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Gedanken zu vielem

Mal wieder etwas anderes. Ein undiffernzierter, subjektiver Blick auf die Weltwirtschaft, Krisen, Leitzinsen, China, Amerika, Europa, Dollar bei dem ich plötzlich zwischen den Themen hin und her springe.
 
Wer hält was von der Weltwirtschaft? Die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) haben uns (Europa und die USA im allgemeinen, Deutschland im Speziellen) aus den verschiedenesten Gründen aus dem Schlamassel gezogen. Die USA kann froh sein, dass es noch wen gibt, der Anleihen kauft, auch wenn sie pleite sind. Das gleiche gilt für Portugal und Griechenland. Deutschland ist froh, dass es noch Länder gibt, die unsere Maschinen und Autos kaufen, wenn die anderen Europäer und Amerikaner als Käufer ausfallen. Jetzt geht es in Deutschland wieder steil bergauf, die USA tun zumindest so, als ob sie sich gerade wieder aufraffen. Selbst in Spanien sinkt die Arbeitslosenquote (wobei wir dort immer noch von Quoten um die 20% reden). Griechenland steht zwar immer noch am Rande des Abgrunds, ob man es jetzt kurzfristig oder langfristig sieht, aber: Wollen wir mal realistisch sein. Griechenland hat ein BIP von gut 300Mrd. US-$. Es ist schade um Griechenland oder einige kleine Länder, aber die werden die Weltwirtschaft nicht zum Einsturz bringen.
Also alles gut?
... Würde ich solch einen Artikel schreiben, wenn ich das denken würde?
Meine persönlich größte Angst ist die Inflation. Das kann nicht mehr lange dauern. In China ist Inflation schon lange auf dem Vormarsch. Die gefühlte sogar weit mehr als die offizielle. Dort spielt natürlich mit rein, dass ärmere Familien, die ja immer noch den größten Teil der Bevölkerung ausmachen, einen viel größeren Teil des Einkommens für Lebensmittel ausgeben müssen, als reichere Familien. Es soll auch Anzeichen geben, dass die USA ihre Inflation beschönigen. Es gibt eine Website vom MIT mit Millionen von Produkten, auf der aus den ganzen USA Preise eingetragen werden. Ist natürlich nicht repräsentativ und nicht von der Regierung abgesegnet, aber dort ist die Inflation viel höher als offiziell ausgewiesen. Das alles ist natürlich sehr vage, nichts, worauf man sich beziehen könnte, aber es sind Anzeichen.
Dazu kommen wir zu den Rohstoffpreisen. Ob es nun Stahl ist oder Kaffe oder Baumwolle oder Zucker oder was weiß ich. Aus aktuellem Anlass kann ich auch Energiepflanzen aufzählen und das große Problem der konkurrierenden Anbauflächen für Nahrungsmittel und Bioethanol ansprechen, aber nicht vertiefen. Ob der Preisanstieg wohl daher kommt, dass die physische Nachfrage gestiegen ist? Oder daher, dass es einfach viel zuviel Geld gibt, weil sich jeder für n Appel und n Ei unendlich viel Geld von den Zentralbanken leihen kann? Wenn ich mir zu den Sätzen Geld leihen könnte, würde ich selbst mit Tagesgeldkonten Gewinn erzielen. Das viele Geld muss ja irgendwo hin und Tagesgeldkonten geben immer nur für wenige Tausend € viele Zinsen ;-)
Ab hier möchte ich gar nicht viel weiter darauf eingehen, ihr kennt das: Steigende Nachfrage, steigende Preise, steigende Gewinne, steigende Löhne und wieder von vorne... Inflation eben.
Wie wir ja alle wissen, sind die Zentralbanken zu 100% unabhängig von der Politik. Außer manchmal.
Und vielleicht findet die Politik etwas Inflation gar nicht so schlecht. Dann drücken die Schulden nicht mehr so. Und wenn die Inflation auch noch versteckt ist und nicht als offizielle (hohe) Zahl bekannt wird, sind sogar beide zufrieden. Die Zentralbanken müssen nichts machen (Zinsen erhöhen) und die Regierungen reduzieren ihre (relative) Schuldenlast.
Aber selbstverständlich möchte ich niemandem etwas unterstellen.
Egal worüber man gerade redet, China ist immer vorne mit dabei. Politik, Wirtschaft, Finanzen oder eben Inflation. Da möchte ich auch nicht fehlen und meinen Senf dazugeben.
