Und mal wieder ein Finanz-/Wirtschaftsthema.
Ich möchte Eure Blicke mal auf die gestrige Versteigerung der Bundesanleihen lenken, diese dann in Zusammenhang mit der Zinspolitik der Notenbanken setzen und dann etwas über die Nichstuer in der Politik in Bezug auf neue Regeln für den Finanzmarkt schreiben.
6 Mrd. € Bundesanleihen für unter 3% Zinsen. Freut und das oder nicht? Einerseits sollte das doch gut sein. Immerhin sinkt dadurch unsere (deutsche) Zinslast, was unseren Staatsschulden gut tut. Immerhin gaben wir 2008 304 Mrd. € für Schuldentilgung (knapp 22% des Staatshaushaltes) aus. Dies sieht zwar gut aus, heißt aber nicht, dass wir auch soviel Schulden weniger haben. Wir schulden uns ja nur um und nehmen neue Schulden auf. Ein anderer in dieser Hinsicht wichtiger, Posten des deutschen Haushaltes ist die Zinslast, die bei 67 Mrd. € liegt. Das sind 4,8% des deutschen Haushaltes. (Quelle für diese Zahlen: http://www.staatsverschuldung.de/ausgaben.htm, 2010-08-19). 27% des deutschen Haushaltes sind also rein für den Schuldendienst vorgesehen, wobei ja fairerweise gesagt werden muss, dass 22% ein durchlaufender Posten sind. OK, das war gar nicht das Thema. Niedrige Zinsen senken unsere zukünftige Zinslast, was uns freuen sollte. Andererseits sollten uns die Gründe für diese niedrigen Zinsen hellhörig machen. Die Notenbanken, fast rund um die Welt, überschwemmen den Markt seit zwei Jahren mit günstigem Geld. Dies hat die Märkte so einigermaßen stabilisiert. Allerdings legt sich Warren Buffet das nicht unters Kopfkissen. Irgendwo muss es ja hin und amerikanische Hypotheken sind out. Kredite für Firmen oder Privatleute sind immer noch unsicher. Mr. Bernanke macht die aktuelle amerikanische Konjunktur weiter schlecht, also investiert man auch nicht in Aktien. Da sind Staatsanleihen doch ein sicherer Hafen. Aber selbst dort scheut man einige Länder der westlichen Welt, z.B die Peripherie der Euro-Zone (Portugal, Irland, Griechenland, Spanien).
Ein (bestimmt der Haupt-) Grund, weshalb Deutschland so günstig Geld bekommt ist also zuviel Geld am Markt und alle Angst vor einem weiteren Einbruch der Weltwirtschaft haben (Double-Dip).
Fassen wir zusammen: Die Notenbanken geben günstiges Geld, haben das Finanzsystem vor einem Zusammenbruch gerettet, entfachen (gewollt) die nächste Blase (Staatsanleihen, wenn die platzt wirds nicht ganz so schlimm) und alles wird gut? Bisher läufts. Ob die Weltwirtschaft nochmal zurückfällt, ich weiß es nicht, ist auch egal. Die größten Verwerfungen sind meiner Meinung erst einmal vorbei. Aber was ist dann das Ergebnis des Ganzen? Der Finanzmarkt hat die Krise verursacht, die Notenbanken retten den Finanzmarkt, die diese Rettung aber nicht an die Wirtschaft weitergeben. Und irgendwann läufts wie vorher.
WO BLEIBT DIE REGULIERUNG? Was hindert die Banken (hier als Synonym für alle professionellen Kapitalmarktteilnehmer) daran, einfach weiterzumachen wie bisher? Leerverkaufsverbot in Deutschland? Dass ich nicht lache. Wer musste sich denn seinen Fehlern stellen? Die paar Banker, die in der Bildzeitung/Sun oder dem amerikanischen Gegenstück verunglimpft wurden? Interessiert die bei den Abfindungen nicht die Bohne. Was gibt es denn für neue Gesetze? Das Eigenhandelsverbot für Investmentbanken in den USA. OK, das lasse ich gelten, aber diese ganze Regulierung wurde von den Lobbyisten so aufgeweicht, dass man dort auch Schlupfwinkel findet.
Ich bin enttäuscht von allem. Vor allem, weil auch keiner mehr drüber redet. Aktuelle Probleme haben dieses Problem in den Hintergrund treten lassen. Vielleicht war die Ölpest im Golf von Mexiko durch den Finanzmarkt gewollt und verursacht (OK, Entschuldigung, das ist mies und provokativ, aber in diese Richtung denke ich).
Ich mach jetzt Sport, um mich abzureagieren.
Chriss