Hallo,
hier mal wieder ein Artikel vom Arbeitslosen.
Gestern keine Arbeit, heute (Dienstag) keine Arbeit und morgen wahrscheinlich auch nicht. Dafür viel Regen, der mir im Zelt viel Spaß bereitet. Es ist dicht und ich hab ja auch eine Überplane, aber so wirklich angenehm ist es nicht. Dafür habe ich Privatsphäre. Und zahle weniger.
Letzte Nacht war es windig bis stürmisch. Die Plane hat zwar gehalten, aber war zu lose und deshalb unglaublich laut, weil sie die ganze Zeit rumgeflattert ist. Mitten in der Nacht habe ich die dann abgemacht und hinters Zelt gelegt. Zum Glück hat es da und bis ich eingeschlafen war gerade mal nicht geregnet.
Heute habe ich die Plane neu aufgebaut. Und weil ich viel Zeit habe, wurde es etwas professioneller. Zum Glück gehörten Spaten und Säge zur Autoausstattung und nebenan ist ein riesiger Garten mit Bambus. Die Stämme habe ich mir zurechtgesägt, eingegraben und Kerben reingesägt und mit Draht festgemacht. Danach habe ich das Zelt nochmal neu aufgebaut und jetzt ist die Plane genau mittig überm Zelt in der richtigen Höhe und an acht Punkten festgemacht. Wieviel Arbeit ich mir aus lauter Langeweile gemacht habe. Ist ja genauso, wie in Auckland die Hostelküche aufzuräumen.
Jetzt ist schon Mittwoch und selbstverständlich habe ich immer noch keine Arbeit. Aber so langsam weicht das Resignationsgefühl einem gewissen Galgenhumor. Die schlechte Laune ist schon länger weg.
Hey, ich lebe für n Appel und n Ei, hier leben coole Leute, das Wetter ist schlecht und es gibt absolut NICHTS zu tun. Was könnte es schöneres geben?
Ansonsten. Hier ist ein Pärchen aus den USA (Utah), den Typen habe ich mal gefragt, wie das mit dem Hitchhiken in den USA aussieht. Witzigerweise hat der mir genau die Sachen erzählt, die mir auch im Internet aufgefallen sind. Er selber ist oft per Anhalter gefahren und kennt auch viele Leute, die es gemacht haben. Und er hat noch niemals schlechte Erfahrungen gemacht oder auch nur davon gehört. Aber trotzdem hat er schon oft gehört, wie gefährlich es sei. Aber nur von Leuten, die es noch nie probiert haben. Jetzt warte ich noch ab, wie Markus die Sache sieht, er will auch ein paar Kumpels fragen, aber eigentlich habe ich mich schon dafür entschieden.
Hier gibt es allgemein viele Überlebenskünstler. Leute, die sich überall aus dem Wald und Meer ernähren können, Unterkünfte im Wald selber bauen und einen sehr alternativen Lebensstil besitzen. Dafür würden die an einem Schreibtisch verzweifeln.
Es ist Donnerstagmorgen, ich komme gerade vom Job wieder, den Brian mir besorgt hatte. Um 8:30AM sollte ich an einer bestimmten Straßenkreuzung abgeholt werden, um Orangen zu pflücken. Und um kurz nach 9 bin ich wieder gefahren, weil keiner da war. Gut...
Das war aber heute ein Drama. Es ist Donnerstagabend und ich habe gearbeitet. Als ich den vorherigen Satz geschrieben habe, war ich natürlich schlecht drauf, aber Brian hat mir gleich einen neuen Job angeboten. Weshalb die Frau nicht gekommen ist, weiß ich nicht, dafür habe ich in der Stadt alte Farbe von einem Dach abgekratzt. Mistarbeit im Regen, aber es war etwas zu tun und ich habe etwas Geld verdient. Also ok. Ich hätte nie gedacht, dass es noch Regionen gibt, in der acht Leute mit einem Spachtel auf einem Dach stehen und alte Farbe abkratzen. Dafür gibts doch Hochdruckreiniger, Sandstrahlgeräte oder Schleifmaschinen. Gut gut für mich. Eigentlich sollen wir morgen wieder dort arbeiten, aber Brian hat uns etwas Besseres besorgt. Ab morgen pflücke ich Mandarinen. Schön. Natürlich auf contract, also werde ich nach Leistung bezahlt und nicht nach Zeit. Die Bezahlung ist meist so, dass man mit durchschnittlichem Einsatz auch einen durchschnittlichen Stundenlohn bekommt. Und dieser Job ist fest für die nächsten Tage. Eigentlich sogar für drei Wochen, aber ich bin ja nur noch eine Woche hier. Dann reicht das Geld aber auf jeden Fall, um den Flug zu buchen. Denn diese Ausgabe schwebt immer wie ein Damoklesschwert über meinem Kopf. Wenn ich das Ticket habe, fühle ich mich besser, dann muss ich nur noch mein eigenes Überleben bezahlen.
Es ist 10PM und ich gehe ins Bett, jetzt wird mein Internetzugang seltener. Wenn ich den ganzen Tag arbeite, habe ich abends bestimmt keine Lust mehr in die Stadt zu fahren und noch online zugehen. Und hier ist es zu teuer und nervig.
Gute Nacht.
So, es ist Freitagabend, ich sitze im McD und habe heute Mandarinen gepflückt. Im Regen. Das Zelt macht macht den Eindruck, dass es mich bald im Stich lässt. Es muss nur noch bis nächste Woche Samstag halten, dann hat es seine Schuldigkeit getan. Backpackerleben. Nasskalt, im Zelt leben. Harte Arbeit, dafür Mandarinen satt... Und trotzdem gehts richtig gut. Morgen und Sonntag wird wieder gepflückt, dann ist erstmal wieder Ende, aber wir werden sehen, was kommt.
Und ich hab schon wieder alle Fotos vergessen. naja, kommen später, wenn ich mal wieder richtig Zeit habe. Internetzet meine ich.
Chriss