Ich habe keine Ahnung, was in China zur Wirtschaftkrise führen wird, aber irgendetwas wird es sein. Ein Land kann einfach nicht über 30 Jahre nur wachsen und Geld verdienen, ohne dass es zu Einbrüchen kommt. Da gibt es die Gefahr des Platzens des Immobilienbooms. Oder soziale Spannungen, weil Nahrungsmittel zu teuer sind oder weil zuviele Hochschulabsolventen keinen Job bekommen oder die Umweltzerstörung zu heftige Auswirkungen hat oder weil die Menschen es satt haben von korrupten (oft Lokal-) Politikern abgezockt zu werden... Oder alles zusammen, wie in Nordafrika. Irgendetwas wird passieren, aber keine Ahnung was oder wann.
Die Frage wann etwas passieren wird ist übrigens volkswirtschaftlich sehr interessant.
Man möchte den ganzen Ökonomen ja keinen Vorwurf machen, dass sie die Finanzkrise nicht vorausgesehen haben, das sind keine Hellseher. Ein Punkt ist mit Sicherheit, dass viele sich nicht getraut haben, gegen die "allgemeine" Meinung zu sprechen. fragt sich nur, was die allgemeine Meinung war, bzw. wer sie macht. In der Situation haben alle Leute in den Märkten sehr viel Geld gemacht, Pessimisten passten einfach nicht ins Bild. Und von wem werden die meisten Ökonomen bezahlt? "Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing."
Es gab mit Sicherheit viele VWLer, die die Blase am amerikanischen Immobilienmarkt und dem damit zusammenhängenden Hypotheken zumindest gesehen haben. Aber die Frage ist immer, WANN etwas passiert. Blasen gibt es immer und überall und wird es auch immer wieder geben. Und alle Blasen werden sich früher oder später wieder auflösen. Manche mit einem Knall, manche langsam, dass es kaum einer bemerkt. Aber genau diesen Wendepunkt vorauszusehen, ist quasi unmöglich. Und wer immer wieder meint, einen Wendepunkt zu erkennen und immer wieder falsch liegt, macht sich natürlich unglaubwürdig. Wer kennt nicht die Aussage von sich selber: "Das kann nicht mehr lange gut gehen." Und hin und wieder hat man recht, und es geht nicht mehr lange gut und man fühlt sich bestätigt. Was aber, wenn jeder, der sagt "Das kann nicht mehr lange gut gehen." mit dieser Information an die Medien geht und es öffentliche Diskussionen über den Wahrheitsgehalt gibt? Das brauche ich wohl nicht mehr zu beantworten, die Aussage ist klar.
Was noch? Dollar? Vor nicht allzulanger Zeit lag der Euro bei ca 1,20$. Da hat die FED Europa gewarnt, dass sie nicht akzeptieren wird, dass Europa sich so Exportvorteile verschafft. Dabei liegt der faire Wert des Euros bei ca. 1,20$. In der logischen Konsequenz müssten wir also jetzt die USA warnen, dass die sich Exportvorteile verschaffen? Klingt komisch? Ist auch so, denn was will Amerika denn bitte exportieren? Was bitte wird in den USA produziert, was woandershin verkauft wird? Flugzeuge und Rüstungsgüter ja. Software und Filme sind schon an der Grenze. Aber sonst? Die eine oder andere Hochtechnologie, aber dann nur in sehr geringen Stückzahlen. Alles, was man outsourcen konnte, wurde doch auch outgesourct.
Den Artikel hatte ich vor Japans erdbeben angefangen und dann keine Zeit mehr gefunden, ihn zu beenden, weshalb ich jetzt die zeit nutze, um darauf einzugehen. Wobei es dort nicht viel zu sagen gibt. Es ist schrecklich. Punkt. Das Erdbeben, der Tsunami und erst recht das Problem mit dem KKW.
Das hat auch meine Meinung über KKWs geändert. Zuerst möchte ich hinzufügen, dass grundsätzlich nie und unter keinen Umständen eine Kernschmelze stattfinden darf. Aber wenn ein(!) Reaktor in Japan havariert wäre, hätte man es evtl. auf eine Verkettung unglücklicher Umstände schieben können. Aber gleich alle sechs (ich betrachte jeden Block als eigenes Kraftwerk, da meines Erachtens jeder Block unabhängig von den anderen agiert)? Unabhängig vom Unfallhergang und jeglichen Gründen sind in meiner Denkweise sechs Kernkraftwerke auf einmal nicht mehr beherrschbar gewesen. Und jedes einzelne Kraftwerk kann eine Katastrophe auslösen (je nach Definition ist es bereits passiert oder noch möglich). Das geht nicht, das ist zu gefährlich. Es fragt sich nur, wie das umgesetzt werden kann, dass KKWs zu gefährlich sind.
 
