Jung und Mädels, Damen und Herren,
schöne Grüße aus dem nirgendwo. Ich dachte, Texas wäre wenig, aber New Mexiko... Gestern bin ich sieben Stunden von El Paso nach Santa Fe gefahren und habe dabei nichts gesehen. Durch genau eine Stadt sind wir gekommen, die war nicht gerade klein, aber sieben Stunden... Wir haben die Route 66 genommen und da war auch nichts, warum will die irgendwer fahren? Links und rechts Wüste, mal steiniger, mal sandiger. Viele grau-braune Pflanzen und im Hintergrund Berge. Eine wunderschöne Szenerie und die verheißt wirklich den amerikanischen Traum der Freiheit, aber nicht für ewig.
Nun ja, wir hatten eine Stunde Verspätung, weil ich illegalerweise im Bus saß. Um 8 AM war ich an der Greyhound-Station und wollte mein Ticket für 10 AM kaufen, aber die Frau sagte, dass der Bus schon ausgebucht wäre. Eigentlich kein Problem, der nächste wäre um 5 PM gegangen, die Zeit hätte ich wohl rumbekommen. Nur wäre ich dann um 1:30 AM in Santa Fe gewesen. Und halb zwei nachts ist nicht gerade die beste Zeit, um anzukommen. Vor allem, wenn man noch über eine Stunde von der Busstation zum Hostel gehen muss. Aber ich habe das Ticket trotzdem gekauft, auf dem stand auch 10 AM drauf, aber die Frau hat mir gesagt, dass ich darauf nicht hoffen soll. Und jetzt kommts: "Wenn ich nicht einen Platz bei der "Autobuses-Americanos-Station" bekomme." Das ist eine mexikanische Buslinie, die mit Greyhound im Süden der USA zusammenarbeitet. Und mein Bus war von denen, die fahren von ihrer Station ab und dann erst Greyhound an. Letztendlich saß ich dann im Bus, in den ich bei der Autobuses-Americanos-Station eingestiegen bin und ein Typ an der Greyhound-Station, der seinen Platz im Voraus gebucht hatte, hatte keinen Platz mehr. Haha. Und die Frau am ticket counter wusste ganz genau, dass ich da drin sitze, aber die Fahrer und Securities nicht. Nett von der Frau am ticket counter, oder?Letztendlich hat der Fahrer seinen Platz zur Verfügung gestellt, der hat immer den Sitz direkt hinter dem Fahrersitz frei, falls mal was ist.
Übrigens ist die mexikanische Buslinie im Gegensatz zu Greyhound so wie man sich das vorstellt. Alles ist laut, komplett unorganisiert und die Getränke und das Essen in den Automaten kostet die Hälfte von dem in den Greyhound-Stationen. Und die Leute sind freundlicher. Auch wenn ich die nicht verstehe. Zumindest einer im ticket counter konnte Englisch. Leider keiner der Passagiere und auch nicht der Busfahrer. War schwierig bei den Durchsagen im Bus, aber ich bin ja angekommen. Auf der Strecke sind wir nochmal durch einen Checkpoint der border patrol gekommen, aber ich hab meinen Pass ja immer dabei. Diesmal waren die auch so, wie ich es mir vorstellen würde. Nett, seriös und souverän.
Da ich ja immer auch die Geschichte von meinen besuchten Städten etwas beschreibe, hier mal eben zu "La Villa Real de la Santa Fé de San Francisco de Asís" (Originalname), "The Royal City of the Holy Faith of Saint Francis of Assisi" (englisch) oder "Königliche Stadt des heiligen Glaubens des Heiligen Franz von Assisi" (deutsch). "Santa fe" heißt also nur "heiliger Glaube". 60.000 Einwohner. Nicht gerade übertrieben viel, oder? Man kennt das, weil es Namensgeber und wichtigste Versorgungsstation des Santa Fe Trails war. Der verband spanische Kolonien mit den britischen und machte den Handel zwischen den USA und Mexiko möglich. Deshalb kennen wir den Name nämlich nicht aus der Geschichte, sondern aus Westernfilmen. Jeder Cowboy ist über den Santa Fe Trail gekommen. Sonst gibts es aber auch nichts zu erzählen. Indianer gibt es hier einige. Und alles wurde im Adobe-Stil erbaut, das sieht aus wie Lehmhäuser, nicht gerade toll, aber schön einheitlich. Im Artikel in El Paso habe ich meine Beziehung to Kunst ja schon beschrieben. Also die 300 Kunstgallerien sind nicht wirklich etwas für mich. Santa Fe macht bei 60.000 Einwohnern 150 Mio. $ Umsatz mit Kunst im Jahr. Das ist Big Business hier und so sieht das auch aus. Nichts für mich.
Mir ist in Texas aufgefallen, dass Texas der einzige Staat ist, der nicht zu einer "Region" gehört. Es gibt Neuengland im Nordosten, die Südstaaten im Südosten (Bürgerkrieg-Südstaaten, also ist das politisch gemeint, nicht geographisch), den mittleren Westen im Norden Mitte, der sich teilweise mit den Great plains überschneidet, dann die Rocky Mountains und die Westküste. Nur Texas ist einfach nur Texas.
