibung. Also die Fahrt mit dem Luftkissenboot war ok, die darauf folgende Alligatorshow war etwas langweilig und daraufhin haben wir die Schlangenshow gar nicht erst abgewartet, geschweige denn die Alligatorfütterung noch eine Stunde später. Ute und Andreas haben mich noch eben zum Wal Mart mitgenommen, wo ich mir Abendessen gekauft habe und dann ging es wieder zurück ins Hostel. Aber es war erst gegen 1 PM.
Und ganz plötzlich kam mir eine verrückte Idee. Eine Fahrradtour durch den Everglades National Park.
Was um Himmels Willen hat mich geritten, als ich mich entschieden habe, eine Fahrradtour durch die Everglades zu machen??? Um es gleich vorweg zu nehmen, es ist alles gut, nichts passiert, aber es war zumindest "interessant".
Die Managerin des Hostels hat mich zum Haupteingang des Parks gebracht und ich bin reingefahren. Ute und Andreas waren vorgestern mit Auto da und haben mir ihr Ticket überlassen, das gilt für sieben Tage. Und jetzt zu der Frage, was ich da wollte. Schließlich habe ich euch schon gestern geschrieben, dass die Everglades ein riesiges Sumpfgebiet sind. Was habe ich erwartet zu sehen?
Weite Gras- und Sumpflandschaften, Millionen von Mücken und das eigene Wetter solcher Regionen. Bei leichter Bewölkung bin ich losgefahren und zweimal komplett nass geworden durch wasserfallartige Regenfälle. Angst hatte ich nur um mein Telefon und meine Kamera, das Wasser selber war ja warm genug, aber alles hat den regen überlebt. Da bin ich einen sehr einsamen Weg gefahren, der sollte 11 Meilen bis an die Küste gehen, nach etwas über einer Stunde habe ich mich fast mit dem Rad hingelegt und dabei ist mir bewusst geworden, dass ich seit über einer Stunde keinen Menschen gesehen habe, durch einen schlangen- und alligatorverseuchten Sumpf fahre und ich da wochenlang vergammeln kann, wenn etwas passiert. Da hätte mich niemals einer gefunden. Das war mir dann etwas unheimlich und ich bin umgedreht. Schade eigentlich, weit kann es bis zur Küste nicht mehr gewesen sein, aber da hatte ich eben die fixe Idee, dass etwas passiert. Auf der Rückfahrt bin ich dann in das Gewitter gekommen und hatte noch mehr Angst, denn das war direkt über mir. Kennt ihr das? Drei Sekunden zwischen Blitz und Donner heißen ein Kilometer Entfernung? Dann waren es bei mir etwa 500m. Auch etwas, was mir nicht behagt hat. Und der Weg war der einzige halbwegs feste Boden, so dass dort auch die einzigen Bäume/Büsche wachsen.
OK, ich habs ja überlebt. Es gibt hier das West Nil Fieber, das wird von Mücken übertragen und so ziemlich jede hatte mich gestern. Hoffentlich wird alles gut. Aber ich fühle mich noch gesund. Bei mir jucken Mückenstiche auch nicht so viel, ist vielleicht eine Schutzreaktion, denn wenn 100 Leute in einer Reihe stehen und zwei Mücken sich die aussuchen können, finden die immer mich.
Und ich habe jetzt einige Fotos. Zu sehen gab es nicht viel, aber die riesigen Weiten sind schön.
Seitdem ist nicht mehr viel passiert, mein Bus fährt ja erst spät, ich sitze im klimatisierten Raum und surfe im Netz. Gleich gehe ich noch zu Wal Mart und kaufe meine Verpflegung für die nächsten 30 Stunden.
Fotos gibts auch gleich noch, sowohl von der Party in Miami, als auch von Key West und natürlich von den Everglades.
Mit dem Bus zu reisen erfordert übrigens eine Unmenge an Organisation. Wie komme ich zum Bus, was nehme ich in den Bus und was muss ins Gepäck, wohin fahre ich, wie komme ich zum Hostel. Und der ÖPNV ist lange nicht so gut wie in D. Hier wird ja erwartet, dass man ein Auto hat.
In New Orleans bleibe ich vier Tage, es ist ein günstiges Hostel und am ersten Tag kann ich sowieso nichts machen, nachdem ich zwei Nächte im Bus verbracht habe. Und günstige Hostels kann ich gebrauchen. Hostels sind hier so teuer, die fressen mein komplettes Budget auf. Außerdem ist ein WE in New Orleans bestimmt schön und Sonntags will ich nicht fahren. Da fahren bestimmt viele WE-Urlauber. Und die bieten ein kostenloses Shuttle von der Greyhound Station an. Den ersten Weg muss ich allerdings gehen, weil ich um 5:30 AM ankomme, sind aber nur zwei Meilen (>3km).
Was noch?
Die Amis erwarten 10.000e Tote durch eine neue Welle der Schweinegrippe, vor allem in den Südstaaten ab Oktober. Hoffentlich habe ich keine Probleme mit meinen Flügen. Schön, dass ich mir Sorgen über die Flüge, aber in keinster Weise über die Grippe selber mache. Keine Ahnung warum, aber irgendwie stört mich das gerade nicht im Geringsten.
Ich habe was in der Zeitung gelesen. mal wieder Finanzkram, ihr wisst, dass mich das interessiert:
"26 Mrd. $ Vorsteuergewinn erzielten die US-Kreditkartenfirmen 2007. Drei Viertel davon stammten von Leuten, die ihre Kredite lieber verlängern, als sie zu begleichen."
Also Zinsen... Welcome to America.
Und noch was:
Wahre Worte über das Internet: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,641508,00.html
Das wars jetzt endgültig.
Bis die Tage, da ich die nächsten zwei Tage im Bus verbringe, kann ich auch nicht schreiben.
Grüße aus Florida City
Chriss