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Präteritum statt Perfekt

Hallo,
 
ich stellte heute gerade den letzten Artikel online und fange schon wieder mit dem nächsten an. Der Grund dafür ist einfach, Langeweile. Es passierte nichts, für Leute, die auf spannende Geschichten warteten, endet der Artikel also hier. Allgemeinheiten, Hostelgerüchte, Gedanken zum Tage und Blödsinn. Wie ich schon sagte, kränkel ich etwas. Nicht schlimm, aber genug, um sich von körperlicher Anstrengung und Party fernzuhalten. Vor allem, wenn ich nächste Woche für die Arbeit fit sein will. Hier feiern die Leute heute eine große Mottoparty. Verdammt, wo landete ich hier? Das Motto lautet "Tiere". Also muss sich jeder als ein Tier verkleiden. Damit hätten wir schon zwei Gründe, sich von der Feier fernzuhalten. Krank und Motto. Wer mich ein wenig kennt, weiß, wie ich dazu stehe.
So, was gibts noch? Da sagte ich etwas von Hostelgerüchten. Angeblich war hier ein Deutscher, der auf einer dieser Partys mit vier Promille drei Frauen vergewaltigte (oder dieses versuchte, Gerüchte und Halbwissen halt). Und angeblich sitzt der jetzt für drei Jahre im Knast in NZ und danach nochmal zwei Jahre in D. Ob das wahr ist, weiß ich nicht. Angeblich kannte der Typ, der mir diese Geschichte erzählte, den Vergewaltiger sogar, also habe ich es aus erster Hand. Aber man weiß ja, wie man zu solchen Geschichten stehen muss.
In der Stadt ist heute auch große Feierei. Morgen ist "Country Fair", das wichtigste Fest des Jahres und heute ist eine kleine Kirmes und große Feier. Im McD stresste mich die Tatsache, dass ich eine halbe Stunde Internet frei hatte. Zwar kaufte ich mir auch zwei Stunden, aber wenn es etwas umsonst gibt, sagt man ja nicht Nein. Also versuchte ich, alle meine Aktivitäten in diese halbe Stunde zu packen, weshalb mein letzter Artikel zum Ende hin auch sehr konfus wurde. Auf jeden Fall bauten die gerade auf. Der Plan war, dort heute abend hinzufahren, aber ich bin zu krank. Erstmal noch ein Tee... Ist auch schon spät genug. Dafür, dass ich heute absolut nichts machte, bekam ich den Tag gut rum.
Wird auch schon ungemütlich. Die Besoffenen kommen von der Party und tragen den Lärm übers ganze Gelände. Zeit fürs Bett. Ach ja, Leute. Die Deutschen sind mal wieder in der Überzahl. Die relative Mehrheit stellen wir auf jeden Fall, vielleicht sogar die absolute.
Es ist Sonntag, 7PM, den ganzen Tag über machte ich nichts. Die Country Fair besuchte ich, eine Jeans kaufte ich mir, weil eine von meinen guten Jeans kaputt ging. Das sind aber zum Glück Sachen, die man hier wirklich günstig bekommt. Die sieht einigermaßen aus und kostet ca. 13€, nicht schlecht. Sonst kuriere ich immer noch meine Erkältung aus. Eine Umfrage: Wenn ihr krank seid, wann gehts euch besser? Morgens oder abends? Mit gehts morgens immer am Schlechtesten. Und ich dachte, das sei normal, aber jetzt habe ich gehört, dass es vielen Leuten abends am Schlechtesten geht.
Bis dann.
Dienstagmittag. Es ist wie die ganze letzte Woche Wunderschönes Wetter, ich bin immer noch krank und weiß nicht warum. Seit vier Tagen relaxe ich hier in der Lodge, halte mich von Anstrengungen, Alkohol und Zigaretten fern, ernähre mich gesund und morgen fängt die Arbeit an. Zu 99%. Zwar befinde ich mich im Endstadium der Erkältung, aber trotzdem nervt mich das gerade. Man ist einfach nicht ganz auf der Höhe, weder geistig, noch körperlich. Insofern ist es gut, dass die Arbeit noch nicht anfing, aber jetzt muss auch was reinkommen. Wie ich hörte, wird im Packhouse sieben Tage die Woche gearbeitet, mindestens zwei Schichten am Tag, wenn es einmal losgeht. Harte körperliche Arbeit mit nicht ganz auskurierter Erkältung. Ich habs schon schwer... Rumheulen.
