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El Paso, TX

Hi,
 
da bin ich schon wieder mit den Neuigkeiten vom Tage. Es ist immer noch Mittwoch, aber online stellen werde ich den Artikel erst morgen oder Freitag. mal schauen. Obwohl ich kaum was gemacht habe, spüre ich das Bedürfnis, etwas zu schreiben. So Kleinigkeiten eben, aber die sind oft interessant.
Zum Beispiel habe ich jetzt endgültig abgeschrieben zur Wahl gehen zu können. Ist äußerst schade, aber in meiner Situation absolut nicht zu ändern. Wobei ich sowieso Protest gewählt hätte. Die fünf Bundestagsparteien sind irgendwie unwählbar. Ganz schlimm ist, dass die einzige Partei, die dieses Machtdenken meiner Meinung nach noch nicht verinnerlicht hat "Die Linke" ist, allerdings sind hier die Inhalte unwählbar.
Auf der Fahrt hier nach El Paso hat uns die Border Patrol bei einem Stopp kontrolliert. Das war ein Witz. Erst hatte ich etwas Respekt, als die drei Typen voll ausgerüstet reingekommen sind und jeden nach ID und Visa gefragt haben. Aber die haben auch gefragt, aus welchem Land die Leute kommen. Und fast neben mir saß einer, der hat keine ID gezeigt, USA gesagt und alles war gut. Zwar will ich immer noch auf keinen Fall irgendeinen Stress mit amerikanischen Polizisten haben, aber der große Respekt ist dahin.
Noch mal zu dem Hostel. Ich habe gelogen, es gibt wohl eine Klimaanlage, aber nicht in den Zimmern. Aber das geht klar.
Früher muss das mal ein richtig gutes Hotel/Hostel gewesen sein. Es ist riesig, gibt alles und als das alles neu war, so vor 40 Jahren schätze ich, sah das bestimmt auch gut aus. Leider ist man dann in der Zeit stehengeblieben.
Hinter dem Hostel in wenigen 100m gibt es einen Hügel, da wollte ich heute drauf, aber der Typ an der Rezeption hat mir gesagt, das ist privat und mich per Bus zu einem anderen Hügel geschickt, falls ich klettern will. Das war auch wirklich gut, aber ganz habe ich das nicht geschafft. FlipFlops sind dafür nicht geeignet. Und 1L Wasser ist auch zuwenig. In dieser Wüste ist etwas mehr Vorbereitung nötig, aber da hoch muss ich natürlich unbedingt. Das sieht aus, wie man sich die Wüste der USA vorstellt. Viel Geröll, Steine und jede Pflanze hat riesige Dornen. Fehlt nur noch ein Cowboy. Nachdem ich den Gipfel in den nächsten Tagen erklommen habe, stelle ich Fotos rein.
Und ich hab ja gesagt, dass ich nach Mexiko will. Dafür muss man bezahlen. Von USA nach Mexiko 35 Cent, andersherum 30 Cent. Gehts noch? Seit wann bezahlt man denn Eintritt in ein Land. Das ist nicht viel, aber dreist. Angeblich überqueren die Grenze jede Woche etwa 140.000 Menschen. Natürlich auch viele Pendler.
Vor einiger Zeit habe ich den Spruch eines "Berufsrucksackanhalterreisenden" gehört: "Am Anfang ist jedes Land teuer, später wird es billiger." Auf mich trifft das nur halb zu, weil ich einen Mindeststandard habe, z.B. ein Bett oder vorbereitetes Essen, dass ich nicht sammeln oder jagen muss, aber trotzdem stimmt es. In El Paso machen die Geschäfte früh zu und weil nichts anderes mehr aufhatte bin ich zu einem 1$-Shop gegangen. Dort gab es große Müslipackungen für 1$, das optimale Frühstück. Milch gibt es immer in 1-Gallone-Flaschen (3,8L), also perfekt für einen Hostelaufenthalt. In diesen Shops gibt es auch Suppen oder Süßkram für sehr wenig Geld, muss ich nur noch Äpfel für die Vitamine kaufen, dann kann ich 5 - 10$ pro Tag an Essen sparen. Das wäre endlich mal ein substanzieller Beitrag für meine Budgetplanung. Nicht die 30 Cent hier und das kleine Eis da, was ich mir nicht kaufe. Aber wer kommt schon darauf, in 1$-Shops sein Essen zu kaufen? Die Antwort ist: Mexikaner. Die Shops gibt es überall, aber bisher habe ich sie nicht so richtig beachtet. Als ich mir Müsli gekauft habe, wollte ich auch Milch, allerdings konnte nur einer der fünf Angestellten in dem Shop sehr schlecht Englisch, die anderen gar nicht. Milch heißt auf Spanisch übrigens Letsch (ausgesprochen, gerade zu faul die Schreibweise nachzuschauen). In der ganzen Stadt wird nur Spanisch gesprochen. Und selbst der Typ mit dem sehr schlechten Englisch hat meinen deutschen Akzent rausgehört. Obwohl mein Englisch mittlerweile ganz ok ist, aber man sagt ja, dass der Akzent nicht mehr wegzubekommen ist, wenn man eine Sprache mit später als 18 lernt, egal, wie gut man danach ist.
