Hi,
jetzt mal wieder die neuesten Fakten aus NZ. Mittlerweile sind wir bei den Gletschern angekommen (Franz Josef- und Fox Glacier) und haben auch schon eine Tour gemacht. Eindrucksvoll, solche Gletscher, davon gibts auch Fotos. Und morgen gehts für eine Nacht nach Queenstown, aber nur zum Übernachten und weiter. Ich bin ja der einzige Autofahrer und habe keine Lust so weit zu fahren. Die Tour morgen geht über 400km, also 5 - 6 Stunden. Die Autobahnen habe ich ja beschrieben. Kathrin kann zwar auch fahren, aber sie fährt auch in D fast nie und hat von sich selber ghesagt, dass sie eine schlechte Autofahrerin ist. Da möchte ich ihr den Linksverkehr und erst recht mein Auto nicht zumuten.
Freitag haben wir in Punakaiki eine Wanderung gemacht. Eigentlich sollte die zu einer Schlucht gehen, aber nach 2,5 Stunden kam ein Schild, dass es noch 45 Minuten sind. Also hin und zurück 1,5. Da sind wir umgedreht, denn fünf Stunden haben gereicht. Wir machen ja auch noch die beiden Great Walks. Von der Wanderung gibts leider keine Fotos, denn Wälder bekommt man nicht auf Bilder. Stand glaube ich schon im letzten Artikel. Da in Wäldern nun mal Bäume stehen kann man nicht sehr weit sehen. Deshalb entsteht der Gesamteindruck durch die Strecke und den 360-Grad-Eindrücke und die bannt man nicht auf Fotos. Aber es ist ein eindrucksvoller Wald. Da es wirklich viel regnet, ist es auch ein Regenwald mit Palmen und viel Unterholz. Überall sind kleine Bäche und Seen und alles ist nass, schlammig und glitschig. Gut für die Schuhe und Hose. Ich muss so schnell wie möglich Imprägnierspray kaufen, denn irgendwann sind meine Schuhe nicht mehr waserdicht. Meist ist es einigermaßen kühl, aber mit hoher Luftfeuchtigkeit. Wenn man sich bewegt, schwitzt man und sobald man stehenbleibt, friert man. Aber das nur am Rande, so schlimm ist das nicht. An einer Stelle waren kleine Bäche etwa 15 Meter unter uns, aber wir haben us auf dem Höhenniveau des Waldes bewegt. Die ganzen Gewässer waren unterirdisch. Gesehen hat man nicht viel, aber gehört. Und alleine die Vorstellung, dass man gerade 15 Meter über einem Gewirr von unterirdischen Höhlen, Bächen und Seen geht ist irgendwie unheimlich.
In der Wanderung waren zwei Rivercrossings drin, also wieder Flussüberquerungen ohne Brücke. Beide waren friedlich, also flach und ohne große Strömungen. Somit war es wieder kein Problem ohne Schuhe und Hose da durch zu waten. Aber an einer Überquerung haben wir eine geführte Tour von Holländern getroffen und uns etwas mit dem Guide unterhalten. Der hat uns und seiner Gruppe dann erstmal gezeigt, wie das richtig geht. Beim Kepler-Track, den wir erst machen wollten, hätten wir etwa fünf Mal am Tag durch große Flüsse gemusst. Und zwar macht man das folgendermaßen:
Rucksack so tief und locker wie möglich. Es gibt mehrere Todesfälle im Jahr, weil Touristen den Rucksack fest angeschnallt haben, meist auch noch mit Hüftgurt, und den nicht schnell genug loswerden, wenn sie umfallen. Oft ist noch ein Regenschutz um den Rucksack, der sich dann mit Wasser füllt und die Leute einfach mitreißt. Wenn man erstmal in der Strömung ist, hat man dann wohl keine Chance mehr.
