Hallo,
da bin ich mal wieder. Zurück in der Zivilisation. Und: Es war schön. Wir sind 32km in drei Tagen gewandert und haben dabei mehr als 1.100 Höhenmeter rauf und wieder runter bewältigt. Zwischen höchstem und tiefstem Punkt, das ganze Rauf und runter zwischendurch nicht mitgerechnet. Dabei haben wir die schönsten Kulissen in NZ gesehen. Wobei ich natürlich noch längst nicht alles gesehen habe. Aber bisher hat das alles andere in den Schatten gestellt. Der cruise durch den Milford Sound war dann etwas enttäuschend, aber nur, weil ich zu hohe Erwartungen hatte. Jetzt sind wir zurück in Queenstown, organisieren uns zwei Tage und morgen gehts nach Christchurch.
Aber eins nach dem Anderen.
Wo war ich stehengeblieben? Bungy. Michael kann ja einfach vorbeikommen. Wir finden hier wohl das Richtige. Hier findet jeder Adrenalinjunkie das Richtige. Gut wäre es natürlich, alles mitzumachen, aber das geht nicht.
So, weiter im Text. Der letzte Satz meines vorherigen Artikels endete mit "Gleich gehts Einkaufen...". Wir waren einkaufen. Statt Kuchen habe ich mir Knäckebrot gekauft, dann eben mit Aufstrich, aber nur Honig und Erdnussbutter. Beides in Plastik. Kein Glas mehr. Das Milchpulver hat sehr gut geklappt. So eine Instantmilch hätte ich mir gar nicht so gut vorgestellt. Mal ganz davon abgesehen, dass ich zwar immer wusste, dass es sowas wie Milchpulver gibt, aber trotzdem nie wirklich realisiert habe, dass es funktioniert wie Nescafe. Milch war für mich immer ein eigenes Getränk, das nicht hauptsächlich aus Wasser besteht. Dazu ein paar Nüsse, Äpfel und eine Packung trockene Kekse. Und für abends je eine Dose Spaghetti, Thunfisch in Öl und Rote Beete. Hat alles wunderbar geklappt. Einigermaßen gesund, nahrhaft und noch runterzubekommen. Ist Wasser auch als Lebensmittel zu bezeichnen? Natürlich zwei Flaschen Wasser, die ich bei jeder Gelegenheit aufgefüllt habe. Entweder aus den Hütten oder direkt aus den Flüssen, das Wasser kann man hier ohne Bedenken trinken. Nicht überall in NZ, aber hier eben schon.
Neben den Lebensmitteln habe ich dann auch auf meine Kleiderauswahl geachtet und nur das mitgenommen, was wirklich nötig ist, inkl. etwas Reserve und war erstaunt, wie leicht mein Rucksack im Gegensatz zum Great Walk auf Stewart Island war. Dann habe ich mir sogar den Luxus gegönnt, ein Kopfkissen mitzunehmen. Erstaunlich, wie sich dadurch der Schlafkomfort erhöht. Im Gegensatz zu der Jacke und dem Pullover, die ich beim ersten Mal als Kopfkissen benutzt habe. Falls ich noch einmal einen Great Walk mitmache, kaufe ich mir auch zwei andere Hosen. In meinem Leben gibt es keine anderen langen Josen als Jeans, aber die sind ausdrücklich nicht empfehlenswert. Die werden zu schnell nass, trocknen zu langsam und sind schwer. Am besten sind diese dünnen Hosen aus dem Material, aus dem auch Windjacken sind. Am besten mit Reißverschluss am Oberschenkel, damit man die Hosenbeine bei Bedarf abmachen kann. Und man kann auch sonst noch kiloweise Gepäck sparen, wenn man nochmal wirklich nachdenkt. Überall findet sich noch einige Gramm. Z.B. kleines Handtuch statt dem Großen, keine Kulturtasche, sondern nur Zahnbürste und Duschgel... Mal schauen, ob ich überhaupt noch wandere. Mehrtagestouren meine ich.
