Moin,
ich ins mal wieder. Diesmal aus Kerikeri. Bin heute (Freitag) nach langer Fahrt hier angekommen. Brian, der Besitzer des Hostels, hat mir versichert, dass er mir einen Job verschafft. Wahrscheinlich im Packhouse. Das wollte ich ja auch machen. Und wenn der Job einigermaßen ist, kann ich es mir hier ganz gut vorstellen. Die Stadt ist ziemlich klein, aber es gibt einen Supermarkt und bis zur nächsten etwas größeren Stadt ist es nicht weit. Der Supermarkt ist nicht selbstverständlich in kleineren Städten, aber wichtig, denn die 4 Square markets sind immer teuer. Das sind kleine Tante Emma Läden, die das Wichtigste für den täglichen Gebrauch haben.
Das war das wichtigste in Kürze. Jetzt im Detail.
Donnerstag bin ich aus Nelson abgehauen, um etwa 11AM gings los, erstmal nach Picton, zur Fähre auf die Nordinsel. Der Weg ging die Küste entlang und war entsprechend steil und kurvig, aber mit dem Auto schön zu fahren. Außerdem sind Küstenstraßen landschaftlich immer schön. Die Fähre... Ein Schiff mit Autos, LKWs, Zügen und Passagieren. Nach drei Sunden Fahrt bin ich in Wellington angekommen. Bis dahin hatte ich noch keinen Plan, wie es weitergeht, da es ganz schön weit ist. Wellington liegt im Süden der Nordinsel und Kerikeri im Norden. Erst dachte ich daran, in Wellington zu bleiben, aber da ich nicht vor hatte mir noch etwas anzuschauen, wäre das zuviel vergeudete Zeit gewesen, denn in einem Tag lässt sich die gesamte Stecke nicht fahren. Es sind etwa 800km, aber man muss mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 60 oder 70kmh rechnen. Die Autobahnen hier sind ja nur vergleichbar mit schlechten Bundesstraßen in D. Wenn überhaupt. Also bin ich losgefahren. Über die Fahrt lässt sich nicht viel erzählen, außer, dass es ungewohnt war, die Straße mit anderen Autos zu teilen. Auf der Südinsel leben ja kaum Leute und entsprechend sind die Straßen leer. Gegen 9 musste ich tanken und hab dann auch was gegessen. Da dachte ich noch daran, die Nacht durchzufahren und dann hier im Hostel den ganzen Freitag zu schlafen. Aber das Essen hat mich müde gemacht. In Taupo, was etwa die Hälfte der Strecke ausmacht, war dann das Ende gekommen. Es war etwa halb 12 und ich müde. Ein Hostel findet man um diese Zeit nicht mehr. Da hätte ich vorher anrufen und reservieren müssen, sonst ist die Rezeption nicht mehr besetzt. Aber ich hab ja ein Zelt. Gut für mich. Alle paar Kilometer sind hier kleine Rastplätze an den Autobahnen, da habe ich mein Zelt aufgestellt. Ist das asozial oder eine Art der Freiheit? Im Zelt auf einem Autobahnrastplatz... Eigentlich ist es verboten, wild zu campen, wird aber geduldet. Vielleicht hat es ja auch keiner mitbekommen. Das Zelt stand möglichst weit von der Straße entfernt, auch wegen Lautstärke und das Auto direkt davor. Unglücklicherweise lag der Rastplatz an einer Steigung der Straße. Hab ich mir vorher keine Gedanken drüber gemacht. Die LKWs in der einen Richtung aber geben Vollgas, in der Gegenrichtung schalten die ihre Motorbremse ein. Und die Generatoren sind richtig laut. Aber mit Ohrstöpseln gings. Heute (Freitag) gings dann erstmal in den nächsten Ort zu McDonalds. Gegessen habe ich natürlich am Auto, aber die Toiletten der Restaurants sind immer sauberer, als die öffentlichen. Und auch wenns mal einen Tag ohne Dusche geht, muss ein Waschbecken morgens sein. Die Fahrt hat sich ewig hingezogen. Ich hab immer auf Hitchhiker gewartet, aber keiner stand an der Strecke. Langweilig.