Zweitens: Schuhe anbehalten. Damit geht man sicherer, weil man überall hintreten kann und falls man umfällt und den Rucksack verliert, hat man wenigstens noch seine Schuhe. Ein zweites Paar Schuhe, trockene Socken und Handtücher sind sowieso obligatorisch bei langen Wanderungen.
Und drittens hakt man sich beim Gehen ein, um sich gegenseitig zu stützen und Gleichgewicht zu geben.
Ich weiß zwar nicht, inwieweit wir die Ratschläge auf unseren beiden kurzen Great Walks brauchen, aber es ist gut zu wissen. Ich probiere auch in Queenstown ein Schließfach oder irgendetwas anderes für meine Elektrosachen zu bekommen. Ist wohl nicht ratsam, die mitzunehmen. Sei es für Rivercrossings oder nur für Regen. Aber die meisten Schließfächer sind nur für höchstens 24 Stunden. Mal schauen, ob nicht ein großes Hostel etwas anbietet.
Wir waren in Punakaiki in 5-Bett-Zimmern untergebracht und abends war eine andere Deutsche in unseren Zimmer, die wollte alleine in den Pub des Dorfes gehen. Schweren Herzens, obwohl ich ja keine Kneipen mag, habe ich mich überreden lassen, mitzukommen. Das war witzig. Es gibt eine Rugby-Liga, da sind 15 Mannschaften aus Australien, NZ und Südafrika vertreten und das ist so etwas wie hier die Bundesliga. Aber die Angaben über Name, Nationen und Anzahl der Mitglieder laufen auseinander. Das hat man nun davon, kein Internet zu haben. Jeder von euch kann schneller meine Angaben überprüfen, als ich selber.
Der Pub war also voll von Leuten, die sich dafür begeistert haben, genauso wie in D, nur eben in Rugby. Rugby hat übrigens viele verschiedene Spielweisen, nicht so wie Fußball, wo die Regeln weltweit gleich sind. Danach kam noch eine Zusammenfassung eines Cricket-Spiels, NZ gegen Australien. Cricket ist ein Spiel, das glaube ich keiner versteht. Ein Spiel kann sich über 3 - 5 Tage hinziehen und trotzdem mit einem Unentschieden enden. Und dieses Spiel wurde wegen Regen abgebrochen und da es nur ein Freundschaftsspiel war, gab es kein Ergebnis. Irgendwie unbefriedigend, wenn man es sich schon anschaut. Aber Australien und NZ ist immer eine Hassliebe. Weltweit gehört man zusammen, aber lokal ist natürlich jedes Land besser, als das jeweils andere. Ich vergleiche das manchmal mit Düsseldorf gegen Köln, allerdings gibt es bei Australien gegen NZ einen klaren Sieger. Australien ist in jeder Hinsicht größer, wichtiger und besser als NZ und genau deshalb ist man in NZ nicht so gut auf Australien zu sprechen. Bei Köln gegen Düsseldorf ist Köln größer, Düsseldorf wichtiger und wer besser ist möchte ich nicht entscheiden, da ich in beiden Städten zu viele Leute kenne. Ich bin jetzt schon gespannt auf die Kommentare auf diese Feststellung. Da haben wir eben ein paar Bier getrunken, ein paar Leute kennengelernt und Blödsinn geredet. Dass selbst an diesem Ende der Welt die Leute das Bild von David Hasselhoff vor der Berliner Mauer und seinem Freiheitslied vor Augen haben, hat mich gewundert.
Samstag sind wir hierhin gefahren. Auf dem Weg haben wir uns den Franz Josef Glacier angeschaut, der ist nach einem österreichischen Kaiser benannt, weil der Typ, der en entdeckt und erkundet hat, Österreicher war. Und heute haben Milada und ich eine geführte Tour auf den Fox Glacier gemacht. Ohne Guide darf man nicht aufs Eis, weil es zu gefährlich ist. Der Trip war wirklich interessant. Ich war noch nie auf einem Gletscher und diese Massen an Eis sind eindrucksvoll. Eigentlich ist es relativ warm, auch wenns fast jeden Tag regnet, aber auf dem Gletscher selber ist es saukalt, wonder why... Wir haben es noch trocken gehabt, auf dem Rückweg hat dann angefangen zu regnen und bis jetzt (8PM) durch.
