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OSTERN

Eine traurige Vorosterzeit wünsche ich euch allen,
 
zu meinen Zeiten als Messdiener habe ich gelernt, dass man sich vor der Osternachtsmesse keine Frohe Ostern wünschen darf. Aber die Kirche durfte ich nie mitmachen, weil ich das Osterfeuer mit aufbauen "musste".
Makabererweise ist der heutige Karfreitag im Englischen der Good Friday. Warum Good??? Meiner Meinung nach ist das ein christlicher Feiertag und nicht unbedingt der fröhlichste Anlass im Christentum. Dafür folgt ja bald das wichtigste christliche Fest. Ostern. In Neuseeland ist Ostern nicht weit verbreitet. Es ist ein Feiertag und sogar die Geschäfte haben (teilweise) geschlossen, aber sonst bekomme ich das nicht mit. Ausser, dass die Osterdekoration in den Supermärkten ab Dienstag höchstwahrscheinlich verschwindet. Die vorherrschende Religion in NZ ist nämlich die Religionslosigkeit.
Kommen wir zu den Ereignissen der letzten Tage. Ich habe gerade Langeweile und schreibe das bischen (nach neuer Rechtschreibreform ist das einfache "s" doch richtig, oder?) auf, was passiert ist. Aber wie immer in allen Einzelheiten.
Gestern habe ich den Sicherheitskurs gemacht. Hat 30$ gekostet und war nicht ganz so langweilig, wie ich gedacht habe. Der Typ hat die Regeln ziemlich interessant rübergebracht. Ist aber auch nötig bei 5 Stunden Kurs. Laut ihm hat NZ die striktesten Regeln aller westlichen Länder, was die Arbeitsplatzsicherheit angeht. Und wenn das wirklich alles stimmt und vor allem auch eingehalten wird, was der uns erzählt hat, glaube ich ihm. Auch in D habe ich ja schon oft Einweisungen auf irgendetwas erhalten. Aber die Regeln waren erstens nicht so hart wie hier und zweitens ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis doch gravierend. Wenn ich an die Male denke, als ich auf dem Bau oder im Betrieb gearbeitet habe, wurden dort viele Regeln großzügig übersehen.
Bei irgendwelchen Verletzungen der Regeln müssen wir das dem Supervisor melden. Wenn der nichts macht, MÜSSEN wir zum Boss gehen oder gleich bei unserer Zeitarbeitsfirma anrufen. Ab der Zeit dieses Anrufes dürfen wir die weitere Arbeit verweigern, wenn ein Sicherheitsrisiko besteht. Und trotzdem werden wir weiterbezahlt. In dem Kurs wurden uns viele schockierende Bilder von Arbeitsunfällen gezeigt. Manche von den Bildern dürften in D im TV nicht vor 11 Uhr gezeigt werden. Wirklich abschreckend.
Der Kurs ist ein Pflichtkurs für alle neuseeländischen Arbeiter. Nicht für Bürojobs, aber alles körperliche. Vom Bauarbeiter über Elektriker, Schornsteinfeger, Klempner usw.. Die Organisation ist halbstaatlich und etwa zu vergleichen mit unserem TÜV. Somit ist alles offiziell und genormt und so. Es gab eine DVD, die uns durch den Kurs geleitet hat. Da waren viele kleine PowerPoint-Präsentationen und Filme drauf, die uns das jeweilige Thema nähergebracht haben. Zusätzlich zu dem, was der Typ uns erzählt hat.
Alkoholismus ist hier ein großes Problem und Kiffen ist hier quasi noch weiter verbreitet. Und wird auch überall geduldet. Wo geraucht werden darf, wird auch gekifft. Von Leuten mit Rastas genauso wie von Leuten im Anzug oder über 60. Das zur Praxis. In der Theorie ist es aber genauso illegal wie in D. Und in dem Film zu diesem Thema auf der offiziellen DVD zur Arbeitsplatzsicherheit haben die das quasi legalisiert. Da hieß es sinngemäß: "Gegen ein paar Drinks oder Joints zum relaxen nach der Arbeit ist nichts einzuwenden, aber nicht zuviel und nicht vor oder während der Arbeit usw.." Diese Aussage hat mich als Deutschen etwas schockiert. Man stelle sich mal solch einen offiziellen Satz in D vor.
Naja, am Ende mussten wir noch einen Test mit 30 Fragen machen, der von unserem jeweiligen Sitznachbarn korrigiert wurde. Also haben wir gegenseitig die Fehler korrigiert. Der Test war aber auch ein Witz. Ich habe 30 von 30 Punkten gehabt und nur eine Frage falsch beantwortet, die der Typ neben mir berichtigt hat. Ist in etwa so wie in der Führerscheinprüfung. Die vorsichtigste Antwortmöglichkeit ist immer richtig. Dazu kam, dass der Kursleiter jede Frage und Antwort vorgelesen hat und dabei die richtige Antwort immer besonders betont hat. War wohl Absicht. Für die nächsten zwei Jahre habe ich jetzt die sicherheitstechnische Erlaubnis in NZ auf Baustellen oder anderweitig praktisch zu arbeiten. Und Dienstag fange ich an. Montag ist ja auch noch Feiertag, wie in D. Sicherheitsschuhe brauche ich noch, aber das ist ja auch eine sinnvolle Investition.
 