Mal eben nebenbei, ein schöner Link, da sollte jeder mal draufschauen.
http://www.nachdenkseiten.de/
 Donnerstagnachmittag. Ich kann mich gerade nicht bewegen, so vollgefressen bin ich. Deshalb liege ich im Bett und schreibe weiter meinen Blog, der dieses Mal wohl äußerst umfangreich ausfallen wird, wenn ich den online stelle. Habe ich mir gestern noch Gedanken über Vitamine gemacht? Fahr doch einfach nach Mexiko und kaufe dir deine Vitamine dort Chriss. Da haben die mich zwar abgezogen, aber das ist mir völlig egal. Die Umrechnung Peso/Dollar liegt bei 13/1, aber wenn man fragt bekommt man einen Kurs auf der Straße von 10 zu eins. Und dann runden die den Preis noch auf die nächst gerade Zahl auf. Somit habe unglaubliche 50 Cent für fünf Äpfel bezahlt und 75 Cent für eine riesige Obstschale. Die habe ich noch nicht einmal aufgegessen. Und das obwohl ich vieles davon auch noch verschenkt habe an Leute, die mich gefragt haben, ob die ein Stück Melone, Gurke, Ananas, Apfel, Banane und alles, was da sonst noch so drin war haben konnten. Da der gemeine Mexikaner immer einige Zahnstocher dabei hat, mussten die auch nicht meine Gabel benutzen. Und die Schuhputzer wollten mir meine Schuhe putzen. Ich trage FlipFlops. Wäre mal interessat gewesen, das zu sehen, aber ich habe freundlich abgelehnt. Leider ist es strengstens verboten jegliche Art von Obst und Gemüse über die Grenze zu nehmen, deshalb musste ich einiges wegwerfen, denn direkt an der Grenze gibt es keine Bettler mehr, dafür sorgen wohl die 1.000 Polizisten und das Militär, die überall präsent sind. Das liegt nämlich daran, dass Juarez die Mordhauptstadt der WELT!!! ist.
"Wie die mexikanische Nichtregierungsorganisation CCSP mitteilte, liegt die an den US-Bundesstaat Texas angrenzende Stadt mit 130 Morden pro 100.000 Einwohner vor dem venezolanischen Caracas (96) und New Orleans in den USA (95)."
(Quelle: http://www.n-tv.de/panorama/Mordhauptstadt-liegt-in-Mexiko-article478397.html, 27. August 2009, 16:50Uhr, El Paso Zeit)
Schön, dass mir genau diese Tatsache Meike gesagt hat, kurz bevor ich losgegangen bin und eben hat Markus mir einen Artikel mit genau dieser Nachricht geschickt. In New Orleans war ich ja auch gerade. Gut, dass ich noch lebe.
Die Bettler und Straßenverkäufer sind nur Downtown. Weiter Richtung Grenze werden dann höherwertige Güter verkauft: Zahnersatz, Zigaretten und Medikamente. Erinnert irgendwie an die Grenze zu Polen oder??? Die Area, in der ich mich laut dem Hosteltypen bewegen darf, ist nicht sehr groß. Die Karte ist in einem großem Maßstab. Eigentlich sind auch nur 4 Blöcke interessant. Ein großer Markt, ein Museum in dem nicht viel gezeigt wird, dafür aber um so mehr geschrieben wird (auf Spanisch) und eine Kirche und eine Mission. Da habe ich mich aber absolut fehl am Platze gefühlt. Die Leute, die da reingehen, sind alle tiefgläubig. Die berühren einen Schrein, schluchzen dabei abgrundtief und beten laut oder leise unablässig. Und ich hatte wie immer nur meine Sonnenbrille mit. Ohne Brille sehe ich nichts, aber mit Sonnenbrille habe ich mich selber respektlos den Leuten gegenüber gefühlt. Deswegen habe ich auch keine Fotos gemacht. Es hat mich sowieso jeder angestarrt, denn selbst die Amis aus der Region sind dunkelhäutiger als ich.
