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Tagebucheintrag Nummer 73

Liebes Tagebuch,
 
mein neuester Eintrag wird dir viel von meinem Leben in NZ erzählen. Es ist nämlich nichts passiert. Im Grunde genommen ist da von vorneherein was schiefgelaufen, gestern in der Firma mit den 63er Nägeln, die nicht rechtzeitig da warten. Und Brettermeier den Stunk gemacht hat. Aber ne gelbe Hose tragen.
Tja liebes Tagebuch. So weit ist es gekommen, dass ich solch Niveaucomedy zitiere, während ich in der Bell Lodge auf dem Sofa liege und meinen Blog schreibe. Der heutige Tag war nämlich sehr anstrengend liebes Tagebuch. Zu Anfang musste ist nur etwas Kleber auf alle Wunden der Kiwisträucher schmieren, um sie besser verheilen zu lassen. Also die am Samstag angefangene Arbeit beenden. Aber um ca. halb 12 haben sich der Vorarbeiter Ray und er Besitzer des Orchards Joe herabgelassen und mich erlöst. Bis zur Mittagspause wurden dann Bäume gefällt, die am oder im Entwässerunsgraben standen. Das war harte Arbeit. Natürlich hat Ray die mit Kettensäge abgeschnitten, aber das Rausziehen der Bäume war anstrengend genug. Nach der Mittagspause haben wir weitere Bäume und Büsche gefällt und fast einen ganzen Wald vernichtet. Wenn wir alle Entwässerungsgräben so säubern müssen, werden die nächsten Tage sehr anstrengend. Trotzdem bin ich mit der Arbeit zufrieden, da mir nicht kalt wird und sie meinen Sport ersetzt. Kalt ist es nämlich noch immer. Seit 10 Tagen keine einzige Wolke am Himmel. Das macht die Tage sehr schön, vor allen, weil die Sonne hier ja bedeutend intensiver scheint, wie ich dir, liebes Tagebuch schon das ein oder andere Mal anvertraut habe. Nachts allerdings friert das so richtig stark. Deshalb habe ich mir eine extra Decke aus dem Büro besorgt. Ich muss eine extra Decke benutzen. Wo kommen wir denn jetzt hin?
Übrigens habe ich mit Markus K. in den USA telefoniert, der mir gesagt hat, dass letzte Woche der erste Tag mit über 40 Grad Celsius gewesen ist. Diese Temperatur hält sich wahrscheinlich für die nächsten drei Monate. Jetzt bin ich schon fast da und weiß immer noch nicht wohin und wie ich reise. Weil du mein Tagebuch bist, dem ich voll und ganz trauen kann und das niemals irgendwer anders liest, kann ich dir meine Unsicherheiten und Probleme ja anvertrauen.
Die wichtigste Frage, die sich stellt ist: Fahre ich per Anhalter oder nicht. Per Anhalter durch die USA ist so ziemlich das Coolste, was man machen kann. Leute, die man kennenlernt und quasi ohne Plan durch das Land "der Freiheit" fahren (ich bin mir der Ironie dieses Satzes durchaus bewusst). Nur ist die USA nicht Neuseeland. Jeder hat eine Waffe und es gibt eine Menge Bösewichte wie z.B. Leatherface. Andere Möglichkeiten sind dabei Züge, Busse und Flugzeuge, die aber alle einen entscheidenden Nachteil haben. Fange ich mit den Flügen an: Teuer und ich sehe nichts. Züge: Werden fast nur von Touristen benutzt und ich möchte keine Touristenreisen machen, auch wenn ich einer bin. Busse sind die günstigste Reisemöglichkeit, sind aber noch gefährlicher als per Anhalter, weil sie nur von der untersten Gesellschaftsschicht und Verbrechern benutzt werden. Jeder andere hat ein eigenes Auto. Die Möglichkeit eines eigenen Autos ist mir zwar auch schon durch den Kopf gegangen, aber irgendwie ist mir das zu viel Stress. Kaufen, Versicherung, ich muss mir meinen EU-Führerschein aus D zuschicken lassen, verkaufen... Auch wenn es cool wäre, mit einem 5L V8 GMC-Truck durch die USA zu heizen. Neuwagen sind sehr günstig, da bekommt man die Gebrauchten doch bestimmt hintergergeschmissen. Aber ich glaube nicht.
Die zweite mich verzehrende Frage ist eher ein Entscheidungspoblem: Wo will ich hin? Die Vereinigten Staaten von Amerika sind ja nun mal etwas groß. Atlanta und Augusta hoffe ich von Markus gezeigt zu bekommen aber dann wirds schwierig.
Wenn ich ganz allgemein drüber nachdenke, fallen mir folgende Ziele ein, die ich sehen möchte: NYC, Große Seen (Chicago?), Yellowstone, Kalifornien, Las Vegas, Texas, New Orleans und Florida. Also vollkommen unmöglich in drei Monaten auf dem Landweg. Jetzt wo ich dir, liebes Tagebuch, meine Überlegungen preisgebe, fällt mir eine gute Idee ein. Was wäre, wenn ich im Süden bleibe und die nördlichen Ziele erstmal auslasse. Von Düsseldorf nach NYC kostet es ja nur 350€ return.