OK, morgen gehts weiter nach Queenstown und dann weiter nach Süden. In Richtung Stewart Island.
Zum Schluss noch ein philosophischer Gedanke.
So nah an der Natur wie hier, kann ich die alten Griechen verstehen, dass sie nur vier Elemente kannten. Feuer, Wasser, Luft und Erde. Die Faszination von Feuer brauche ich nicht zu erklären, zumindest jeder Mann kann sie nachvollziehen. Wasser hat genau das Gleiche, aber entfaltet seine Kraft nur in großen Mengen. Außerdem sind die Kräfte nicht hausgemacht, wie beim Feuer, sondern von der Natur entweder da oder eben nicht. Unser Hostel in Punakaiki war ja direkt am Strand der Tasman Sea und die ist meistens sehr rauh. Den Wellen zuzuschauen ist ähnlich faszinierend wie ins Feuer zu schauen. Eine rauhe See geht meist mit starkem Wind einher, was dem Wasser ähnlich ist. Kann man selten selber machen, ist aber faszinierend. Und Erde: Große Erdbeben habe ich zum Glück noch nicht mitgemacht, aber die ganzen vulkanischen Aktivitäten hier sind eine Verbindung von Feuer und Erde. Jetzt bin ich ohne Internet und kann nicht nachschauen, aber es stört mich gerade gewaltig, dass ich nicht weiß, was Feuer ist. Bei Wasser, Luft und Erde ist zumindest klar was sie sind, aber Feuer??? Vielleicht die Elektronensprünge von einem Ring auf en anderen??? Oder irgendwelche Entladungen beim Umwandeln des Kohlenstoffes von organischem Material in reines Kohlenstoff? Vielleicht ein anderes Mal.
Quasi abgeschnitten von der Welt ist man ohne wikipedia.
Hier haben gerade noch zwei Engländer und eine Deutsche eingecheckt, vielleicht gehen wir gleich noch in einen Pub um die Ecke. Mal schauen.
Wir hören uns in Queenstown. Dort werde ich den Artikel online stellen und an dieser Stelle einfügen, was bis dahin noch passiert ist.
So, heute ist Montag, ich sitze im Eiscafe und habe hier freies Internet, wenn ich was kaufe. Allerdings merkt man, dass es schon weiter im Süden ist. Die Sonne scheint, aber im Schatten ist es scheiße kalt. So mit T-Shirt. Die Stadt Queenstown ist wirklich ausschließlich auf Party und Adrenalin ausgelegt. Verlockungen gibt es hier viele. Und ich werde denen mit Sicherheit auch erliegen. Aber nicht heute. Wir haben nur einen Tag und den brauchen wir zu organisieren. Unseren Great Walk haben wir organisiert, mit Hin- und Rückfahrt. Der findet aber erst am 26. statt. Vorher machen wir noch einen anderen auf Stewart Island, aber den brauchen wir nicht buchen. Wir fahren hin und machen den einfach.
Die Fahrt hierhin, nach Queenstown war unspektakulär, bis auf die Landschaft. Die Westküste ist echt das Schönste, was ich hier bisher gesehen habe, ein paar Fotos kommen auch, wobei man das nicht immer auf Bilder bekommen kann.
Das erstmal bis jetzt, wir hören uns demnächst wieder. Vielleicht erst nach dem Great Walk. Wie ihr euch vorstellen könnt, geht der durch die Wildnis und dort gibt es kein Internet, Handyempfang oder Strom. Kein Handyempfang zu haben ist hier übrigens normal. In großen Städten natürlich schon, aber Funklöcher gibt es viele. In Deutschland sind die ja mittlerweile ziemlich ausgemerzt. Gerade mal, dass man im Keller keinen Empfang mehr hat.
So. Bis dann
Chriss