Hier angekommen bin ich so gegen 7. Das Hostel ist riesig. Geschätzte 150 Leute. Und es ist ausgebucht. Aber das wusste ich vorher, ich hab ja mit dem Typen telefoniert. Es gibt Zeltplätze hier am Hostel. Das ist nochmal bedeutend günstiger, als ein Bett. Wenn ich wirklich die nächsten Wochen hier bleibe und im Zelt schlafe, hat sich das Zelt schon gerechnet. Bisher hat es mich zwar einige Male gerettet, weil ich nichts anderes zum Schlafen hatte, aber dafür hätte es sich nicht gelohnt. Ist natürlich auch ungemütlicher, als ein Bett, andererseits hat man quasi einen eigenen Raum, wenn man das so nennen kann. Schön. In Hostels schlafe ich immer in den günstigsten Räumen, also Dorms, sechs Betten und mehr. Hat eben Vor- und Nachteile so ein Zelt. Aber auszuhalten, solange es nicht wirklich kalt ist.
Was sonst. Die Ernte hat noch nicht angefangen, aber die warten jeden Tag darauf. Logischerweise gibt es im packhouse nichts zu packen, wenn noch nichts geerntet wurde. Einen Tag nach der Ernte geht das Packen los. Somit weiß ich noch nicht genau, wann ich anfange, aber spätestens nächste Woche. Vielleicht auch schon Sonntag. Jeden Morgen bekommen die Bescheid, ob es losgeht mit der Ernte.
Mal schauen, was morgen passiert. Im Moment sitze ich im Raucher-Fernsehraum. Der Nichtraucher-Fernsehraum ist wirklich zum Fernsehen, dieser hier ist zum Feiern. Ich bin total müde nach der Fahrt und um mich herum ist es unglaublich laut. Aber jetzt mache ich dem ein Ende und gehe ins Bett. Morgen habe ich ja auf jeden Fall frei, da schaue ich mal in die Stadt. Was es gibt und wie teuer das Internetcafe ist. Hier im Hostel ist es zu teuer, das reicht vielleicht mal zum Mails checken. Wenns in der Stadt auch teuer ist, bin ich die nächsten Wochen quasi abgeschnitten von der Welt. Vielleicht gar nicht so schlimm. Die Nachrichten aus D und der Welt sind sowieso nur schlecht. Vorwahlkampf in D und Wirtschaftskrise in der ganzen Welt. Dazwischen mal ein Amoklauf oder Flugzeugabsturz.
Wie siehts eigentlich in den Umfragen zu den Wahlen aus? Ich bin immer noch auf dem Stand, dass es für Schwarz-Gelb locker reicht. Aber in Krisen geht die Stimmung in D meist nach links. Wusstet ihr, dass der Sozialstaat in den USA ganz anders wahrgenommen wird, als in D? Der ist ja sowieso ganz anders, aber auch das Denken unterscheidet sich grundlegend. Wenn in D mehr Leistungen für den Sozialstaat im Gespräch sind, kommt bei den Bürgern meist an, dass sie mehr bekommen. In den USA denken die Leute meist, dass sie mehr zahlen müssen. Beides stimmt. Je nachdem, wie die eigene Jobsituation ist. Und einen Königsweg gibts nun mal nicht. Aber mit DEM EINZIGEN UND RICHTIGEN Sozialstaat bekäme ich bestimmt den Wirtschaftsnobelpreis.
Nach diesem deprimierenden Ende, werde ich bestimmt gut schlafen können. Wenn das bei diesem Lärm hier überhaupt geht, auch wenn mein Zelt weit weg steht.
Bestimmt schreibe ich das hier noch weiter, wenn ich den Artikel online stelle.
Es ist Samstag, ich bin krank und sitze im McDonalds. Das Internet ist bedeutend günstiger. Aber natürlich verleitet es auch zum Essen, wenn man hier sitzt, was den Preis wieder mehr als ausgleicht. Muss ich mich eben beherrschen. Tja, ich bin zu uß hier in die Stadt gegangen, weil schönes Wetter ist. Das ist bedeutend weiter, als ich gedacht habe. Und das mit Krankheit. Naja, gleich noch eben das Wichtigste einkaufen und dann setze ich mich ins Hostel vor den Rechner oder lege mich gleich ins Zelt. Mein Portmonee wird immer dicker von den ganzen Karten. Mein Hostel ist nicht von der Backpackervereinigung, deshalb hat es auch nicht den entsprechenden Telefonanbieter. Also brauchte ich eine neue Telefonkarte. Und die Internetkarte von McDonalds. Alleine aus NZ habe ich jetzt schon 8 Karten. Und dazu die deutschen, die ich mithabe...
Mit freundlichen Grüßen.
Christian Bruns