Gestern machten wir ein kleines Barbecue. Klappte nicht so gut. Ohne Grillanzünder mit nasser Kohle und nur mit kleiner Feuerstelle ohne richtigen Grill. Aber wir bekamen das Fleisch heiß. Gegen kurz nach zehn rastete der Besitzer aus und schickte uns ins Poolhaus, weil wir direkt vor seinem Schlafzimmer mit seiner im siebten Monat schwangeren Frau saßen. Da ging ich ins Bett. Apropos Poolhaus. Wir haben einen Pool. Schön, nur mit Krankheit war ich noch nicht drin. Außerdem will ich lieber ans Meer fahren, wenn ich immer noch Zeit habe, wenn ich wieder gesund bin. Paradox, aber ich hoffe ja, keine Zeit mehr zu haben, wegen Arbeit.
Heute passierte dann auch nicht mehr viel. Mein Tagesablauf sieht jeden Tag gleich aus. Aufstehen, nach elf Uhr frühstücken, weil von zehn bis elf die Küche geputzt wird und vor zehn Uhr kann ja keiner mit dem Frühstück fertig sein. Dann eine Stunde in die Sonne legen, duschen, Computer, Stadt. Und dann ist es meist auch schon sechs. Wir sitzen zusammen, reden Blödsinn, vielleicht noch ein wenig Dart oder Tischtennis spielen und irgendwann ins Bett. Dieses Lotterleben ändert sich morgen hoffentlich.
Heute war eine willkommene Abwechselung. Kennt einer von euch Carsten Weitling? Gerade meine Freunde aus den neuen Bundesländern sind hier gefragt. Ich kannte den bis heute nicht. Das ist ein Moderator von MDR, hat Spiel- und Talkshows gemacht und auch sonst einiges moderiert. Der dreht eine Show mit dem Titel: "Wir sind überall, Ossis im Ausland."
Der reist ein knappes Jahr um die Welt und sucht Ostdeutsche als Touristen, Work & Travel-Leute und wirkliche Auswanderer. Die kommen vor die Kamera, erzählen was und kommen ins Fernsehen. Ein Tribut an 20 Jahre Wende. Die Show kommt zwischen Juni und August auf MDR, Montag bis Donnerstag um 19:50Uhr, wen das interessiert. Wenn die von der Hideaway-Lodge in Kerikeri im Norden Neuseelands berichten, war das hier. Ich bin nicht drauf, glaube ich, vielleicht mal im Hintergrund, hoffentlich gar nicht. Im Sommer ist ja auch die Zeit, wenn in D alle Sender die Bilder von Genscher auf dem Balkon, den Menschenmassen am 9. November oder dem Abriss der Mauer zeigen. Ich mag ja keine Auswanderershows, aber die Idee das über Ossis 20 Jahre nach der Wende zu machen, ist gut. Das Team interviewte hier einen Ossi, machte ein paar andere Aufnahmen und fuhr wieder. Dauerte insgesamt keine Stunde.
Gleich fahre ich noch zum Warehouse und schaue nach günstigen Tischtennisschlägern. Das Warehouse ist ein Kette von Ramschläden, die haben alles außer Lebensmittel in miesester Qualiät für fast umsonst. Und hier in der Lodge gibt es die Tischtennisplatte, aber Schläger und Bälle muss sich jeder selber besorgen und ich bins leid, immer andere Leute zu fragen. Jetzt im Vorfeld geschätzter Preis für Schläger und Bälle, 5€.
Jetzt reichts auch. Das dürfte der schlechteste Artikel Artikel sind, den ich jemals schrieb. Denn er ist wirklich ein Tagebuch und kein Erlebnisbericht. Dazu kann ich mich wegen der Krankheit nicht richtig konzentrieren. Und im Deutschen ist das Perfekt einfach viel populärer als das Präteritum.
Das hat ja gut geklappt. Wir waren beim Warehouse, die Schläger habe ich bekommen, nur mein Rechner stand noch auf dem Küchentisch am aufladen. Somit war skypen kein Thema mehr und auch dieser Artikel lag schön in Einsen und Nullen verschlüsselt auf dem Küchentisch in meinem Backpacker. Das Fruitpacking fängt höchstwahrscheinlich morgen immer noch nicht an und ich werde langsam echt sauer. Hier warten soviele Leute, dass es endlich losgeht. Aber es herrscht eben ein Überangebot an Arbeitern, somit sitzen die Arbeitgeber am längeren Hebel. Aber ich bin trotzdem froh, dass ich die Arbeit auf dem Weingut aufgab. Mal schauen, wie es im Packhouse so ist, aber schlimmer kanns kaum werden. Um halb neun soll ich nochmal zu Brian (Besitzer) gehen, dann weiß der endgültig, ob es morgen losgeht oder es vielleicht einen anderen Job für ein paar Tage gibt. ie gesagt, ist er der Ansprechpartner für alle einfachen Arbeiten hier in der gesamten Gegend. Sowohl, was die gesamte Farmarbeit angeht, aber auch anderes. Ein Pärchen streicht z.B. seit zwei Wochen Häuser von innen. Oder Hilfsarbeiten auf dem Bau gibts manchmal. Solche Hostels übernehmen hier die gesamte Arbeit der Agentur für Arbeit in Niedriglohnbereich.
