...ist San Francisco, weil die Meerenge vom Pazifik zur Bucht von SF seit dem Goldrausch als Golden Gate bekannt ist. Dort sind nämlich die ganzen Goldsucher angekommen.
Über den Wolken muss die Unsichtbarkeit wohl grenzenlos sein.
Hallo aus San Francisco nochmal. Heute war ich gleich mal in und über den Wolken. Mit Fahrrad. Was gibt es zu erzählen. Ich mag San Francisco. Eine schöne Stadt mit Flair. Hier kann ich es wohl aushalten. Mein Hostel ist eher geht so. Das beste Rating in SF, ich habe keine Ahnung, warum. Es ist nichts schlechtes daran, aber eben auch nichts Spezielles. Die Zimmer sind eher dreckig, nichts Besonderes für ein Hostel. Es gibt ein gutes Frühstück, eine sehr große Gemeinschaftsarea und es ist in der Stadtmitte, das war das positive, aber es ist und bleibt etwas schäbig. Allerdings ist der Hauptgrund die Leute. Ich habe noch kein so unsoziales Hostel erlebt. Die Leute sind höflich, aber uninteressiert. Jeder ist für sich selber oder bleibt in seiner Gruppe. Wenn man alleine ist, macht das natürlich einen schlechten Eindruck. Aber andersherum kann es ja auch an mir liegen. Wer humpelt, hat eben nicht mehr das Image eines tollen Travelers, der gut gelaunt durch die Gegend reist. Naja, egal, eben mal eine schlechte Erfahrung.
Fange ich mal mit dem Wetter an. Heute war es windig, aber sonnig ohne Wolken. Witzigerweise sind die Wolken aber immer über dem Pazifik und kommen nur teilweise bis in die Bay of SF. Dort lösen die sich auf. Also war die Golden Gate Bridge in den Wolken. Deshalb konnte ich kaum Fotos machen, aber ich schwöre, dass ich mit Fahrrad über die Golden Gate Bridge und zurück gefahren bin. Das ein oder andere schöne Foto habe ich auch gemacht, nur eben ohne die Brücke. Wobei ich nicht verstehe, was daran besonders ist. Die ist nicht besonders schön oder besonders lang, es ist eben eine Brücke. Ok, eben eingelesen, damals, als die Brücke im Zuge des "New Deal" entstand, war sie die größte und längste Hängebrücke der Welt und trug viele Rekorde.
Eigentlich habe ich keine Lust mehr zu schreiben. Ich gehe ins Bett.
Weiter im Text. Hinter der GG Bridge ist SF zuende. Dort stehen einige Hügel, auf die ich gefahren bin und Fotos gemacht habe. Sieht eindrucksvoll aus, im Hintergrund die Stadt und alles über den Wolken. Und mit etwas Fantasie kann man sogar die Brücke erkennen.
Dann gings weiter mit dem Rad, wirklich eine schöne Stadt. ziemlich hügelig. Mit Straßenbahnen UND cable cars. Die Straßenbahnen verdienen ihren Namen eigentlich nicht, das sind Busse, die normal auf Reifen fahren, aber elektrisch mit Oberleitungen. Die cable cars sind die, die man aus Filme kennt. Da laufen unter der Straße Stahlseile, die Wagen haken sich durch eine kleine Ritze darin ein und werden durch die Stadt gezogen. Heftig uneffizient und teuer, aber sehr nostalgisch. Das ist es doch, was die Welt neben der Brücke von SF kennt. Und Alcatraz.
Obdachlose. In San Diego dachte ich ja schon, dass es viele gibt, hier gibt es Tausende. Und das nur hier, wo ich war. Da muss ein Nest sein. Alle drei Meter will einer was zu essen, trinken, rauchen, Geld. Als ich hier angekommen bin, hat mich eine Frau vollgelabert, die hatte eine richtig gute Story. Die war auch nicht abgewrackt, ihren Style würde ich noch als etwas hippiehaft durchgehen lassen und das ist in SF ja nur zu fair. Ihre Geschichte ging um ein verlorenes Portmonee und einen leeren Tank. Glaubhaft und emotional. Nur mit der Alkoholfahne hätte ich allein schon aus moralischen Gründen sowieso kein Geld geben dürfen, um sie kein Auto fahren zu lassen. Aber so ist es eben, manche sind einfallsreich, um zu Geld zu kommen. Dann fällt es mir auch schwer nichts zu geben, das sollte eigentlich belohnt werden. Nur bin ich im Moment absolut der Falsche, den man nach Geld fragen sollte. Ach ja, gestern hat einer aus meinem Raum von einem Obdachlosen etwas Marihuana gekaut und sich getrockneten Dill andrehen lassen. Das war schon ein kleines Highlight.
Und jetzt am Ende komme ich noch auf die Politik. Heute beim Frühstück lief der Fernseher, BBC, Nachrichten. Seitdem ich hier in den USA bin (zwei Monate) läuft die Diskussion über die Krankenversicherung in den USA. Heute wieder mit Diskussionen zwischen vielen Leuten, Fakten, Emotionen usw. Dort habe ich erlebt, wie amerikanische Meinungsmache funktioniert. Auf die ganzen Diskussionen pro und kontra will ich gar nicht eingehen, aber in den Werbeblöcken dazwischen kam eine Werbung, die hat ganz klar gesagt:
"Mit der Gesundheitsreform ist nicht garantiert, dass: Sie den gleichen Arzt behalten können, sie schneller behandelt werden, sie weniger bezahlen müssen.
Deshalb lehnen Sie die Gesundheitsreform ab und versichern sich am besten bei uns, denn wir bieten... usw."
So ein Bullshit. Wenn also ein Amerikaner mit der Versicherung zu einem anderen Arzt muss, etwas länger warten muss oder mehr bezahlen muss, hat die Werbung recht. Natürlich gibt es Verlierer. Ich möchte mal ein Gesetz sehen, wo wolche Sachen "garantiert" werden. Darf man klagen, wenn es nicht so kommt??? Und sowas in einem "zivilisierten" Land. Und mit 100%iger Sicherheit wurde die Werbung von dem Versicherungsunternehmen und den Lobbyistenverbänden geschaltet. Die stecken hier ja überall drin. Noch viel mehr als in D.
So, das nochmal dazu, jetzt stehe ich auf und laufe nochmal durch die Gegend und mache meinen Fuß weiter kaputt...
Ist was passiert? Nein, ich bin durch die Gegend gelaufen, hab Fotos gemacht und morgen gehts weiter. Nach Moab, Arches national Park. Mein Fuß ist besser. Zumindest so, dass ich gehen kann, ohne zu starke Schmerzen zu haben. Das fortgeschrieben auf zwei weitere Tage reicht mir, um zu wandern. Nur weiß ich noch nicht, wie ich dahin komme. Erstmal den Bus zur nahesten Station nehmen und dann weiterschauen. Vielleicht per Anhalter, vielleicht kann mir dort irgendwer weiterhelfen.
Jetzt sortiere ich Fotos. Das Abendessen startet um 8. Das ist echt gut in diesem Hostel. Jeden Tag ein gesundes und reichhaltiges Abendessen für 5$. Frühstück ist sowieso umsonst und ich habe mir ja angewöhnt, nur noch zwei Mahlzeiten am Tag zu essen, dafür aber große. Und zwischendurch ein paar Früchte. Ich liebe farmer markets. Da kann man Früchte immer so günstig kaufen. Heute ein pound (453 Gramm) Pflaumen für 1$.
Fotos: SD = San Diego, SF = San Francisco, GG = Golden Gate (Bridge)
Grüße
Chriss