Einmal quer durch die USA auf dem Landweg. Von Osten nach Westen, vom Atlantik zum Pazifik, von Florida nach Kalifornien. Über New Orleans (Louisiana) und Texas. Wenn ich Glück habe, komme ich sogar über Las Vegas, aber das sehe ich dann. Ansonsten muss ich da eben später hin. Und mit dem Flugzeug zurück nach Atlanta. Sind zwar auch ein paar 1.000km, sollte aber zu schaffen sein. Und jetzt gerade kommt mir noch eine Idee. Vielleicht kann ich den Zubringerflug von Atlanta nach Chicago auf dem Rückflug vorverlegen und noch eine Woche in Chicago bleiben.
Liebes Tagebuch, du bist mir wie immer eine große Hilfe, wenn ich mit wem reden muss. Du widersprichst nicht und drängst dich nicht mit Ideen in den Vordergrund, sondern bringst die Vorlagen, um mich meine eigenen Ideen entwickeln zu lassen.
Also abgemacht. Per Anhalter von Augusta nach Florida. Da auf den richtigen Highways stehen, um nach New Orleans, Houston, El Paso (Texas) und weiter nach Kalifornien zu kommen. Obwohl es wahrscheinlich uninteressant ist, will ich DEN(!) Grenzübergang USA - Mexiko sehen. Umschlagsplatz für Drogen und illegale Einwanderer (Mexiko - USA) und Schwarzgeld, Waffen und Verbrecher (USA - Mexiko). Nur rüber will ich da nicht. Von Kalifornien muss ich irgendwie nach Las Vegas kommen und von da einen Flug zurück nach Atlanta buchen. Außerdem muss ich meinen Rückflug umbuchen, um ein paar Tage Aufenthalt in Chicago zu haben.
Hört sich gut an, oder? Und vor allem weder teuer, noch kompliziert? Einen Flug buchen, einen umbuchen, einen Straßenatlas kaufen und die Internetseiten für Hostels und Mitfahrgelegenheiten kennen. Dazu einige triviale Sicherheitsvorkehrungen.
Ich bin mit meinem heutigen Tag zufrieden. Harte Arbeit und Planung.
Die Frage ist, wie durchsetzbar das alles ist. Es kommt bestimmt komplett anders, als ich gerade denke, aber das werde ich sehen.
Tagebuch, danke. Jetzt speichere ich dich online ab, damit keiner dich zu Gesicht bekommt und gehe dann ins Bett.
Gute Nacht
Liebes Tagebuch,
obwohl es Mittwochmorgen ist und ich gleich arbeiten gehe, sitze ich vor dem Rechner und habe tatsächlich ein ungesichertes WLannetzwerk in der Nachbarschaft entdeckt. Sweet as. Nur gibt es seit gestern nicht viel zu erzählen.
Vielleicht die Tatsache, dass die Besitzerin des Hostels für zwei Jobs, die sie ins Internet gestellt hat 88 Anrufe bekommen hat. Oder, dass Ray gestern Öl bei der Motorsäge nachfüllen musste und dabei geschätzte 100ml Öl daneben aufs Gras hat laufen lassen. Genauso tankt er auch die Trecker aus Dieselkanistern, nur dass da 100ml etwa 1% sind. Beim Öl der Kettensäge dagegen 50%. Also geht die Hälfte rein und die andere Hälfte daneben. Seid ihr auch so, dass ihr gerade bei Benzin und Öl besonders aufpasst, wenn es um die Umwelt geht? Ich wische jeden letzten Tropfen von überall weg. Deswegen schockiert mich der Umgang hier damit auch so.
Und es ist Mittwochabend. Ich habe gearbeitet, ziemlich hart sogar. Das WLan in der Küche ist so schwach, dass die Verbindung ständig abbricht und der Wetterbericht ist so, dass es wohl ab Freitag regnet. Dann habe ich wenigstens ein, zwei Tage, an denen ich das Auto wegen der Heckscheibe in die Werkstatt bringen kann. Jow, mein Arbeitgeber, hat mir quasi zugesagt, dass ich da auch arbeiten kann, wenn ich das Auto verkauft habe. Er arrangiert etwas für uns. Also komme ich zurück, nachdem ich das Auto verkauft habe. Das eld kann ich in den USA gut gebrauchen und im Moment sind ja keine Jobs verfügbar in ganz NZ. Was noch? Jessie hat heute ausgecheckt, eine Frau aus Malaysia, die bei mir im Raum gewohnt hat. Schade, die war gut. Dafür haben drei neue Pärchen eingecheckt. Langweilig. Pärchen sind zu sehr mit sich selbst beschäftigt und nicht so offen wie Einzelpersonen oder Travelmates, die eben keine Pärchen sind.
Ende der Geschichte
 
Chriss
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T
Lieber Christian,<br /> <br /> das sind ja wieder sehr viele Neuigkeiten. Ich finde es wirklich sehr schön, dass du dich mir anvertraust. Bist auch echt arm dran wegen der harten anstrengenden Arbeit. Und dann auch noch die klirrende Kälte :(<br /> Ich finde es übrigens toll, dass du dir soviele Gedanken um unsere Umwelt machst.<br /> <br /> Gruß<br /> Dein Tagebuch<br /> <br /> P.S.: Als dein Tagebuch rate ich dir, fang wieder mit dem Biertrinken an!
Antworten
C
<br /> Mein Tagebuch redet mit mir. Schoen.<br /> Meine Umwelt liegt mir sehr am Herzen. Die Politiker in NZ stellen das hier immer so schoen und umweltfreundlich dar. Schoen stimmt auch, umweltfreundlich ist nicht so der Fall. Der gemeine<br /> Neuseelaender gibt naemlich einen Scheiss auf die Umwelt.<br /> Da sind wir in D weiter.<br /> <br /> <br />