Dieses Hostel ist eine Soap. Einige von den Leuten, die schon lange hier sind, arbeiten auch in diesem Hostel. Ein Deutscher, mit dem ich mich gut verstehe, z.B. als "Putze". Aber dadurch, dass der neue Manager nichts auf die Reihe bekommt, ist er einer der Ansprechpartner für alles. Eine andere Frau (Kelly), die hier seit drei Monaten wohnt, ist Geschäftsfrau und quasi die Hostelmutter. Kennt alles und jeden, macht die Hostelorganisation teilweise mit und weiß mehr, als jeder andere über alles. Inklusive des Managers (der jetzt eine Woche Zwangsurlaub hat. Währenddessen ist ein weit höherer Manager des Investors, dem das Hostel gehört hier, um alles in Ordnung zu bringen.).
Das alles stiftet eine Menge Unruhe und Kelly ist so ziemlich die Einzige, die durchblickt. Und offiziell arbeitet die nicht einmal hier, sondern bekommt nur hin und wieder freie Übernachtung für ihre Hilfe. Die bringt ein neues Magazin raus, "Rock & Candy". Es gibt in D eine Autozeitschrift, ich glaube die heißt "D&W", aber ich bin kein Autofreak. Auf jeden Fall räkeln sich in dieser Zeitschrift leicht bekleidete, schöne Frauen auf aufgemotzten Autos. Kelly nimmt das gleiche Prinzip, nur mit Rockmusik. Sex sells...
Und es soll werbefinanziert werden. Muss es ja auch. Die "herkömmlichen" Verlage der Tageszeitungen haben ja enorme Probleme durch die Konkurrenz des Internets. Aber Werbung wird ja mittlerweile eine immer wichtigere Einnahmequelle für alles und jeden. Manchmal frage ich mich, wieso die Ausgaben für Werbung immer weiter steigen, während die Ausgaben für Produkte einigermaßen konstant bleiben. Von konjunkturellen Einflüssen wie jetzt gerade mal abgesehen. Der Grenznutzen muss doch irgendwann mal erreicht sein. Als kleiner Ausflug in die VWL.
Zurück zum Hostel. Einen total ruhigen aber netten Deutschen haben wir hier, der sagt fast nichts, denn einige aufgedrehte Südamerikaner. Partys, Liebe, Intrigen, Alkohol, das Hostel als Geschäft. Alles dabei für eine schöne Soap.
In D wird uns ja immer eingeimpft, dass es notwendig sei, irgendwann einen "richtigen" Job anzunehmen, Haus oder Wohnung zu besitzen und so sein Leben zu führen. Das Prinzip an sich möchte ich nicht in Frage stellen, ich denke genauso. Viele Leute, gerade aus Südamerika, denken aber von heute bis morgen. Reisen, Geld verdienen, um die nächste Woche zu überstehen und dabei möglichst viel Spaß haben. Hört sich auch schön an, aber dafür bin ich einfach zu sicherheitsorientiert. Bei vielen Leuten frage ich mich, wie die ein geregeltes Leben mit 40 oder so führen sollen. In D dachte ich das zwar auch oft bei vielen Leuten, aber fast alle haben früher oder später ihren Weg gemacht. Und die Leute hier haben dieses Alter schon lange überschritten. Schon wieder ein Ausflug in tiefgreifende Gedanken. Aber keine Angst, ich werde nicht zum Psychologen.
Was weiter? Morgen ist Abschiedsparty von sieben Leuten, die Montag auschecken. Das wird ein Spaß.
Mehr weiß ich im Moment nicht zu erzählen, morgen kommt bestimmt noch was dazu.
Es ist Karsamstag, ich war gerade einkaufen und gehe gleich zum Sport. Und zu beiden muss ich noch eine Kleinigkeit erzählen.
Ich bin ein Gegner von Rabattkarten, aber beim Geld hört ja bekanntlich jedes Prinzip auf. In D sammelt man mit solchen Karten Punkte und bekommt für die Punkte Prämien. Kompliziert und zu weit vom "Jetzt" entfernt, um mich zu locken. Hier bekomme ich mit solche einer Karte Rabatt auf den konkreten Preis. Mit "Onecard" bezahle ich weniger, als ohne. Das ist schon ein besserer Grund. Außerdem bin ich in wenigen Monaten wieder weg, meinetwegen können die meine Einkaufsgewohnheiten  analysieren. Und die Werbung geht an dieses Hostel.