Die Grenze selber: Man wird gar nicht kontrolliert, wenn man nach Mexiko geht, muss auch nichts vorzeigen oder wird gescannt. Nichts. Auf dem Rückweg musste ich bei einem Beamten der "Homeland Security" meinen Pass vorzeigen und meine Taschen scannen lassen. Aber keiner hat mich durchsucht oder gescannt. Und was mich gewundert hat ist, dass es keine Drogenhunde gab. Ich denke, Drogen sind das große Problem an der Grenze. Der Beamte hat wenigstens endlich mal das Klischee erfüllt, das man hat. Unhöflich, unfreundlich, kein Lächeln, kein "bitte", "danke" und alles was er gesagt hat klang wie ein Befehl. Ich habe mir noch vorgestellt, was wohl passiert wäre, wenn ich meinen Pass im Hotel vergessen hätte. Da ich den nicht gebraucht hätte, um nach Mexiko zu gehen, wäre ich dort gefangen gewesen, denn zurück gelassen hätten die mich nicht. Das hätte einiges an Erklärungen und Zeit gekostet.
Jetzt muss ich mich nochmal bewegen. Da sind noch zwei Museen in El Paso, die besichtigt werden müssen. ich kann ja nicht einen halben Tag im Bett verbringen, wenn ich nur drei Tage hier bin.
Donnerstagabend. Die Museen waren etwas enttäuschend. El Paso Art Museum. Ich weiß nicht genau, wo mir die Kultur fehlt, aber mit Kunst kann ich nicht soviel anfangen. Ich habe viele Interessen, Geschichte, Technik, Aktuelles, Natur, aber auch Städte, sogar Politik. Kunst gehört ganz sicher nicht dazu.
Und das El Paso History Museum. Nun ja, die Geschichte von El Paso ist schnell erzählt. Irgendwann im 17. Jahrhundert haben die Spanier eine Mission errichtet, um den Indianern das Christentum nahezubringen. Eine Stadt macht sich aus vielen Gründen sehr gut an einem Fluss, hier der Rio Grande, der heute die Grenze zu Mexiko markiert. Die Stadt ist immer weiter gewachsen, auf beiden Seiten des Flusses. Als Texas unabhängig wurde, war sie noch mexikanisch, mit dem Sieg der Amerikaner über Texas wurde die heutige Grenze festgelegt, die die Stadt zweigeteilt hat. Durch ihre Militärbasis wurde sie nochmal im amerikanischen Bürgerkrieg interessant, als die Konföderierten hier ihre Streitkräfte von Texas und New Mexiko bündelten. Aber Schlachten gab es hier nicht, dafür ist sie zu weit weg. Nach dem Krieg wurde sie zum Handelszentrum zwischen den USA und Mexiko. Und das ist sie noch heute. Punkt.
Wenn ich dann morgen nochmal in den bergen wandern gehe, sind die wichtigen Sachen von El Paso auch abgehakt. Das hört sich jetzt ein wenig flapsig an, die Stadt ist schön. Nur muss man hier entweder Jahre bleiben, um die Stimmung wirklich einzufangen und alles kennenzulernen oder bald wieder gehen, denn soviel Touristenkram, Geschichte oder sonst was, gibt es eben nicht. Und für Jahre habe ich keine Zeit und wenn, würde ich doch andere Städte vorziehen. Aber gut, dass ich sie in meine Reiseroute aufgenommen habe.
So mein Dinner ist auch abgehakt. Ich liebe 1$-Shops. Wenn es die wirklich überall gibt, wird das meine Reise revolutionieren.
Das ist auch erstmal genug für einen Artikel, oder? ich stelle den jetzt ein und die Fotos gleich dazu. EP = El Paso, JU = Juarez.
Chriss

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