OK, Rucksack war gepackt, wir sind morgens aufgestanden und zum Bus gegangen. Der Track fängt etwas abseits von Queenstown an, da mussten wir über eine Stunde mit dem Bus hinfahren. Das erste Problem war schon, die richtige Bushaltestelle zu finden. Die Busgesellschaft hat hier ihren eigenen Busstopp, dort gedachten wir einzusteigen. Leider haben wir nur über diese Gesellschaft gebucht, der Stopp war woanders. Natürlich stand die richtige Adresse auch auf dem Ticket, aber die Mädels haben mir versichert, dass das nur der Ort sei, an dem sie die Karten gekauft hätten. Ich hatte mich aber auch nicht informiert, also waren wir einfach schlecht organisiert.
Naja, irgendwann haben wir den richtigen Bus gefunden und sind zum Startpunkt gefahren. Über den ersten Tag gibt es nicht soviel zu berichten, es ging hauptsächlich durch den Wald und bergauf. Von ca. 450m auf genau 1.000.. Dort lag die Hütte. Aussichten gab es wenige, weil eben an der einen Seite der Berg und an der anderen der Wald lag. Aber von der Hütte kann ich erzählen. Oder besser gesagt von beiden Hütten. Auf Stewart Island habe ich ja auch den Great Walk mitgemacht und ich dachte, dass die Ausstattung überall ähnlich ist, aber diese Hütten waren Luxus. Es gab richtige Toiletten mit Spülung, Gaskocher mit Gas und sogar Licht. Von 7 - 10PM, durch Solarenergie. Dazu ein extra Gebäude, in dem ein Typ vom DOC geschlafen hat, der uns abends eine Einweisung gegeben hat über Strecke und Wetter. Der hat auch drauf geachtet, dass alles sauber und ordentlich bleibt. Echt Luxus. Die Schlafräume waren groß und jeder hatte sein Einzelbett mit Matratze. Gut für mich, schlecht für Milada. Die hat Klaustrophobie und kann mit drei Wänden nicht im Bett schlafen und erst recht nicht im absolut dunkeln. Das heißt, sie war Freitag nicht gut zufrieden. Blöd. Aber zurück zur Hütte. Der Track heißt ja Routeburn Track und die Hütte Routeburn Falls. Logischerweise an einem Wasserfall. Eigentlich waren wir die ganze Zeit an irgendwelchen Flüssen und da die alle aus den Bergen kommen auch die ganze Zeit an Wasserfällen. Aber hier waren eben einige Große. Und an einem besonders Großen war ein Pool drunter. Ich sag mal 3 x 10 Meter und ich konnte den Boden nicht berühren. Das Wasser war gefühlte 0 Grad und die ersten Sekunden im Wasser konnte ich mich nicht bewegen. Lag aber auch daran, dass es geregnet hat. So richtig schön nasskalt. Wir sind gerade noch im Trockenen angekommen, direkt danach hats angefangen zu regnen. Kein Vergnügen dann zu schwimmen, aber einmal ins Wasser muss ich, wenn sich die Möglichkeit bietet. Nach solch einer Wanderung.
Der zweite Tag war dann das Beste, was ich bisher hier gesehen habe. Anfangs total nebelig wolkig, aber dann gabs blauen Himmel und Sonne. Und trotzdem wars kalt. Bestens. Aber es war auch der längste Tag der Wanderung. 5,5 Stunden. Und an der höchsten Stelle auf dem Harris Sattel waren es 1.277m. Dort gab es einen Sidetrack über eine gute Stunde inkl. zurück. Da gings nochmal rauf auf 1.5xxm. Also knapp 300m in einer guten halben Stunde. Das war heftig, richtig heftig. Aber oben wusste ich, wieso ich das gemacht habe. Die Aussicht war atemberaubend. Da gibts auch Fotos von. Die Mädels wollten den Sidetrack nicht machen, der war denen zu anstrengend, also war ich alleine unterwegs. Aber kein Problem, den Weg findet man immer und es sind auch überall Leute, mit denen man wandern kann. Andererseits ist es auch sehr schön, alleine zu wandern. Der Weg ging nach dem Sattel über die Berge weiter und ich könnte euch 100 schöne Panoramabilder zeigen, aber das wird auf die Dauer anstrengend. Ein paar müssen genügen. Am Ende ging der Weg zum Lake McKenzie runter, da war die zweite Hütte. Das war der mieseste Teil des Tages. Luftlinie waren etwa 500m zu überwinden, aber weil es so unglaublich steil war, ging der Weg in Serpentinen runter. Etwa eine Stunde. Und man hat das Gefühl, dass man gar nicht voran kommt. Aber wie gesagt, es war gutes Wetter mit Sonne und blauem Himmel, da macht es Spaß zu wandern.