Hostel. Es handelt sich um eine non profit organization, die zwei entscheidende Vorteile hat. Erstens zahlt man dann keine Steuern (18$/Nacht) und zweitens wird das Hostel von einem Supermarkt beliefert, mit allen Lebensmitteln, die der Supermarkt sonst wegwerfen würde. Und das sind eine ganze Menge. Wenn man vor den Kühlschränken steht, weiß man gar nicht, was man essen soll. Brot, Fleisch, Käse, Süßkram, Nudeln, Saucen, Getränke. Sehr viel... Da bedankt sich mein Budget. Und mein Magen. Essen ist bei mir leider in den letzten Wochen zur reinen Nahrungsaufnahme von Stoffen geworden, die der Körper braucht. Aber ich mag auch leckeres Essen, nur weil es leckeres Essen ist. Das kann ich endlich hier mal wieder ausleben. Und dafür muss nur jeder Gast morgens etwas saubermachen. Mal ein Bad reinigen, oder die Küche, oder einen Dorm-Raum... Heute sind hier 30kg Weintrauben angekommen, erinnert mich an die Weintraubenlese in NZ.
Samstag war ich mit einer Japanerin noch Downtown, aber da ist nichts. Ich wollte sowieso nur schauen, wie das Nightlife hier aussieht und nirgendwo reingehen, aber es hätte sich auch nicht gelohnt. Vor allem nicht, wenn man vorher in New Orleans oder Austin war.
Und gestern war ich Mountainbiking. Es gibt zwei Geheimnisse beim Mountainbiking. Erstens, weitertreten, egal, was passiert, man kommt immer weiter, auch wenn man meint, man wäre zu langsam oder es ist zu steil. Und zweitens: ES NICHT ZU MACHEN! Immer wenn ich eine etwas längere Tour mit dem Rad plane, geht was schief. Damals auf der Insel vor Auckland, NZ hatte ich fast einen Kreislaufzusammenbruch. Gestern ist nichts wirklich Schlimmes passiert, aber ich habe mich verfahren. Nach etwa 3 Meilen auf dem Trail habe ich wohl was verpasst und bin die nächsten Stunden durch die Berge geirrt. Und als ich dann endlich eine echte Straße gefunden habe und bei einem Haus nach dem Weg gefragt habe, war ich 3 Meilen nördlich des nördlichsten Punkt der Strecke. Also bin ich etwa 6 Meilen ohne Weg nordwärts, bergauf gefahren/geschoben. 500 Höhenmeter. Aber ich hatte genug Wasser und kleine Snacks dabei. Zwischendurch musste ich den Schlauch wechseln, weil hier ja überall Kakteen rumstehen. Und der zweite Schlauch war schon kaputt, toll. Aber hat nur langsam Luft verloren. Der Rückweg ging dann 500 Höhenmeter bergab auf der Straße, somit hat es nicht so lange gedauert. Und obwohl ich mich als ziemlich fit erachte, ging das körperlich gar nicht mehr. Erstens bin ich Mountainbiking nicht so gewohnt, zweitens habe ich die ganze Zeit bergauf geschoben und drittens bin ich sowieso schon auf mehr als 2.2.00m Höhe. Vielleicht bleibe ich beim Wandern und Klettern. Das Fahrradfahren bekommt mir nicht so.
So, nächster Stopp. Flagstaff, eine langweilige Stadt am Grand Canyon. Ich hab hier eine Frau aus Südafrika kennengelernt, wir hatten vor, zusammen dort zu wandern und einen Nacht im Grand Canyon zu schlafen, also am ersten Tag runter und am nächsten Tag wieder rauf, aber die Erlaubnis dort zu schlafen muss man beantragen und das ist wenige Tage vorher unmöglich. Außerdem hat sie nur begrenzt Zeit, hätte das zwischen zwei Termine quetschen müssen. Somit hätte ich mich auf ihren Zeitplan einstellen müssen. Und die Freiheit tun und lassen zu können, was ich will und wann ich will, gefällt mir im Moment sehr gut. Und sie muss alles bis ins Detail planen. Ich bereite mich lieber gut vor, gehe dahin und schaue, was passiert. Allerdings ist ein overnight trip alleine natürlich ein Risiko, deshalb haben wir uns zusammengetan. Aber das hat sich ja sowieso erledigt.
Stattdessen hat man mir den Arches National Park in Utah empfohlen, nicht ganz so groß wie der Grand Canyon, aber dafür auch lange nicht so touristisch und mit mehr unberührter Natur. Und auch mit Felsen, Canyons und allem, was dazugehört. Die "Stadt" Moab hat wahnsinnige 5.000 Einwohner, aber immerhin ein Hostel. Das reicht mir ja, von da aus kann ich meine Trips organisieren. Aber KEIN FAHRRAD!!! Ich muss wandern, und wenn es alleine over night ist. Mal schauen. Im Grand Canyon braucht man kein Zelt. Skorpionstiche sind übrigens schmerzhaft, aber sehr selten gefährlich. So wie Bienen- oder Wespenstiche, nur schmerzhafter. Und Schlangen sind selten, die meisten Amis haben noch nie eine giftige Schlange in der Wildnis gesehen, auch die nicht, die viel wandern. Das ist ja schon mal beruhigend.
Plan: Flagstaff (Grand Canyon), Kalifornien (jeder rät mir LA zu umgehen und dafür länger in San Francisco und San Diego zu verbringen), Moab (Arches National Park), Denver (Beer Festival), Nashville, Augusta. Mal schauen, was ich davon realisiere.
MfG
Chriss