Jetzt schaue ich mal, ob ich nicht wen zum Tischtennisspielen finde. Wenn ich morgen wirklich immer noch nicht arbeite, habe ich ja noch genug Zeit, den Artikel online zu stellen.
Es ist Mittwochmittag und ich hab die Nase endgültig voll. Wie alle hier. Wenn der Besitzer des Hostels nicht langsam mal etwas sagt, wann er glaubt, dass die Arbeit losgeht, droht ein Aufstand. Hier sind alle extrem gereizt. Brian kann da natürlich nichts für, aber der ist auch nicht ehrlich. Ständig erzählt der einem, dass es jeden Tag losgehen kann und von Leuten, die den direkten Kontakt mit den Arbeitgebern haben, hört man, dass alle wissen, dass es noch nicht losgeht. Aber Brian will uns natürlich in seinem Hostel halten. Ist ja bares Geld, was er verdient. Für morgen habe ich einen Ein-Tages-Job, aber ich schaue mal, ob ich nicht etwas Besseres finde. Den Job morgen habe ich auch nur, weil ich mich spätestens bis Freitag 9AM entscheiden muss, ob ich bleibe oder nicht. Eine beliebte Taktik von Brian, am letzten Tag den Leuten einen Job für einen Tag zu beschaffen, um sie zu besänftigen und zum Bleiben zu bewegen.
So, das war das miese, hoffentlich finde ich was. Jetzt das Andere, auch wenn das nicht viel war seit gestern. Gestern spielten wir bis spät in die Nacht Tischtennis und ein Deutscher gab einige Geschichten und Einstellungen von sich. Die Geschichten sind nicht für das öffentliche Internet geeignet und seine Einstellungen sind nicht zuende gedacht. Das, was man von Leuten hört, die Drogen nehmen. Inklusive Alkohol und Zigaretten: Jeder kann machen, was er will. Ungefragt sollte keiner Hilfe anbieten. Ich komme damit klar... Und natürlich das Argument, dass irgendwer viel schlimmer ist. Dahinter versteckt man ich bei sowas ja immer. Der hat eine Denkweise, die geht gar nicht.
Ein Schotte flog gestern aus dem Hostel, weil er seit drei Wochen hier ist und jeden Tag bis mittags schon mindestens eine Flasche Vodka aufhatte. Er hat keine Leute angepöbelt, war nicht laut, hat nichts kaputtgemacht, sondern ist einfach rumgetorkelt und sah äußerst ungepflegt und asozial aus. Der Deutsche von gestern verteidigte das, dass er machen könne, was er will. Stimmt ja auch, in gewissem Sinne.
Super, wenn wir in D keinem Hilfe anbieten, bis er danach fragt, können wir bestimmt 50% aller Sozialstellen streichen und eine Menge Geld sparen. Laut dem Typen wollen die meisten Leute Hilfe, schämen sich aber zu fragen, aber ungefragt soll man keine Hilfe anbieten, weil jeder machen kann, was er will. Dort habe ich die Diskussion abgebrochen und ihm recht gegeben.
Ich sitze jetzt gerade im McD, hab mein Auto rechtlich und versicherungstechnisch wiederhergestellt und es regnet. Hoffentlich finde ich einen anderen Job.
Bis dann.
Chriss
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T
Tach!<br /> Schoenen Gruss aus dem fruehlinghaften Emsland! Leider kann ich das Wetter noch nicht so ganz geniessen, da auch ich mich Erkaeltet habe. Moment... Du erkaeltet...Ich erkaeltet...Sollte da etwa eine nicht zu erklaerende Verbindung zwischen uns Bruedern sein die über tausende von Kilometern hinweg reicht? Bestimmt!<br /> Naja, wie dem auch sei. Mir gehts meistens morgens nach dem aufstehen am schlechtesten. Nach einer heißen Dusche wirds dann deutlich besser. Wenn du anfaengst im Packhouse zu malochen gibts nur zwei Moeglichkeiten: Entweder du bist sofort wieder fit, oder du liegst so richtig flach. Viel Glück!<br /> Ich bin uebrigens gerade dabei dir Musik zusammenzustellen. Ich brauch dann noch die Adresse.<br /> <br /> Gute Besserung & happy packing, <br /> Thomas
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