Die Hütte liegt direkt an einem See, das ist wieder gut zum Schwimmen abends und morgens. Die Hütte war wieder genauso luxuriös wie die erste.
Samstag haben wir eine 2-Stunden-Tour durch den Milford Sound gemacht. Aber nur Jitka und ich, die beiden anderen sind direkt nach Queenstown gefahren. Für den Cruise mussten wir allerdings um 12 Uhr an der Bushaltestelle am Ende des Tracks sein. Also um 7 Uhr los. Und entsprechend aufstehen. Der dritte Tag war zwar schöne, aber nicht zu vergleichen mit dem zweiten. Wir waren pünktlich an der Bushaltestelle im Gegensatz zum Bus, aber für die Fahrt waren wir immer noch früh genug. Die Busfahrt hat mich irgendwie an das Klischee der fotografierenden Japaner erinnert. Der Busfahrer erzählt etwas von der Landschaft, hält 5 Minuten für Fotos an und fährt weiter. Und das 5 Mal. Aber wir konnten uns ja wenigstens etwas erhaben fühlen, denn wir hatten den Track gemacht. die anderen Leute im Bus kamen direkt aus Queenstown, alle sauber, trocken und frisch rasiert. Die haben sich sehr gefreut, als wir zugestiegen sind... Die Aussichten waren zwar schön auf der fahrt, aber lange nicht so gut, wie am zweiten Tag der Wanderung. Der Milford Sound an sich ist ein langer Fjord mit steilen Hängen der Tasmanischen See. Und er wird als schönster Ort NZ beschrieben. Deshalb hatte ich auch dementsprechende Erwartungen. Und was wars??? Nichts. Ein schönes Panorama, keine Frage, aber es ist nur Wasser mit steilen Hängen an der Seite und Wasserfällen. Sehr schön, aber auf dem Great Walk wars trotzdem schöner. Ich denke, dass man für die wirkliche Schönheit der Natur entweder über die Berge wandern muss oder eine Rundflug buchen sollte. Der Great Walk ist immer schon auf Monate ausgebucht und der Rundflug ist natürlich entsprechend teuer. Schade für die Leute, die von Queenstown zum Milford Sound gefahren sind, den Cruise gemacht haben und wieder zurück. Für mich war es nicht ganz soviel teurer, als wenn ich nur die Rückfahrt gebucht hätte. So kann ich wenigstens sagen, dass ich am Milford Sound war. Die Bootsfahrten sind sowas von touristisch, da war ein Terminal wie am Flughafen für die verschiedenen Anbieter. Der Ort selber ist winzig es gibt nur den Bootsanleger, aber der ist riesig. Außerdem waren wir mit unseren 27 Jahren so ziemlich die Jüngsten auf der Fahrt. Kaffeefahrt.
So, Ende der Geschichte. Genug über Landschaft diskutiert. Rückfahrt über vier Stunden nach Queenstown, langweilig, ankommen, organisieren und nicht schlafen können, obwohl ich total fertig war. Mysteriös.
Heute ist Sonntag und ich mache nichts und morgen fahren wir nach Christchurch. In drei Tagen kommen Maik und Marcus hier an, wir feiern etwas und dann suche ich mir einen Job für die nächsten 6 oder 7 Wochen. Und dann ist Meike ja auch schon fast hier. Jobs findet man übrigens innerhalb von Tagen und nicht von Wochen. kathrin hat einen Job gesucht und alle Anbieter haben ihr gesagt, dass sie jetzt noch keine Zusagen für in zwei Wochen machen können. Die vergeben die nur zwei oder drei Tage vorher, je nach Bedarf.
Und noch etwas, ich versuche ab jetzt immer das Datum zu den Fotoalben zu schreiben. Das hatte ich ja schonmal vor, aber immer vergessen. Die sind ja alphabetisch und nicht zeitlich geordnet.
Ich hab keine Lust mehr zu schreiben.
Chriss