Und ich probiere mal ein Fitnessstudio aus. Zum ersten Mal in NZ. Diese Woche war ich zweimal joggen. Normalerweise laufe ich immer solange, bis ich keine Lust mehr habe, drehe um und muss den Weg zurück. Dienstag hat das auch gut geklappt, aber da war ich wohl in guter Stimmung, denn Donnerstag bin ich die gleiche Strecke gelaufen und es war viel zu weit, weshalb meine Beine heute zu schwer fürs Laufen sind. Deshalb probiere ich mal ein Gym.
Frohe Ostern am Ostersonntag wünsche ich allen Lesern dieses Blogs.
Was ist passiert? Nichts. Das Fitnessstudio ist ganz ok, aber zu teuer. Wenn ich ab Dienstag auf dem Bau arbeite, habe ich Krafttraining nicht mehr nötig. Aber ich merke, dass ich seit vier Monaten kein Training mehr gemacht habe. Im Gegenzug bin ich bedeutend ausdauernder als vorher. Hat wahrscheinlich auch was mit dem "blöden Aussehen von Krafttraining in der Öffentlichkeit" zu tun. Joggen ist ja absolut anerkannt, aber wenn ich wen sehe, der auf er Wiese Liegestütze, Kniebeugen oder Klimmzüge macht... Sieht irgendwie blöd aus. Außer im Fitnessstudio macht man eben kein Krafttraining. Aber Ausdauer schon.
Gestern war die Abschiedsparty von den Leuten. Ich hab zuviel getrunken, war zu lange da... Wie alle anderen auch. Jetzt ist es schon 5:30PM und geschafft habe ich immer noch nichts. War aber auch nicht geplant. Muskelkater plagt mich. Das erste Mal isoliertes Krafttraining seit vier Monaten eben.
Gestern hatte ich eine Diskussion mit einem Chilenen. Was ist wichtiger? Spanisch zu können oder chinesisch? Spanisch hat den Vorteil, dass man quasi in ganz Amerika mit Ausnahme von Kanada und Brasilien damit klarkommt. Englisch setze ich einfach mal voraus, aber in den USA ist Spanisch auch wichtig. Chinesisch ist aber für das heutige Geschäftsleben wichtiger. Spanisch hat aber wieder den Vorteil, dass es für uns Deutsche einfacher zu lernen ist. Auch wenns eine romanische Sprache ist, ähnelt sie der Deutschen doch sehr. Zumindest mehr als chinesisch, mit der wir gar keine gemeinsamen Wurzeln haben.
Der Plan war, dass ich diesen Artikel heute online stelle, aber ich bin zu faul ins Internetcafe zu gehen. Und an der Rezeption ist keiner. Hier ist ein WiFi-Hotspot, in den man sich einloggen kann, das bezahlt man dann prepay stündlich, aber ohne die entsprechende PIN geht das natürlich nicht.
Also seht ihr diese unglaublichen Neuigkeiten erst Montag.
Wenn ich mir den Artikel mal so durchlese, steht da auch nur Mist drin. Es ist nichts passiert, es gibt keine neuen Pläne, nur ein "normales" Tagebuch.
Jetzt ist doch wer an der Rezeption und ich habe Internet am Sonntag.
Wart ihr schon einmal auf dem Drachenfeld? Ich lese gerade, dass es der meistbestiegene Gipfel in Europa ist. Mit Birte war ich mal da und hab Markus` Gutschein benutzt, als die beiden nach Bonn gezogen sind. Hat nicht schon Adenauer in Königswinter gewohnt? Oder da in der Nähe? Glaube ich mich zu erinnern.
Reicht jetzt auch...
 
Bis dann
 
Chriss
 
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R
Hey!<br /> Hab mir auch Gedanken zum "good friday" gemacht. Vielleicht beziehen sich die Angelsachsen namenstechnisch auf das heidnische Fest der Ostara?Davon leitet sich uner Oster-Fest ab und wir verstecken dann bemalte Eier. Geht ja alles auf die alten Traditionen zurück und ist nicht ausschließlich christlich geprägt... Meine Idee dazu. Solche Gedanken macht man sich wohl auch nur, wenn man im Ausland ist. <br /> <br /> VG aus LPR!
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