Und schon sind wir bei Energiepolitik. Auch ein schönes Thema.
 
Dass alle KKWs in den nächsten Jahren abgeschaltet werden, ist ja wohl illusorisch. Sowohl in D, und erst recht in der Welt. Ob die Menschen in anderen Ländern überhaupt das Thema Atomkraft im Kopf behalten, wenn Japan aus den Nachrichten verschwindet, bleibt abzuwarten. Genauso wie der Stromverbrauch sonst geregelt werden soll. In D sind die Leute gegen Atomkraftwerke. Aber die großen Windparks sollen auch nicht direkt vor der Tür stehen, sehen ja nicht so toll aus. Aber Hoch- und Höchstspannungsleitungen sollen auch nicht genaut werden. Ist ja gefährlich. Biomassekraftwerke stinken alles voll. Kohlekraftwerke erwärmen die Atmosphäre. Öl auch. Außerdem steigt der Ölpreis und wir wollen nicht von den bösen Ländern im Nahen Osten abhängig sein. Bei Solar sind wir von den chinesischen seltenen Erden abhängig. Gas ist zwar auch böse und klimaschädlich und fossil, wird aber langsam zum Retter aufgebaut, weil es am wenigsten schädlich ist. Und durch die neuen horizontalen Bohrtechniken ist es bedeutend günstiger geworden, weil man jetzt auch Gas in Schiefergestein fördern kann. Sogar die USA, die seit jeher jede Wattsekunde selber gebraucht haben, werden bald zum Exporteur. Gehts noch? Die USA exportieren Energie. Das wäre ja, als wenn die skandinavischen Länder Russland als Vorbild für die Korruptionsbekämpfung nehmen würden.
Naja, auf jeden Fall ist gas günstig, "wenig" klimaschädlich und im Überfluss vorhanden. Dass man dafür auch Großkraftwerke braucht, könnte der Bevölkerung ja noch erklärt werden. Dass man für die Förderung riesige Flächen verseucht, weil man giftige Flüssigkeiten in den Boden presst eher nicht. Wenn uns etwas heilig ist (und auch sein sollte) ist das unser Wasser. Außerdem heißt das derzeit günstige Gas nicht, dass es auch günstig bleibt. Das Gesetz von Angebot und Nachfrage bleibt ja im Grundsatz erhalten, auch wenn nach der Finanzkrise alle ökonomischen Lehren überdacht werden. Und wenn die Skepsis gegenüber Kernkraftwerken bleibt, werden vermutlich viele Gaskraftwerke gebaut, was die Nachfrage erhöht und somit auch den Preis. Fragt sich, was bleibt:
Das Stromsparen. Und das Smartgrid. Ich muss mal eben etwas klarstellen, weil eine Sache oft falsch dargestellt wird. Beim Smartgrid wird der Verbrauch flexibel gemanagt, so dass optimalerweise über den ganzen Tag gleichmäßig viel Strom verbraucht wird. Aber in erster Linie ist das Smartgrid nicht dafür gedacht, Strom zu sparen. Die "Menge" an verbrauchtem Strom bleibt ziemlich gleich. Der Vorteil ist, dass der Verbrauch besser planbar ist und somit einige Spitzenlastkraftwerke wegfallen können, im Optimalfall (der natürlich niemals eintreten wird) würden sogar immer ausschließlich Grundlastkraftwerke laufen. Wobei sich dann auch die Unterscheidung zwischen Grund-, Mittel- und Spitzenlast erledigen würde...
Und mit der Überlegung käme man zur nächsten Überlegung: Grundlastkraftwerke sind nun mal Kernkraftwerke und Kohlekraftwerke, also die Großen mit hohen Baukosten (Fixkosten) und geringen Brennstoffkosten (variable Kosten). Aber war da nicht was? Kernkraft und Kohle? Ach ja, die wollen wir ja gar nicht. Womit wir bei starkem Ausbau von erneuerbaren Energien und Netz wären. Und bei Speicherung der Energie, wenn sie im Überfluss vorhanden ist (Pumpspeicherkraftwerke?, Umwandlung in Gas? Druckluft? Neue billige Supraleiter?).
Und wie schon oben angedeutet beim Stromsparen. Das mus jeder selber für sich entscheiden. Gut wäre es. Aber das will ich hier nicht mehr ausführen. Man schaue sich mal den Artikel an, der ist etwas lang geworden. Den Stelle ich jetzt online und denke mir ein neues Thema aus.
 
P.S.: Die BoE (Bank of England) will trotz Inflation von ~4% nicht ihre Leitzinsen (0,5%) erhöhen. Jetzt weiß ich nicht, wofür die BoE da ist. Die Fed (USA) ist für Preisstabilität UND Wirtschaftswachstum zuständig, die EZB (Euroraum) NUR für Preisstabilität. Aber es deckt sich mit meiner Aussage von oben, dass es vielen Staaten gar nicht so unrecht wäre, wenn die Inflation die Schuldenlast relativ etwas drücken würde. Aber ich bin ein Dummkopf. Die Zentralbanken agieren ja grundsätzlich unabhängig von der Politik...
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